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„Unfair und unnötig“ : Konzernchefs kritisieren Trumps Einwanderungspolitik

  • Aktualisiert am

Auch Tim Cook gehört zu den Unterzeichnern des Briefs. Bild: AP

Dutzende Chefs von großen Unternehmen wie Apple und JP Morgan wehren sich gegen die Skepsis des amerikanischen Präsidenten gegenüber Ausländern. Seine Politik könne der Wirtschaft „erheblichen Schaden zufügen“.

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          59 Chefs von Großkonzernen wie Apple, JP Morgan Chase und American Airlines haben in einem gemeinsamen Brief die Einwanderungspolitik von des amerikanischen Präsidenten Donald Trump kritisiert. Widersprüchliche Entscheidungen führten dazu, dass viele Angestellte mit Ungewissheiten konfrontiert seien, etwa was die Arbeitserlaubnis ihrer Ehepartner angehe, heißt es in dem an Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen gerichteten Schreiben. Langjährige Mitarbeiter müssten damit rechnen, ihren Status aberkannt zu bekommen. Diese Änderungen seien „unfair“ und führten zu „unnötigen Kosten und Komplikationen“, schreiben die Konzernchefs. Unter den Unterzeichnern sind etwa Tim Cook (Apple), Jamie Dimon (JP Morgan) und Indra Nooyi (Pepsico).

          Die Regierung müsse bei ihrer „legitimen Überprüfung“ der Einwanderungsregeln Änderungen vermeiden, die „das Leben Tausender gesetzestreuer und qualifizierter Mitarbeiter durcheinanderbringen und die der Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten erheblichen Schaden zufügen“, heißt es. Der Arbeitskräftemangel führe schon jetzt dazu, dass die Zahl unbesetzter Stellen auf historische Höchststände steige. Da sei es der falsche Zeitpunkt, den „Zugang zu Talenten“ zu beschränken, schreiben die Führungskräfte in ihrem auf vergangenen Mittwoch datierten Brief.

          H-1B-Visa sind vielen ein Dorn im Auge

          Trump hat im Zuge seiner verschärften Einwanderungspolitik eine ganze Reihe von umstrittenen Maßnahmen angeordnet oder angekündigt. Den Konzernchefs geht es vor allem um sogenannte H-1B-Visa, die qualifizierten Ausländern temporäre Arbeit in den Vereinigten Staaten erlauben. Trump hatte angekündigt, die Regeln für diese Visa zu überarbeiten.

          Jedes Jahr werden aus den Bewerbungen 65.000 Kandidaten ausgewählt, dazu kommen noch 20.000 in Amerika studierende Ausländer, die in den Genuss des Visums kommen. Antragsteller sind die Firmen, die die Ausländer einstellen wollen. Die Fachkräfte können für drei Jahre bleiben und oft noch einmal um drei Jahre verlängern.

          Der Zweck des Gastarbeiterprogramms war und ist es, eine Lücke an qualifizierten Fachkräften zu schließen. Vor allem Tech-Konzerne profitieren von der Regelung, aber auch Architekten, Ökonomen, Physiker oder Lehrer kommen so ins Land. Doch vielen Politikern ist die Regelung ein Dorn im Auge, nicht nur Donald Trump. Der Vorwurf: Amerikaner werden von den Unternehmen gegenüber Ausländern benachteiligt.

          Im Juli zeigte eine Studie des Thinktanks National Foundation for American Policy, dass Anträge für solche Visa vermehrt abgelehnt werden. „Die amerikanische Regierung begrenzt den Zugang zu hoch qualifizierten ausländischen Arbeitnehmern, obwohl Ökonomen glauben, dass Amerika extrem von im Ausland geborenen Wissenschaftlern und Ingenieuren profitiert“, hieß es darin.

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