US-Banken mit Schwächen : Weniger Kreditausfälle sorgen für Gewinnsprung
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Präsent im Straßenbild: Die Bank of America Bild: AP
Dank der guten US-Konjunktur nehmen die Kreditrisiken ab. Aber die Einnahmen gerade im Anleihehandel schwinden.
Die amerikanischen Großbanken profitieren enorm vom lebhaften Anspringen der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie. Bank of America, Citigroup und Wells Fargo berichteten am Mittwoch wie schon zuvor J.P. Morgan und Goldman Sachs, dass sie vor einem Jahr im Lockdown für ausfallgefährdete Kredite getroffene Risikovorsorge jetzt wieder auflösen konnten, weil die Gefahr von Kreditausfällen abgenommen habe. Der Internationale Währungsfonds erwartet für die USA in diesem Jahr auch dank starker staatlicher Impulse mit plus 7 Prozent das stärkste Wirtschaftswachstum seit mehr als 20 Jahren.
Durch die schwindenden Kreditrisiken erhielten die Quartalsgewinne der US-Banken einen zusätzlichen Schub. Bank of America (BofA) und Citigroup (Citi) lösten 2,2 Milliarden Dollar und 2,4 Milliarden Dollar an Risikovorsorge auf, was BofAs Quartalsgewinn auf 9,0 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) trieb und Citis auf 6,2 Milliarden Dollar versechsfachte. Am Dienstag hatten die größte US-Bank J.P. Morgan einen Quartalsgewinn von 11,95 Milliarden Dollar und Goldman Sachs 5,49 Milliarden Dollar bekannt gegeben, was in beiden Fällen in etwa eine Gewinnverdoppelung zum Vorjahresquartal bedeutet.
Doch die aktuellen Bankquartalsbilanzen haben auch Schattenseiten. So ist der Boom im Anleihegeschäft offenkundig vorbei. Einige Unternehmenskunden, die vor einem Jahr im Ringen nach Liquidität im Lockdown die Investmentberatung der Banken für den Verkauf neuer Anleihen gesucht hatten, fragen nun stattdessen nur teilweise neue Kredite nach. Verbraucher finanzieren zwar ihre lebhafte Nachfrage nach Mietautos wieder häufiger mit Kreditkartenkrediten. Jedoch sind die Zinsen für die Banken derzeit weniger attraktiv. Auch deshalb sanken BofAs Konzernerträge um 4 Prozent und Citis sogar um 12 Prozent. Dagegen stiegen BofAs Kosten um deutliche 12 Prozent, auch weil sie ihren 140.000 Angestellten höhere Löhne und Boni zahlte.
Eine Achillesferse der US-Banken im zweiten Quartal 2021 war der Wertpapierhandel. Dort nahmen sie im Vergleich zum schwankungsintensiven Vorjahresquartal deutlich weniger ein. BofA etwa erlöste im Anleihehandel 38 Prozent und mit Aktien 33 Prozent weniger. Citi konnte immerhin im Aktienhandel mit 37 Prozent Ertragszuwachs ein positives Ausrufezeichen im ersten Quartal unter Führung von Jane Fraser setzen. Aber der Ertragsrückgang um 43 Prozent in Citis deutlich größerem Anleihehandel wog schwerer.
Durchweg positiver fielen die Quartalszahlen von Wells Fargo aus. Die Bank mit Sitz in San Francisco erholt sich offenbar langsam von ihrem Skandal rund um Scheinkonten, für den sie 2020 mit rund 3 Milliarden Dollar Strafe büßte. Im zweiten Quartal 2021 verdiente Wells Fargo 6,0 Milliarden Dollar nach einem Verlust von 3,8 Milliarden Dollar 2020. Die Bank konnte wie ihre Konkurrenten Risikovorsorge auflösen, profitierte aber auch von niedrigeren Kosten und dem weiterhin guten Geschäft mit Börsengängen. Ihre Konzernerträge legten gegen den Branchentrend um 11 Prozent zu.