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Vereinigte Staaten : Deutscher Bank droht weiterer Ärger wegen Geldwäsche in Russland

  • Aktualisiert am

Deutsche Bank in Frankfurt: Wegen sogenannter „Mirror Tradings“ wird ermittelt. Bild: dpa

Offenbar ermöglichten es die Geschäfte Putin-Vertrauten, Teile ihres Vermögens ins Ausland zu schaffen - und damit gegen die Sanktionen des Westens zu verstoßen.

          Die Untersuchungen des amerikanischen Justizministeriums und der New Yorker Finanzaufsicht DFS gegen die Deutsche Bank weiten sich aus. In die vermuteten Geldwäsche-Geschäfte, in die die Deutsche Bank in Russland verwickelt sein soll, ist nach Recherchen der „Financial Times“ auch ein ehemaliger Banker und Bürger der Vereinigten Staaten involviert. Das sagte eine mit dem Fall vertraute Person der Zeitung.

          Die Untersuchung ist eine der ersten Ermittlungen gegen ein Unternehmen der Wall Street, bei der es auch um die westlichen Sanktionen gegen Russland geht, seit diese nach der Krim-Annexion durch Russland im vergangenen Jahr beschlossen wurden.

          Anfang Juni war bekannt geworden, dass sich die Deutsche Bank in Russland mit einem großen Fall von Geldwäsche konfrontiert sieht. Russische Kunden hätten über die Bank wohl Rubel im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar gewaschen, verlautete es damals aus Finanzkreisen.

          Geschäfte von der Geschäftsführung befürwortet?

          Im Fokus der Untersuchungen stehen sogenannte „Mirror Tradings“, bei denen russische Kunden bei der Deutschen Bank in Moskau Sicherheiten in Rubel kauften und in anderen Währungen weiterverkauften - an das Institut in London. So schafften sie an den Behörden vorbei Gelder aus Russland heraus. Der Zeitraum der Untersuchung umfasst wohl die Jahre 2011 bis Anfang 2015. Dabei könnte unter anderem auch gegen die bestehenden Sanktionen verstoßen worden sein. Die Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen russische Unternehmen und Individuen machen es amerikanischen Bürgern und Konzernen schwer, mit diesen Geschäfte zu machen, besonders wenn die Transaktionen in Dollar geplant sind.

          Die Untersuchungen der amerikanischen Behörden konzentrieren sich auf Tim Wiswell, einen Amerikaner, der zu der Zeit als Banker für die Deutsche Bank in Russland tätig und mit internen Untersuchungen beauftragt war. Die Behörden untersuchen aber auch, ob die Bank die Sanktionen gegen Russland im Allgemeinen beachtete und die Regulierungsbehörden mit allen relevanten Informationen versorgte.

          Da mit Tim Wiswell einer der führenden Angestellten der Deutschen Bank in Moskau in die Geschäfte verwickelt war, untersuchen die Finanzbehörde und das Justizministerium, inwieweit die Geschäftsführung der Bank die Transaktionen im größeren Stil möglicherweise befürwortet hat. Tim Wiswell verklagt die Bank inzwischen wegen widerrechtlicher Entlassung.

          Die Deutsche Bank hatte in einer Erklärung bereits mitgeteilt, auch in internen Untersuchungen dem Vorwurf der Geldwäsche nachzugehen. Disziplinarverfahren seien eingeleitet und mehrere Mitarbeiter suspendiert worden.

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