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Chemie- und Pharmaindustrie : Kleines Erdbeben bei den Managern

Nicht mehr VAA-Vorsitzender: Rainer Nachtrab Bild: VAA

Der Führungskräfteverband VAA vertritt in Deutschlands drittgrößter Industrie die Akademiker und Führungskräfte. Sein Vorsitzender ist überraschend abgewählt – indirekt eine Folge von Corona.

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          Kleines Erdbeben bei einem der drei wesentlichen Sozialpartner der Chemie- und Pharmabranche: Der Akademiker- und Führungskräfteverband VAA hat seinen Vorsitzenden Rainer Nachtrab abgewählt. Der BASF-Manager bekam nach F.A.Z.-Informationen auf der digitalen Delegiertenversammlung nicht genug Stimmen, um wieder in den Vorstand zu gelangen. Dieser wählte im Anschluss aus seiner Mitte die neu ins Gremium gewählte Birgit Schwab von Wacker Chemie zur Vorsitzenden.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist, dass der kürzlich 64 Jahre alt gewordene Nachtrab in zwei Jahren bei BASF in Ruhestand geht, die Amtszeit aber drei Jahre dauert. Ohne die ständigen Kontakte über eine hauptberufliche Tätigkeit ist der Verbandsspitzenposten nach Ansicht vieler aber schwer vorstellbar. Nach Informationen aus Delegiertenkreisen machte Nachtrab deutlich, er wolle für die gesamte Zeit antreten. Gegen die neuerliche Amtsperiode soll in den vergangenen Wochen Vorstandsmitglied Thomas Sauer (Evonik) Stimmung gemacht haben, der sich wohl auch als Gegenkandidat positionierte. Sauer selbst schaffte es bei der Wahl mit seiner Stimmenzahl soeben, in den sieben Personen starken Vorstand wiedergewählt zu werden: als Siebter von neun Kandidaten.

          Für den VAA ist solches Gerangel ungewöhnlich. Oft genug ist die Vorstandswahl sonst Formsache, weil nicht mehr Kandidaten antreten, als Plätze da sind. Nachtrab hat viele Verdienste für die Lobby der Akademiker und Führungskräfte: Er gehörte seit 2004 dem Vorstand an, war von 2007 an Vize-Vorsitzender und seit 2017 Vorsitzender. Nachtrab ist ein ruhiger, fast introvertiert wirkender Manager, der als integrativ gilt. Er stärkte in seiner Amtszeit die Sichtbarkeit des VAA in den Werken der Unternehmen und bemühte sich um eine bessere Zusammenarbeit mit der DGB-Gewerkschaft IG BCE.

          „Das ist schon ein Verlust an Kontinuität“

          Beide Organisationen stehen in ambivalentem Verhältnis: Einerseits profitieren sie voneinander als Arbeitnehmervertretungen gegenüber dem Arbeitgeberverband BAVC. Andererseits konkurrieren sie um Betriebsratsmandate und Mitglieder – auch wenn die Klientel im Großen und Ganzen abgegrenzt ist: die Akademiker im VAA, die Nichtakademiker in der IG BCE. Für Nachtrab hat sich letztlich Corona nachteilig ausgewirkt: Wegen der Pandemie war die Delegiertenversammlung um ein Jahr verschoben worden; ohne sie hätte es das Problem mit der Dauer der Amtszeit nicht gegeben.

          Schwab ist als rührige Vorsitzende der VAA-Landesgruppe Bayern aufgefallen, präsentierte sich auch bei der Delegiertenversammlung als dynamisch. Der VAA bestätigte ihre Wahl, äußerte sich zu den Umständen auf Anfrage nicht. Der Verband vollzieht nun einen doppelten Führungswechsel, denn zum 1. Juli übergibt nach nicht viel weniger als zwei Jahrzehnten Hauptgeschäftsführer Gerhard Kronisch an seinen Stellvertreter Stephan Gilow. Kronisch äußerte auf Anfrage der F.A.Z. gemischte Gefühle mit Blick auf die Vorstandswahl. „Das ist schon ein Verlust an Kontinuität – das bedaure ich. Auf der anderen Seite ist es die Chance für eine Neurorientierung.“

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