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Amerikanische Unternehmer : „Das ist Aufwiegelung“

  • Aktualisiert am

Unterstützer von Donald Trump am Mittwoch auf den Fluren des Capitols Bild: AP

Amerikas führende Wirtschaftsvertreter kritisieren die Ausschreitungen in Washington scharf. Besonders deutlich äußert sich der größte Industrieverband Amerikas.

          2 Min.

          Unternehmensvertreter haben bestürzt auf den Sturm auf das Kapitol in Washington reagiert. Schärfste Kritik kommt vom größten Industrieverband der Vereinigten Staaten. Der Präsident der „National Association of Manufacturers“ (etwa: Nationaler Verband der Hersteller), Jay Timmons, erklärte zur Stürmung des Kapitols: „Das ist nicht Recht und Ordnung. Das ist Chaos. Es ist die Herrschaft des Mobs. Es ist gefährlich. Das ist Aufwiegelung und sollte als solche behandelt werden.“

          Der scheidende Präsident habe zur Gewalt aufgerufen, um an der Macht zu bleiben, und jeder gewählte Führer, der ihn verteidige, verletze seinen Eid auf die Verfassung und lehne die Demokratie zugunsten der Anarchie ab. Weiter klagte Timmons, dass Trump „während dieser ganzen widerlichen Episode von Mitgliedern seiner eigenen Partei angefeuert wurde“, die dadurch Benzin ins Feuer gegossen hätten.

          Trump-Anhänger waren am Mittwoch in das Gebäude eingedrungen, in dem die Bestätigung der Wahl Joe Bidens zum neuen amerikanischen Präsidenten im Gange war. Nach Angaben der Polizei sind vier Menschen ums Leben gekommen, es kam zu Verwüstungen und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Eine Person sei den Folgen einer Schusswunde erlegen, drei seien aufgrund medizinischer Notfälle gestorben.

          „Ein schändliches Kapitel in der Geschichte unseres Landes“

          Apple-Chef Tim Cook schreibt dazu auf Twitter: „Der heutige Tag markiert ein trauriges und schändliches Kapitel in der Geschichte unseres Landes“. Die Verantwortlichen für diesen Aufstand müssten zur Rechenschaft gezogen werden und die Übergangsphase zu Bidens Präsidentschaft abgeschlossen werden. „Insbesondere, wenn sie angegriffen werden, sind unsere Werte am bedeutsamsten.“ Ebenfalls auf Twitter äußert sich Marc Benioff, Chef und Gründer des Softwarekonzerns Salesforce – wohl in Richtung von Präsident Donald Trump sowie der Spitzen von Republikanern und Demokraten: „Unsere Anführer müssen zu Frieden und Einheit aufrufen. Es gibt keinen Platz für Gewalt in unserer Demokratie.“

          Arvind Krishna, der Vorstandsvorsitzende von IBM, rief am Mittwoch zu einem sofortigen Ende der Ausschreitungen auf. Solche Handlungen hätten keinen Platz in der amerikanischen Gesellschaft und müssten sofort beendet werden, damit das demokratische System funktioniere. Der Hedgefonds-Manager Bill Ackman forderte Trump zum Rücktritt auf.

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wandte sich einem Reporter der New York Times zufolge in einer E-Mail an seine Mitarbeiter. „Dies ist ein dunkler Moment in der Geschichte unserer Nation und ich weiß, dass viele von euch beängstigt und besorgt darüber sind, was in Washington D.C. passiert“, schrieb Zuckerberg. Er sei persönlich betrübt von den gewalttätigen Ausschreitungen des Mobs in der Hauptstadt.

          Im Zuge der Ausschreitungen hatten Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter vorübergehend Donald Trumps Konten auf den sozialen Medien gesperrt. Wegen „wiederholter und schwerwiegender Verstöße“ gegen seine Richtlinien entfernte Twitter zunächst drei Einträge des amerikanischen Präsidenten und sperrte später das Konto für zwölf Stunden.

          Auch Google-Chef Sundar Pichai verurteilte die Angriffe. Die Gesetzlosigkeit und Gewalt, die auf dem Hügel des Kapitols stattfinde, sei die Antithese der Demokratie und werde von Google aufs Schärfste verurteilt.

          Besonnener klang Michael Corbat, Vorstandsvorsitzender der Großbank Citigroup, der erklärte, er habe Vertrauen in die demokratischen Prozesse der Vereinigten Staaten und wisse, die wichtige Arbeit des Kongresses werde weitergehen, und dass Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

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