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Fahrverbot : Autobranche gibt den Diesel nicht verloren

Feinstaubalarm: In Stuttgart dürfen ab dem kommenden Jahr viele Autos nicht mehr fahren. Bild: dpa

Es hagelt Kritik am anstehenden Fahrverbot in Stuttgart. Der Cheflobbyist der Autoindustrie setzt weiterhin auf den Diesel – und wünscht sich weniger Staus.

          Der Skandal um manipulierte Dieselmotoren des Volkswagen-Konzerns hat in den vergangenen anderthalb Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In absoluten Verkaufszahlen für Dieselautos hat er sich in Deutschland bisher nicht niedergeschlagen. So ließen die deutschen Behörden im vergangenen Jahr fast 1,54 Millionen Diesel-Neuwagen zu und damit etwa 1000 Stück mehr als im Vorjahr. Vor drei Jahren lag die Zahl der Diesel-Neuzulassungen bei 1,4 Millionen Fahrzeugen.

          Der steigende Absatz schlägt auch auf den Fahrzeugbestand durch. Ein Drittel aller zum 1. Januar zugelassenen Personenkraftwagen fahren hierzulande mit Diesel. Das war noch einmal gut ein halber Prozentpunkt mehr als vor Jahresfrist. 65,5 Prozent der 45,8 Millionen Autos verwenden dagegen Benzin und nur 1,6 Prozent alternative Antriebsstoffe wie Autogas oder Elektrizität.

          Geht es nach dem Verband der Automobilindustrie, ist auch angesichts solcher Zahlen der klassische Antrieb per Verbrennungsmotor kein Auslaufmodell. „Wir haben den Verbrennungsmotor nicht abgeschrieben“, sagte Verbandspräsident Matthias Wissmann vor Journalisten in Berlin. Den Diesel hält Wissmann sogar für unerlässlich, wenn es darum geht, europäische Emissionsziele zu erreichen. In weniger als vier Jahren sollen die Neuwagenflotten der Hersteller im Durchschnitt 95 Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid je Kilometer emittieren.

          Bald auch Fahrverbote in München?

          Diese Vorgabe sei ohne den Dieselmotor nicht zu erfüllen, sagte Wissmann und verwies auf den technischen Vorsprung neuer Dieselmotoren, welche die Vorgaben der Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Ein moderner Diesel stoße im Vergleich zu einem Benziner zwischen 15 und 20 Prozent weniger Kohlendioxid aus. Auf einem anderen Blatt stehen laut Wissmann Fragen nach Schadstoffen wie zum Beispiel den Stickoxiden oder der Emission von Feinstaub.

          Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss den Freistaat Bayern verpflichtet, bis zum Ende dieses Jahres ein vollzugsfähiges Konzept für Fahrverbote in München vorzulegen. In der vergangenen Woche hatte die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg einen Luftreinhalteplan beschlossen. Er sieht vom nächsten Jahr an Fahrverbote in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart vor, um Feinstaub- und Stickoxidwerte zu senken.

          An Tagen mit Feinstaubalarm sollen dort lediglich Dieselautos fahren dürfen, welche die aktuell strengste Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Das ist indes auf ganz Deutschland betrachtet eine Minderheit. Laut Kraftfahrtbundesamt erfüllen derzeit rund 13 Prozent aller zugelassenen Personenkraftwagen diese Norm, was rund 6,1 Millionen Autos entspricht. Mit anderen Worten und abzüglich der Autos mit alternativen Antrieben: Theoretisch wären gut 85 Prozent aller Autos in Deutschland von einem Fahrverbot im Stuttgarter Talkessel betroffen.

          Wissmann setzt auf weniger Staus

          „Der neueste Diesel hat in Sachen Stickoxid-Ausstoß einen enormen Sprung nach vorne gemacht“, sagte Wissmann mit Blick auf den baden-württembergischen Plan für Fahrverbote. Auffällig sei, dass die Maßnahme unter dem Schlagwort Feinstaubalarm stehe. Wissmann zufolge hängen lediglich 4 Prozent der Feinstaub-Emissionen mit dem privaten Kraftverkehr zusammen. Fahrverbote zu erwägen sei auch deswegen ein Schnellschuss, zu dem es Alternativen gebe.

          So ist es laut Wissmann sinnvoller, weiter an der Verflüssigung des Verkehrs zu arbeiten. Weniger Staus würden auch weniger Emissionen bedeuten. Zudem könne die Digitalisierung dazu beitragen, den Abgasausstoß zu verringern. Als Beispiel nannte der Verbandspräsident digitale Lösungen zur Parkplatzsuche, die den Verkehr reduzieren, der mit der Suche nach einem Stellplatz verbunden ist. Schließlich helfe der technische Fortschritt, wie auch die Euro-6-Dieselmotoren zeigten.

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