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VDZ-Chef Holthoff-Pförtner : „Ich war in keinem Hinterzimmer“

  • -Aktualisiert am

Der neue VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner Bild: Frank Röth

„Natürlich freue ich mich nicht über alles, was in unseren Medien erscheint“, sagt Funke-Gesellschafter Holthoff-Pförtner. Der neue Präsident der Zeitschriftenverleger über seine Wahl, Günther Jauch und seine Sorgen um Europa.

          Herr Holthoff-Pförtner, warum gibt es so viele Zeitschriften am Kiosk?

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Vielfalt in Deutschland ist einzigartig. Die Zeitschriftenmacher schaffen es, mit ihren Titeln neue Zielgruppen zu erreichen. Jahr für Jahr kommen mehr als 150 neue Titel dazu, ein Teil davon wird eingestellt, aber in der Summe haben wir heute mit 1600 Publikumszeitschriften 50 Prozent mehr Titel als vor zehn Jahren. Auch die digitalen Reichweiten entwickeln sich hervorragend. Ich glaube an unsere Branche und ihre Möglichkeiten, sonst hätten wir bei Funke nicht eine Milliarde Euro in den Kauf der Springer-Titel investiert.

          Funkes Adelszeitschrift „Das goldene Blatt“ titelte vor ein paar Wochen: „Harry & seine Chelsy: Jetzt enthüllt! Traumhochzeit noch vor dem Fest“. Kurz darauf gab das britische Königshaus die Partnerschaft von Prinz Harry mit Meghan Markle bekannt. Haben Sie sich darüber geärgert?

          Natürlich freue ich mich nicht über alles, was in unseren Medien erscheint. Die Arbeit soll aber auch nicht zu meiner Freude sein, sondern zur Unterhaltung unserer Leser. Natürlich ist nicht alles super, was von uns kommt. Über manches ärgere, über anderes freue ich mich.

          Warum berichten manche Zeitschriften aus Ihrem Haus und von anderen Verlagen über falsche Nachrichten?

          In unterhaltenden Zeitschriften ist die Versuchung zur Spekulation offenbar groß. Aber wenn wir eine Fehlinformation veröffentlicht haben, stellen wir sie richtig.

          Stören Sie die Anwaltskosten und Gegendarstellungen in solchen Fällen?

          Mehr als die Kosten stören mich überbordende Spekulationen. Das ist auch für die Glaubwürdigkeit eines Verlages nicht gut.

          Der Fernsehmoderator Günther Jauch wehrt sich gegen falsche Berichte. Ihn ärgere, dass ununterbrochen Menschen getäuscht würden, weil das Versprechen der Schlagzeile überhaupt nicht gehalten werde, sagte er dem Topfvollgold-Blog. „Zu dem Zeitpunkt hat die Oma aber schon 1,50 Euro oder noch mehr ausgegeben. Ich werde also benutzt, um Leute reinzulegen und gleichzeitig das Vermögen von denjenigen, die diesen Dreck produzieren, noch zu vermehren.“ Wie oft hören Sie diese Klagen?

          Nicht oft. Bei Günther Jauch gab es in der Tat eine in ihrer Absurdität schon fast wieder lustige Geschichte. Der Aufmacher lautete „Krach bei Günther Jauch“. Und dahinter verbarg sich die Nachricht, dass in der Straße vor Jauchs Haus gebaut wurde. Ich habe mich mit Günther Jauch darüber ausgetauscht. Für andere Prominente gilt allerdings: Ich kann nicht meine Hochzeit vermarkten und zur Scheidung Berichte verhindern. Dass Erwartungen gezielt geweckt und dann nicht erfüllt werden, kann in den Medien schon mal passieren.

          Es ist aber nicht falsch.

          Es wird in diesem Fall gezielt das „Kopfkino“ bedient. Erwartungen zu wecken und sie dann nicht zu erfüllen ist nicht richtig.

          Sie sind seit einem Monat Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Ihre Wahl hatte einen faden Beigeschmack: In dem Zusammenhang treten die Verlage Gruner + Jahr sowie der „Spiegel“-Verlag, der „Zeit“-Verlag und Medweth von Juni 2017 an aus dem Arbeitskreis der Publikumszeitschriften im VDZ aus. Wie können Sie so weitermachen?

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