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Vatikan : Angriffsziel Papstbank

Trotzte bisher jedem Sturm: Sitz der Vatikanbank im Turm Nicolo V. in Rom Bild: picture alliance / abaca

Die Vatikanbank droht in den italienischen Skandalstrudel zu geraten. Der entlassene Präsident der Bank soll ein Memorandum geschrieben haben, das im Falle eines Unfalls an den Papst hätte weitergereicht werden sollen. Jetzt interessiert sich die Öffentlichkeit dafür.

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          Der Vatikanbank droht nach dem Hinauswurf des bisherigen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi nun noch mehr Unbill von italienischen Medien und Staatsanwälten. In einer Pressemitteilung hatte der Vatikan eindringlich darum gebeten, die Souveränität des Vatikanstaats zu achten und nicht Interna rund um den Papst und die Finanzen seiner Bank nach draußen dringen zu lassen. Doch im Moment sieht alles danach aus, als sei das Gegenteil beabsichtigt. Denn auf die Vatikanbank hat nun der „Corriere della Sera“ gerade diejenige Sensationsberichterstatterin angesetzt, die vor zwei Jahren den Auftakt lieferte für die Enthüllungen um das skandalöse Privatleben des damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Auch diverse Staatsanwälte ermitteln über das Innenleben der Vatikanbank. Unter ihnen auch Henry John Woodcock aus Neapel, der seit Jahren immer wieder von sich reden macht. So hatte er einmal wegen eines Verdachtsmoments den Erben des letzten italienischen Königs, den Prinzen Vittorio Emanuele von Savoyen, in Handschellen von Como ins süditalienische Potenza bringen lassen und ihn in Untersuchungshaft gesteckt. Gleichzeitig tauchten in den Medien die Mitschriften schlüpfriger Telefonkonversationen des Prinzen über Frauenthemen auf. Danach kam es zwar nie zu einem Prozess, aber der Ruf war ruiniert. Später war Woodcock auch in diverse Ermittlungen rund um Berlusconi verwickelt, die außer Schlagzeilen und illegal abgehörten und publizierten Telefonaten keine weiteren juristischen Konsequenzen hatten.

          Ein Memorandum über all die Untiefen der Vatikanbank

          Die Vatikanbank ist nun wegen seines ehemaligen Präsidenten in das gleiche Räderwerk geraten. Ausgangspunkt war eine Hausdurchsuchung bei Gotti Tedeschi. Dabei hieß es, Gotti Tedeschi stehe selbst nicht unter Verdacht. Dennoch hatte man offiziellen Mitteilungen zufolge einen Grund gehabt, in den Unterlagen des ehemaligen Bankpräsidenten nach Material über angebliche Bestechungsaffären im Staatskonzern Finmeccanica zu suchen. Da Gotti Tedeschi seit Jahren auch die spanische Bankengruppe Santander in Italien vertritt, ist er gut vernetzt. Von Kontakten des katholischen Professors zum Rüstungskonzern Finmeccanica war bisher in der Öffentlichkeit aber wenig die Rede.

          Gut vernetzt: Gotti Tedeschi, der ehemalige Präsident der Vatikanbank
          Gut vernetzt: Gotti Tedeschi, der ehemalige Präsident der Vatikanbank : Bild: Reuters

          Bei der Hausdurchsuchung fiel den Staatsanwälten nach den bisherigen Berichten wenig Interessantes zu Finmeccanica in die Hände, dafür umso mehr über die Vatikanbank. Gotti Tedeschi soll ein Memorandum über all die Untiefen der Vatikanbank geschrieben haben, das im Falle seines Unfalls oder anderer unvorhergesehener Umstände an den Papst und andere Verbündete hätte weitergereicht werden sollen. Nun liegt es dagegen in den Händen der italienischen Staatsanwälte.

          Nachdem italienische Staatsanwälte ohnehin schon mit dem Verdacht auf Geldwäsche gegen die Vatikanbank ermittelt hatten, facht nun die Nachricht vom Dossier des ehemaligen Vatikanbankpräsidenten die Phantasie der Berichterstatter weiter an. Zudem ist natürlich bekannt, dass Staatsanwälte manche Sensationsreporter wie eben Fiorenza Sarzanini vom „Corriere della Sera“ regelmäßig mit Informationen füttern.

          Fragen über Nummernkonten

          Von einem internen Krieg in der Vatikanbank ist nun in der Zeitung die Rede. Der habe begonnen, wird Gotti Tedeschi zitiert, als er begonnen habe, Fragen über Nummernkonten zu stellen, die nicht katholischen Geistlichen gehörten. „Konten, die auf Politiker, Geschäftemacher, Bauunternehmer und hohe Funktionäre des Staates zurückzuführen sind“, schreibt Sarzanini im „Corriere della Sera“. Die Skandalgeschichte in der Vatikanbank wird gekreuzt mit anderen italienischen Affären, etwa einem angeblich korrupten Vermittler von Rüstungsgeschäften und von vielerlei anderen Kontakten, derzeit in Untersuchungshaft, oder dem früheren Chef der öffentlichen Bauverwaltung, vor Monaten ebenfalls verhaftet und Ziel von Korruptionsermittlungen. Beide, heißt es im „Corriere della Sera“, hätten Konten in der Vatikanbank gehabt. Weitere Verdachtsmomente drehen sich um den Bischofssitz im sizilianischen Trapani. Dort wird wegen verschwundener Gelder gegen den ehemaligen Finanzverwalter des Bischofs ermittelt. Dem wird außerdem unterstellt, er habe Gelder des obersten sizilianischen Mafiabosses Matteo Messina Denaro gewaschen.

          Weil der „Corriere della Sera“ nicht nur für Skandalberichterstattung gut ist, sondern auch eine italienische Institution darstellt, bemühen sich nun andere Berichterstatter, den Vatikan wieder etwas reinzuwaschen. Der vom gefeuerten Präsidenten der Vatikanbank der Heimlichtuerei bezichtigte Generaldirektor der Bank hatte nun die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Er habe Gotti Tedeschi alle gewünschten Unterlagen über die Konten gebracht. Doch der Bankenpräsident sei nicht daran interessiert gewesen und habe gesagt, es sei besser, nichts zu wissen. Paolo Cipriani, der Generaldirektor der Vatikanbank, war offenbar zu einem Zeitungsgespräch bereit und beteuerte, nur Geistliche seien Kunden seiner Bank.

          Doch die bisherigen Enthüllungen waren möglicherweise erst der Anfang. Denn zur Hausdurchsuchung bei Gotti Tedeschi wird ein Staatsanwalt mit den Worten zitiert: „Die gefundene Dokumentation zeigt, dass der Bankier Akten aufbewahrt hat, die viele illegitime Operationen beweisen, und auch, wie man sie vertuschen wollte.“

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