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Vegane Produkte im Trend : Auf einmal essen alle fleischlos

Immer mehr vegane Alternativen kommen in den Handel. Bild: JASON HENRY/The New York Times/R

Jahrelang waren vegane Produkte nur etwas für Wollsockenträger, sagt der Deutschlandchef von Nestlé. Jetzt will der Konzern auf dem Markt mitmischen. Prominente Wettbewerber gibt es reichlich.

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          Selten habe es ein Produkt gegeben, das sich so schnell, so gut verkauft habe. Hubert Stücke muss es wissen, denn er arbeitet seit 35 Jahren für Nestlé, den größten Lebensmittelhersteller der Welt. Er ist Vorstand von Nestlé Deutschland und verantwortet die Marke Garden Gourmet. Bekannt ist sie vor allem wegen des sogenannten „Incredible Burger“, der seit diesem Jahr auf dem Markt ist. Der Incredible Burger schmeckt wie Fleisch, sieht auch so aus und fühlt sich so an – nur eben besteht er nicht aus Fleisch. „Eine solche Dynamik bei einem einzelnen Produkt habe ich in all den Jahren nur sehr selten erlebt“, sagte Stücke jüngst auf dem Medientag von Nestlé in Frankfurt.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Markt der Fleischersatzprodukte ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Er soll es auch in der Zukunft: Die neuen Ersatzprodukte könnten im Jahr 2030 einen Anteil von 28 Prozent am gesamten Fleischmarkt ausmachen, heißt es in einer Studie der Berater von A.T. Kearney. Zehn Jahre später könnte sich dieser Wert sogar auf 60 Prozent verdoppeln.

          Deutschland ist größter Markt für vegane Produkte

          Die Konkurrenz ist groß: Am Montag verkündete das kalifornische Start-up Beyond Meat gemeinsam mit der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) ein Hühnerfleisch-Imitat mit dem Namen „Beyond Fried Chicken“ auf den Markt zu bringen. Der Incredible Burger von Nestlé wird schon beim Konkurrenten McDonald’s verkauft. Auch andere Fleischalternativen stehen schon heute im Regal der Supermärkte: So ist der Incredible Burger beispielsweise im Supermarkt Rewe gelistet, während Beyond Meat beim Discounter Lidl verkauft wird.

          Die Nachfrage nach vegetarischen oder veganen Produkte ist noch größer: Deutschland ist der größte Markt für vegane Produkte auf der Welt, gefolgt von Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Nach einer Allensbach-Studie ernähren sich rund sechs Millionen Menschen vegetarisch, rund eine Million Menschen sind Veganer. Dazu kommen Menschen, die nur selten Fleisch essen oder nur einzelne Produkte vegan kaufen, wie es oftmals bei Milchalternativen der Fall ist.

          Lange haben vor allem Start-ups den Ernährungstrend dominiert. Jetzt wollen die großen Konzerne davon profitieren. „Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger“, sagt Nestlé-Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch. Heute sei es eine Bewegung. In einer Umfrage gaben über 84 Prozent der Deutschen an, sich für eine gesunde Ernährung zu interessieren. Davon profitieren die Hersteller: Denn vegane Produkte sollen besser für die Umwelt, das Klima und die Gesundheit sein.

          Veganz will an die Börse

          Wie man diese Bewegung nutzt, zeigte kürzlich Veganz. Das Berliner Unternehmen stellt ausschließlich vegane Produkte her, die auch bei konventionellen Lebensmittelhändlern wie Rewe verkauft werden. Eigene Läden vertreibt das Unternehmen in Berlin. Im vergangenen Jahr machte Veganz einen Umsatz von über 23 Millionen Euro. „Wir wachsen sehr stark, 2019 um 50 Prozent“, sagte Firmengründer Jan Bredack der „Augsburger Allgemeinen. Jetzt peilt der Gründer einen Börsengang an. „Das kann ich mir in zwei bis drei Jahren gut vorstellen.“

          Der Trend zu Alternativen im Lebensmittelhandel zeigt, in welche Richtung sich die Konzerne entwickeln. So waren Unternehmen wie McDonald’s oder Nestlé in den vergangenen Jahren nicht gerade für gesunde Produkte bekannt. Das soll sich jetzt ändern. So bringt Nestlé in diesem Jahr neue vegetarische und vegane Produkte in die Läden – etwa einen Fruchtriegel ohne künstliches Zucker und in recyclebarer Verpackung. „Die Menschen wollen heute mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Boersch. „Sie erwarten das auch von Nestlé.“

          Fünf Millionen Burger-Pattys

          Neben den Kundenerwartungen wird das große Potential für neue Kunden eine Rolle spielen. Mit einem Produkt hat sich Nestlé auf dem Markt etabliert: Das Burger-Patty verkaufte sich in den vergangenen drei Monaten rund fünf Millionen Mal in Deutschland – damit ist es das umsatzstärkste vegetarische Burger-Patty im Lebensmittelhandel.

          Bei Nestlé spricht man von einem „Hype“, den es vorher nur bei der 5-Minuten-Terrine oder beim Nescafé Cappuccino gegeben habe. Damit das so bleibt, bringt Nestlé das Patty mit neuer Rezeptur auf den Markt. Doch vor allem eine Idee soll Nestlé zum Markführer machen: fleischloses Hack. Denn der Markt für Hackfleisch sei zwanzigmal größer als der für Burger-Patties.

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