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Urteil über Krebsmittel „Glivec“ : Indien entzieht Novartis Patentschutz

Medikamente ohne Patentschutz: Ein Arzneischrank in Pune mit Bildern von Hindu-Göttern. Bild: REUTERS

Immer wieder erkennen indische Gerichte westlichen Pharmafirmen den Patentschutz für ihre Medikamente ab. Jetzt auch für das Krebsmittel „Glivec“ von Novartis. Das Gericht argumentiert: Das Medikament ist nicht neu genug. Die Regierung sagt: Indien braucht billige Kopien für die Armen.

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          Der Schweizer Pharma-Konzern Novartis hat vor Gericht um ein Patent für sein Krebsmittel Glivec gekämpft - und jetzt verloren. Damit reihen sich die Schweizer ein in eine ganze Anzahl von forschenden Arzneimittelherstellern, die auf dem Subkontinent gezwungen werden, ihre Medikamente weit unterhalb des angestrebten Preises anzubieten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Glivec kann nun von Generika-Herstellern in Indien kopiert und billiger angeboten werden. Es wird so zu einem weiteren Beispiel für die äußerst schwierigen Bedingungen für forschende Arzneimittelkonzerne in dem Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen. Immer wieder wird indischen Generikaherstellern erlaubt, im Westen patentierte Medizin für den indischen Markt herzustellen und weit unter dem Preis der Entwickler zu verkaufen.

          Regierung argumentiert mit den Armen

          Die Regierung argumentiert, nur so hätten die rund 700 Millionen Armen Indiens eine Chance, an die hochwertigen Medikamente zu gelangen. Die Pharmakonzerne hingegen pochen auf ihre Rechte im Westen und das Einspielen hoher Entwicklungskosten. Zurückziehen können sich die Pharmaunternehmen aus Indien nicht, dessen schnell wachsender Medikamentenmarkt schon mehr als 13 Milliarden Dollar umfasst.

          Die deutsche Bayer AG verlor einen Prozess gegen den Generikahersteller Natco Pharma, der billigere Kopien des Krebsmittels Nexavar verkaufen darf. Die Schweizer Pfizer verlor ihr im Westen geltendes Patent auf Sutent, Roche Holding musste die Hepatitis-Medizin Pegasys freigeben, und Merck & Co. ein Asthmamittel. Noch in diesem Monat soll über einen Rechtsstreit zwischen der amerikanischen Bristol-Myers Squibb und dem indischen Generikahersteller BDR Pharmaceutical International um das Mittel Sprycel gegen Leukämie entschieden werden. Der Ausgang scheint nach der Novartis-Entscheidung vorgezeichnet.

          Glivec erfülle nicht die Regeln für die Erteilung indischer Patente, erklärte das Oberste Gericht Indiens am Montag. Seit 2006 kämpft Novartis um den Patentschutz für Glivec in Indien. 2009 zog der Baseler Konzern vor das Oberste Gericht, wo er den Streit nun verlor. Die beiden Richter verwiesen darauf, dass Glivec keine Neuentwicklung sei, sondern lediglich die Modifizierung eines vorhandenen Medikamentes - und damit nicht unter das indische Patentrecht falle.

          „Novartis versteht und akzeptiert den Sinn von Generika, wenn die Patentrechte an Medikamenten ablaufen. Unsere Sorge aber gilt der Nicht-Anerkennung geistigen Eigentums, das auf lange Sicht hilft, den pharmazeutischen Fortschritt und die Forschung zu sichern“, sagte Ranjit Shahani, Geschäftsführer von Novartis Indien vor der Entscheidung.

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