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Vatikanbank-Präsident von Freyberg : Der deutsche Saubermann hat viele Gegner

Vatikanbank-Präsident Ernst von Freyberg Bild: dpa

Nach den Rücktritten des Generaldirektors Cipriani und seines Stellvertreters übernimmt Vatikanbank-Präsident von Freyberg die Führung des operativen Geschäfts. Doch dessen deutscher Ansatz findet nicht nur Liebhaber.

          In der Vatikanbank, offiziell mit dem Namen „IOR“ (Institut für religiöse Aufgaben), hat nun Bankenpräsident Ernst von Freyberg auch die Führung des operativen Geschäfts übernommen. Der bisherige Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Stellvertreter Massimo Tulli sind zurückgetreten. Ernst von Freyberg erhält nun vorübergehend die Aufgaben des Generaldirektors. Ihm zur Seite gestellt werden zwei italienische Bankmanager aus dem Ausland, von denen einer zum Chef für die Risikosteuerung wird. Zudem erhalten zwei Mitarbeiter der auf Regeln und Bekämpfung von Geldwäsche spezialisierten Beratungsfirma Promontory direkt Beratungsaufgaben in der Bank.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Einer der Auslöser für den Wechsel war offenbar die Verhaftung des Prälaten und Chefbuchhalters der vatikanischen Vermögensverwaltung namens Nunzio Scarano, dem von italienischen Staatsanwälten Delikte wie Betrug und Geldwäsche vorgehalten werden. Scarano soll zu den beiden operativen Verantwortlichen der Vatikanbank beste Kontakte gehabt haben. Daher wird er nun in den italienischen Medien auch mit Ermittlungen zu einem Betrag von 23 Millionen Euro in Verbindung gebracht, der im Jahr 2010 auf einem Konto der Vatikanbank bei einem italienischen Institut beschlagnahmt worden war. Die dazu angestellten Ermittlungen sollen kurz vor dem Abschluss stehen und angeblich in eine Anklage für den bisherigen Generaldirektor und seinen Stellvertreter münden.

          Vatikanbank sorgt nicht zum ersten Mal für Schlagzeilen

          Italienische Medien hatten während der vergangenen Wochen versucht, den erst im Februar ernannten Vatikanbank-Präsidenten Ernst von Freyberg mit den beiden Bankmanagern in einen Topf zu werfen und zwischen den Zeilen auch seine Ablösung zu verlangen. Doch der neue Präsident nutzte die Lage, um die Führung der Bank selbst in die Hand zu nehmen und eine Beschleunigung der Säuberungsaktion anzukündigen.

          Erst vor wenigen Wochen hat sich von Freyberg gegenüber dieser Zeitung genau das Gegenteil von dem gewünscht, was passiert: Das vatikanische Finanzinstitut „IOR“ solle zu einem kleinen nützlichen Dienstleister für die Arbeit des Papstes und der katholischen Kirche werden, aber selbst so langweilig werden wie eine besonders kleine Volksbank in der Provinz, deren Jahresbilanz vielleicht gerade für eine Kurzmeldung taugt. Tatsächlich ist die Bank mit einer Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro, 114 Mitarbeitern und einem Nettogewinn 2012 von 86,6 Millionen Euro für die Branche ein Zwerg. Doch kaum ein kleines Provinzinstitut hat eine derart turbulente Geschichte wie die Vatikanbank, die nun wieder einmal Schlagzeilen verursacht und ganze Zeitungsseiten füllt, und gerade deshalb für den 1958 geborenen Juristen aus einer schwäbischen Adelsfamilie eine lohnende Herausforderung darstellt.

          Neuland für den zurückhaltenden Präsidenten

          Für den zurückhaltenden von Freyberg, der bisher seine Karriere als Investmentbanker abseits der Öffentlichkeit absolviert hatte, ist der Start als Präsident der Vatikanbank im Februar dieses Jahres nicht leicht gewesen. Denn mit ihm war bewusst ein Außenstehender ausgewählt worden, der andererseits nichts mit den Seilschaften und byzantinischen Riten hinter den Mauern des Vatikans zu tun hatte.

          Die italienischen Medien, die sich oft als Sprachrohr für den italienischen Filz im Vatikan benutzen lassen, spiegeln eine eher feindselige Haltung wider und benutzen dazu viele vordergründige Argumente: Der neue Vatikanbank-Präsident wird als reicher Adliger beschrieben, der nicht zum Programm des neuen Papstes Franziskus passe. Zudem habe er den Fehler, noch schnell in den letzten Tagen der Amtszeit von Papst Benedikt ernannt worden zu sein. Zwischen den Zeilen wurde ihm auch vorgehalten, immer noch keinen offiziellen Termin beim neuen Papst erhalten zu haben und darüber hinaus auch nicht zu dem Klüngel zu gehören, der täglich um Papst Franziskus herumscharwenzelt. Denn der neue Papst wollte sich nicht in die Abgeschiedenheit des Papstpalastes zurückziehen und wohnt weiterhin im Gästehaus des Vatikans, weshalb sich zu den Essensterminen allerlei Höflinge um ihn scharen.

          Dem vom Auftreten her fast hanseatisch-zurückhaltenden Vatikanbank-Präsidenten sind solche Verhaltensweisen fremd. Stattdessen hat er zum ersten Mal die Mitarbeiter des Instituts versammelt, über die Ziele gesprochen und auch über seine Null-Toleranz-Politik in Sachen Geldwäsche. Das außenstehende Beratungsunternehmen Promontory, mit ehemaligen Mitarbeitern der New Yorker Börsenaufsicht, sollte die Vatikanbank durchkämmen und damit am Schluss auch eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung erhalten. Doch dieser gründliche teutonische Ansatz findet nicht nur Liebhaber. Offensichtlich wünscht sich mancher, der deutsche Bankenpräsident möge bei seinen Bemühungen im vatikanischen Sumpf steckenbleiben, damit danach die Methode der Berufung von Außenstehenden zur Seite gelegt werde und die Vatikanbank wie bisher von italienischer Klientelwirtschaft bestimmt werden könnte.

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