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Reaktion auf Untreue-Skandal : Automanager Ghosn bestreitet Vorwürfe

Carlos Ghosn beteuert seine Unschuld. Bild: AFP

Carlos Ghosn bestreitet die Vorwürfe gegen ihn. Er habe sein Einkommen nicht zu niedrig angeben wollen. Es geht wohl um zugesagte Pensionsansprüche, die aber noch nicht ausgezahlt wurden.

          Der ehemalige Vorsitzende des Verwaltungsrats von Nissan Motor, Carlos Ghosn, bestreitet die ihm zur Last gelegten Vorwürfe. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK ohne Angaben von Quellen. Er habe nicht die Absicht gehabt, sein Einkommen in den Finanzberichten Nissans zu gering anzugeben, soll der 64 Jahre alte Manager gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärt haben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ghosn sitzt seit vergangener Woche in Tokio in Haft. Es ist seither die erste Nachricht über Ghosns Reaktion auf die Anschuldigungen. Der Verwaltungsrat von Nissan hatte ihn am vergangenen Donnerstag als Vorsitzenden abgesetzt. Vermutet wird, dass dahinter auch der Versuch Nissans steht, in der Allianz mit dem französischen Autohersteller Renault mehr Gewicht zu erlangen.

          Einkommen nur zur Hälfte offengelegt

          Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, in den fünf Jahren ab 2010 sein Einkommen von rund 10 Milliarden Yen (77,5 Millionen Euro) in den Finanzberichten des Unternehmens nur etwa zur Hälfte offengelegt zu haben. Nach Medienberichten soll Ghosn das Einkommen auch in den Jahren danach als zu gering ausgewiesen haben.

          Japan verpflichtet Unternehmen seit 2010, individuelle Einkommen von 100 Millionen Yen oder mehr gesondert anzuzeigen. Laut Medienberichten soll Nissan in der Folge geringere Einkommen gezahlt haben, anscheinend um Kritik an zu hohen Einkommen auszuweichen.

          Ghosns Entgelt ist weit höher als die in Japan üblichen Spitzengehälter. Nissan weist für das im März 2010 endende Geschäftsjahr ein Einkommen von Ghosn von 900 Millionen Yen aus, das bis März 2017 auf 1035 Millionen Yen stieg.

          Auch Greg Kelly weist Schuld von sich

          Die Diskrepanz zwischen dem ausgewiesenen und tatsächlich zugesagten Einkommen sollte erst nach der Pensionierung Ghosns ausgezahlt werden, in Form eines Pensionierungsbonus oder über Beraterverträge. Es sind anscheinend diese zugesagten, aber noch nicht geleisteten Zahlungen, die das mutmaßlich zu niedrig ausgewiesene Einkommen begründen.

          Auch Greg Kelly, der enge Vertraute Ghosns im Verwaltungsrat und gleichfalls inhaftiert, hat nach Angaben von NHK jede Schuld von sich gewiesen. Der Amerikaner habe erklärt, heißt es, er habe die Bezüge Ghosns korrekt abgewickelt und sich mit anderen Managern und Wirtschaftsprüfern beraten.

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