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Urlaub auf hoher See : Kreuzfahrt ahoi!

Der Sonne entgegen: In nur fünf Jahren hat sich die Zahl der Kreuzfahrer verdoppelt Bild: Florian Sonntag

Kreuzfahrten werden immer beliebter, in fünf Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. Sie sind bezahlbar geworden. Moderne Schiffe locken mit Wellness-Oasen, 4D-Kinos und Wasserrutschen. Aus Luxusvergnügen wurde eine Massenbewegung.

          Wer an Kreuzfahrten denkt, mag vielleicht an das Traumschiff des ZDF denken. An Captain's Dinner mit viel Personal, das mit Speiseplatten bepackt ist und sprühende Wunderkerzen hereinträgt. Und an eine strenge Sitz- und Kleiderordnung. Irgendwie altmodisch.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit der Realität hat das nur noch wenig zu tun. Zwar gibt es sie noch, die klassische Kreuzfahrt mit konservativem Publikum rund um und jenseits des Rentenalters, mit strengen Regeln und zurückhaltendem Unterhaltungsprogramm an Bord von vergleichsweise kleinen Schiffen. Doch diese Reisen sind zur Minderheit geworden.

          Den Massenmarkt dominieren die Riesenpötte mit mindestens 2000 bis 6000 Passagieren. Sie haben die Kreuzfahrt aus der Luxusecke herausgeholt. Jetzt ist die Schiffsreise auch für die Mittelschicht und für Familien bezahlbar geworden. Sie buchen eine Seereise oft anstatt einer Pauschalreise, weil sie mittlerweile an Bord genauso Fitness und Wellness erleben, im „4D-Kino“ auf beweglichen Stühlen sitzen und gut essen können wie an Land. Zu ähnlichen Preisen.

          1,2 Millionen Menschen gingen 2010 auf Kreuzfahrt

          In Deutschland haben diesen Trend seit 1996 die Aida-Schiffe forciert, die mittlerweile Marktführer für deutsche Gäste sind. Gerade hat die Rostocker Gesellschaft ihr achtes Schiff in Empfang genommen, die AidaSol. Der Anbieter legt seit Jahren zweistellig zu, 2010 fuhren 23 Prozent mehr Fahrgäste auf den Schiffen als 2009.

          Der deutsche Markt insgesamt wuchs im vergangenen Jahr um 16 Prozent. 1,2 Millionen Menschen gingen auf Kreuzfahrt. Noch 2005 war es knapp die Hälfte. Kein anderes Reisesegment wächst schneller. Es macht aber bisher nur ein Prozent aller Reisen aus.

          „Kapazitäten und Passagierzahlen wachsen“

          Die Deutschen sind im internationalen Vergleich noch ein unterdurchschnittlich begeistertes Seefahrervolk, obwohl die Idee der Kreuzfahrt aus Deutschland stammt. 1891 hatte Albert Ballin, der Chef der Reederei Hapag, die Idee, die im Winter vor Anker liegenden Transatlantikschiffe für zwei Monate auf eine Reise ins warme Mittelmeer zu schicken, damit sie auch in der kalten Jahreszeit Geld einbrachten. Die Reise wurde rege angenommen. Und dennoch: Heute gehen Amerikaner und Briten häufiger auf Kreuzfahrt als die Deutschen. Das Wort entstammt der Seefahrersprache: Kreuzen bedeutet gegen den Wind zu segeln.

          Gekreuzt wird in Zukunft wohl noch häufiger. „Die Kapazitäten und Passagierzahlen werden weiter wachsen“, sagte Professor Alexis Papathanassis, der an der Fachhochschule Bremerhaven Seetouristik lehrt. Weitere neue Schiffe sind bestellt, allein zwei für Aida in den nächsten Jahren. Groß sind die zusätzlichen Schiffe. Für die kleine Delphin Gruppe war da 2010 kein Platz mehr, sie meldete Insolvenz an. Und der Betreiber des Traumschiffs MS Deutschland, Peter Deilmann, musste vom Finanzinvestor Aurelis gerettet werden.

          Zur Erholung sollten auch Seetage eingeplant werden

          Die Schiffe, die noch unterwegs und für deutsche Kunden relevant sind, werden im Kreuzfahrten-Guide (Bellevue-Verlag) bewertet. Er ist eine nützliche Einstiegslektüre vor der Buchung. Der beste internationale Führer ist der „Complete guide to cruising“ (Berlitz-Verlag). Wichtig sind die Angaben zu Bordsprache und -unterhaltung, Kinderfreundlichkeit und Gastronomie. Gibt es Buffet oder à la carte, feste oder flexible Essenszeiten und kosten die Getränke extra? Sind die Trinkgelder enthalten oder werden sie aufgeschlagen?

          Auch Landausflüge müssen gut geplant werden. Mit Familie ist meistens ein Mietwagen billiger. Und oft ist der Hafen weit vom Ausflugsziel weg, für das dann kaum Zeit bleibt. Zudem sollten zur Erholung auch Seetage eingeplant werden.

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