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Insolvente Pasta-Kette : Vapiano verkauft 30 Restaurants in Deutschland

Geschlossene Vapiano-Filiale in Köln Bild: dpa

Ein früherer Vorstand von Vapiano kauft große Teile der angeschlagenen Restaurant-Kette in Deutschland. Nun hat auch das Insolvenzverfahren begonnen, die Saniererin sieht Licht am Ende des Tunnels.

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          Für 15 Millionen Euro kauft ein Investorenkonsortium um den früheren Vapiano-Vorstand Mario Bauer einen Großteil des Deutschlandgeschäfts der insolventen Pasta-Kette. Darin enthalten sind etwa 30 von Vapiano betriebene Restaurants inklusive der Ausstattung und der Vorräte. Damit wechselt gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag der Restaurantkette ein wichtiger Geschäftsbereich den Eigentümer. Der Gläubigerausschuss hat dem Verkauf am Dienstag zugestimmt.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das Investorenkonsortium rund um Bauer hatte vor zwei Wochen schon ein Angebot für das Frankreich-Geschäft gemacht und das nun um 3 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro erhöht. „Mit der Zustimmung des Gläubigerausschusses haben wir zusammen mit der Insolvenzverwaltung eine zukunftsfähige Lösung für den Heimatmarkt in Deutschland und das internationale Franchisegeschäft erzielt“, sagte der Vapiano-Finanzvorstand Lutz Scharpe.

          Zu den neuen Eignern der Restaurants gehört auch die Familie Van der Valk, die eine der ersten internationalen Franchisepartner von Vapiano waren und der Restaurantbetreiber Sinclair Beecham, der unter anderem die britische Sandwich-Kette Pret A Manger gegründet hat, die inzwischen zum Reich der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehört. Ebenfalls mit von der Partie ist der Vapiano-Mitgründer Gregor Gerlach. „Wir werden Vapiano zurück zu seinen Werten und seiner emotional-partnerschaftlichen Unternehmenskultur führen“, sagte Bauer, der mehr als zehn Jahre das Geschäft von Vapiano mitverantwortet hat.

          Mehrere Vorstandschefs mussten gehen

          Die Pasta-Kette war schon vor der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten, das Unternehmen hatte sich mit einer zu schnellen Expansion verzettelt und musste auf unrentable Standorte Millionen abschreiben. Gleichzeitig rumorte es auch im Konzern, gleich mehrere Vorstandsvorsitzende hat die Restaurantkette in den vergangenen Jahren verschlissen. Die frühere Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall war erst im August als Vorstandschefin angetreten, um eine Wende für Vapiano einzuläuten.

          Wegen der Corona-Krise musste die Kette dann nahezu alle ihre rund 230 Restaurants in 33 Ländern schließen wovon rund 10.000 Mitarbeiter betroffen waren. Am 20. März hatte Vapiano seine Insolvenz erklärt und einen „dringenden Appell an die Bundesregierung zur schnellen Umsetzung der wirtschaftlichen Hilfen in der Covid-19-Krise“ gerichtet. Der Vorstand wollte damit den Insolvenzantrag noch abwenden, doch konnte er schließlich den nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von etwa 36,7 Millionen Euro nicht decken. Zum 1. Juni ist nun das Insolvenzverfahren für die Vapiano SE eröffnet worden. „In den vergangenen Wochen haben wir intensive Verhandlungen geführt, die nun erfolgreich abgeschlossen wurden. Viele Arbeitsplätze können national wie international gerettet werden“, sagte Ruth Rigol von der Sanierungsberatung Pluta, die als Insolvenzverwalterin vom Amtsgericht Köln bestellt wurde.

          Von den global gut 230 Restaurants stehen etwas mehr als 80 in Deutschland, wovon Vapiano 55 in Eigenregie betrieben hat. Neben den 30 verkauften Filialen fließt auch das deutsche und internationale Franchisegeschäft und Vapiano-Anteile an den Filialen in Münster, Bielefeld und Ulm in das Geschäft ein. Nicht betroffen von der Insolvenz und dem Verkauf sind hingegen die 29 Vapiano-Restaurants, die hierzulande ausschließlich von Franchisenehmern betrieben werden.

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