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Varta kündigt Produktion an : Produzent von Hörgerätebatterien will E-Autobatterien bauen

  • -Aktualisiert am

Varta will bald E-Auto-Batterien bauen. Bild: obs

Der Weltmarktführer für Hörgeräte-Batterien will bald auch Batterien für E-Autos bauen. Dafür kooperiert das Unternehmen mit einem Forschungsinstitut. Und will so den Asiaten Konkurrenz machen.

          Der Weltmarktführer für Hörgeratebatterien will in die Serienproduktion von Batteriezellen für Elektroautos einsteigen. Dafür will die Varta AG in einem Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) die Voraussetzungen schaffen. Mit Hilfe von Fördergeldern solle am Stammsitz in Ellwangen eine Produktionslinie für großformatige Batteriezellen entstehen, teilte Vorstandsvorsitzender Herbert Schein in Stuttgart mit.

          Mit dem Forschungsprojekt mit dem Namen „DigiBattPro 4.0“ wolle sich das seit vergangenem Jahr an der Börse notierte Unternehmen technisches Know-how in der Produktion gegenüber den bisher den Markt bestimmenden asiatischen Herstellern sichern sowie einen Zeitplan erarbeiten. 2018 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 270 und 273 Millionen Euro.

          „Unser Geschäftsmodell ist nicht, Forschungsprojekte durchzuführen – wenn wir Forschungsprojekte machen, wollen wir danach investieren und produzieren“, ergänzte Schein. Details zu einem Zeitplan und zu möglichen Partnern sowie einem möglichen Produktionsstandort nannte der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage nicht.

          Kooperation mit Ford?

          Als möglicher Kooperationspartner in einem entsprechenden Konsortium ist in der Vergangenheit immer wieder über den amerikanischen Fahrzeughersteller Ford spekuliert worden. Es werde mit vielen Marktteilnehmern gesprochen und dann würden die Chancen bewertet. Klar sei, dass Investitionen in eine Massenfertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen aber sehr hoch seien.

          Varta will früheren Angaben zufolge 150 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion des Unternehmens investieren. Der Mittelständler produziert bislang nur Lithium-Ionen-Batterien für die Verwendung in kleinen Elektrogeräten.

          In das Projekt „DigiBattPro 4.0“ steckt das Land Baden-Württemberg 8 Millionen Euro an Fördergeldern. Der Bund hat 30 Millionen Euro zugesagt. Es soll im Januar starten.

          Sorge um Arbeitsplätze

          Die Politik macht sich für eine Batteriezellfertigung in Deutschland stark. Die Bundesregierung befürchtet, dass die heimische Autoindustrie mit ihren Beschäftigten Zehntausende Arbeitsplätze verliert, wenn der Antrieb künftig nicht mehr vollständig selbst produziert wird, wie bei Verbrennungsmotoren, sondern in Asien bei CATL aus China, SK Innovation aus Südkorea oder Panasonic aus Japan zugekauft wird. Die Bundesregierung hat deshalb eine Anschubfinanzierung von insgesamt einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Produktionsstart soll 2021 sein.

          Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium versucht mit Nachdruck, einen Großteil der Fördergelder abzuziehen. Ressortministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) warb für das Land als Fertigungsstandort. Es habe den entsprechenden technologischen Vorsprung für die wirtschaftliche Massenfertigung, sagte Thomas Bauernhansl von der Fraunhofer-Gesellschaft. Ziel ist es nach seinen Angaben beispielsweise durch eine stärker digitalisierte Produktion die derzeit übliche Quote von zehn Prozent Ausschuss deutlich zu senken. Varta sei das einzige Unternehmen in Deutschland mit Erfahrung in der Massenproduktion von Zellen. Das verringere das Risiko beim Markteinstieg, sagte der Wissenschaftler.

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