https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/varta-baut-vorerst-keine-fabrik-fuer-autobatteriezellen-18463278.html

Reißleine gezogen : Varta baut vorerst keine Fabrik für Autobatteriezellen

  • -Aktualisiert am

Der Batteriekonzern Varta rechnet mit geringerem Gewinn und muss den Neubau einer Fabrik einfrieren. Bild: dpa

Varta zieht bei Fabrikneubau für Auto-Batteriezellen die Reißleine. Erst nach verbindlichen Kundenzusagen soll der Bau fortgesetzt werden. Der Konzern rechnet mit einem Gewinneinbruch.

          2 Min.

          Der mit hohen Kosten und Auftragsverzögerungen kämpfende Batteriehersteller Varta legt den Bau einer Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos aus Kostengründen vorerst auf Eis. Dies sagte der Sprecher des Vorstands, Markus Hackstein, am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Der Fabrikneubau für die V4Drive genannte Batterie werde erst nach verbindlichen Kundenzusagen fortgesetzt. Das sei Teil eines Kostensenkungspakets, das im kommenden Jahr 40 Millionen Euro einbringen soll. Der Betrieb der ersten Serienfertigungsanlage werde aber planmäßig fortgesetzt und stelle die Zellen bereit, um den Vertrag mit einem Premium-Automobilhersteller zu erfüllen. Erster Kunde ist dem Vernehmen nach Porsche.

          Varta hatte Ende vergangenen Jahres eine Pilotanlage für die Hochleistungsbatteriezellen, die besonders schnell laden, in Betrieb genommen. Eine Massenproduktion war bisher für 2023 anvisiert. Für den Bau einer Zwei-Gigawatt-Fabrik wurde das Investitionsvolumen mit bis zu 500 Millionen Euro beziffert.

          Im bayerischen Nördlingen sollen von Dezember bis Ende April 2023 die meisten Beschäftigten in Kurzarbeit gehen. Für rund 500 Beschäftigte könne bis zu 80 Prozent der Arbeit entfallen, teilte das Unternehmen mit. Dort sind bisher 700 Personen tätig, davon 200 befristet Beschäftigte, deren Arbeitsverträge nicht verlängert werden. Am Stammsitz in Ellwangen nordöstlich von Stuttgart gibt es über Weihnachten Betriebsferien. Ein Personalabbau ist zunächst nicht vorgesehen.

          Keine Dividende für das laufende Jahr

          Die Investitionen in das neue Produkt drücken neben höheren Kosten für Rohstoffe und verzögerten Abrufen bei Großaufträgen den Gewinn. Insgesamt erzielte der im M-Dax notierte Konzern von Januar bis September einen Verlust von rund 20 Millionen Euro im Vergleich zu 75,9 Millionen Nettogewinn im Vorjahreszeitraum. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Gewinneinbruch auf 55 bis 60 Millionen Euro. Der operative Gewinn hatte sich im Vorjahr auf 282 Millionen Euro belaufen, im Juli hatte Varta noch mit 200 bis 225 Millionen Euro gerechnet. Der Jahresumsatz soll auf 805 bis 820 Millionen Euro sinken von 903 Millionen Euro 2021. Für das kommende Geschäftsjahr stellte das Unternehmen eine leichte Erholung auf 850 bis 880 Millionen Euro Umsatz und 90 bis 110 Millionen Euro Betriebsgewinn in Aussicht.

          Der Vorstand um Hackstein kündigte zugleich an, dass es für das zu Ende gehende Jahr voraussichtlich keine Dividende geben wird. Das Unternehmen ist von dem österreichischen Milliardär und Varta-Aufsichtsratschefs Michael Tojner einst an die Börse gebracht worden. Er kontrolliert den Hersteller über ein Schweizer Konglomerat. Sein Vermögen wird von Bloomberg auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt. Am Nachmittag notierte der Anteilsschein von Varta im Minus. Das Papier gab um fast 3 Prozent auf 31,52 Euro nach.

          Der Vorstand kündigte an, Preissteigerungen an die Kunden weitergeben und gleichfalls die Kosten im Einkauf senken zu wollen. Das Unternehmen spürt die schlechte wirtschaftliche Lage und vor allem, dass sich die Verbraucher beim Kauf von neuen Elektronikgeräten zurückhalten. Der Konzern stellt Knopfzellen für Hörgeräte und Kopfhörer her. Ein Großkunde ist Apple, in dessen Airpods Varta-Batterien stecken. Vor allem kabellose Kopfhörer werden von den Verbrauchern nur noch zurückhaltend gekauft. Hingegen gibt es im Bereich der Haushaltsbatterien und bei Energiespeichern seit Beginn der Krise eine steigende Nachfrage.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Spitzenkandidaten Sebastian Czaja (FDP) und Kai Wegner (CDU) am Freitag in Berlin

          Wahl am Sonntag : Der Berliner CDU fehlen die Partner

          Die Berliner CDU liegt in den Umfragen deutlich vorn. Doch ein Dreierbündnis wird Spitzenkandidat Kai Wegner kaum gelingen. Er muss hoffen, dass die FDP scheitert – damit er mit der SPD regieren kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.