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Druck auf Impfstoff-Hersteller : Trump sitzt im Nacken

Präsident Donald Trump am 10. Oktober auf dem Balkon des Weißen Hauses Bild: dpa

Der amerikanische Impfstoffhersteller Pfizer steht bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff an vorderster Front. Konzernchef Bourla spürt viel Druck aus dem Weißen Haus, vor der Wahl gute Nachrichten zu liefern.

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          Albert Bourla sprach unlängst über den Druck, den er als Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer inmitten der Corona-Krise spüre. Er sagte in einem Interview mit der „Washington Post“: „Lassen Sie es mich so formulieren: Ich hatte Momente, da habe ich ein Glas Wein gebraucht.“ Es sei nicht leicht, wenn die Hoffnungen von Milliarden Menschen, Millionen Unternehmen und Hunderten Regierungen auf einem ruhten. Was auf dem Spiel stehe, sei „jenseits der Vorstellungskraft“. Es gehe um die Gesundheit des ganzen Planeten und um die globale Wirtschaft, die Menschheit sei „paralysiert“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wohl niemand aber macht Bourla so lautstark Druck wie Donald Trump. Pfizer entwickelt derzeit im Verbund mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen Biontech einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Arbeit daran ist weit vorangeschritten, und die beiden Partner zählen zu den Favoriten, als Erste eine solche Impfung bereitzustellen. Dem amerikanischen Präsidenten kann es freilich nicht schnell genug gehen. Er hat gesagt, noch im Oktober könnte es einen Corona-Impfstoff geben, und er hat Pfizer wiederholt als eines der Unternehmen hervorgehoben, auf das er seine Hoffnung setze. Bourla lobte er als „großartigen Kerl“. Einen Termin im Oktober dürfte Trump wohl kaum zufällig ins Spiel gebracht haben, denn das wäre vor den Präsidentenwahlen am 3. November. Kürzlich sagte er in unmissverständlicher Anspielung auf den Wahltermin, vielleicht könnte „vor einem sehr besonderen Datum“ ein Impfstoff kommen.

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