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Amerikanischer Musikmarkt : Die Schallplatte überholt die CD

Eine Schallplatte wird aus der Presse genommen. Bild: dpa

Zum Halbjahr wurde erstmals seit den 1980er Jahren auf dem amerikanischen Markt für Musikaufnahmen wieder mehr Umsatz mit Schallplatten als mit CDs gemacht.

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          In der Nische erfreut sich Vinyl seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Diese Nachricht hatte sich folglich angebahnt: Erstmals seit den 1980er Jahren hat der Umsatz mit Schallplatten auf dem amerikanischen Markt für Musikaufnahmen den mit CDs wieder überschritten. Nach Angaben des amerikanischen Musikverbandes RIAA (Recording Industry Association of America) wurden zum ersten Halbjahr 2020 mit Schallplatten 232,1 Millionen Dollar umgesetzt, während für die CD 129,9 Millionen Dollar zu Buche standen. Schallplatten sind in der Regel teurer als CDs, so standen in dem Zeitraum 8,8 Millionen verkaufte Vinyl-Exemplare 10,2 Millionen CDs gegenüber.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Anteil der physischen Tonträger am Gesamtumsatz im Handel von rund 5,7 Milliarden Dollar schrumpfte derweil weiter auf nur noch 7 Prozent. Auch durch die Ladenschließungen und Verzögerungen bei Lieferung wie Herstellung der Tonträger auf Grund der Corona-Pandemie stand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt ein Minus von 23 Prozent zu Buche. Während der Vinyl-Umsatz um 3,6 Prozent stieg, traf es die CD mit Minus 47,6 Prozent besonders hart, was den Wachwechsel natürlich begünstigte.

          Obgleich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 5,6 Prozent (im ersten Halbjahr 2019 waren es noch 18 Prozent) vergleichsweise bescheiden ausfiel, trotzt auch der größte Musikmarkt der Welt den Auswirkungen der Pandemie. Zwar ist das Live-Geschäft mit allen damit verbundenen Gewerken und dem Wegfall der oftmals wichtigsten Einnahmen für Künstler am stärksten getroffen.

          Doch die Auswirkungen für den stationären Handel, der fehlende Plattenverkauf bei Konzerten und die Verschiebung diverser Veröffentlichungen trafen natürlich auch den Markt für Musikaufnahmen. Dass dieser zum Halbjahr dennoch gewachsen ist, liegt letztlich an den Einnahmen aus dem Musikstreaming (Plus 12 Prozent) über Dienste wie Spotify, Apple oder Amazon Music, die nunmehr 85 Prozent (gut 4,8 Milliarden Dollar) des Gesamtumsatzes ausmachen und seit Jahren das Wachstum treiben.

          Auch der deutsche Markt für Musikaufnahmen ist zum Halbjahr  gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Insgesamt fielen hierzulande von Januar bis Juni 783,7 Millionen Euro Umsatz an. 65,7 Prozent davon machten die Einkünfte über die Streamingdienste aus, der Anteil der physischen Tonträger betrug 25,8 Prozent. Im Gegensatz zu den Amerikanern kaufen die hiesigen Musik-Fans allerdings noch deutlich mehr CDs - mit einem Marktanteil von 20 Prozent im Vergleich zu 4,5 Prozent ist der Vorsprung zur Schallplatte deutlich. Die Entwicklung zeigt indes in die gleiche Richtung: Während der Umsatz mit CDs im ersten Halbjahr 2020 um 22,9 Prozent sank, legt Vinyl um 4,9 Prozent zu.

          Global wurden 2019 laut dem Branchenverband Ifpi mit Musikaufnahmen 20,2 Milliarden Dollar umgesetzt. 11,4 Milliarden Dollar stammten aus den Einnahmen über Streamingdienste.

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