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Unterstützung für die Rettung : Großindustrie pro Euro

Wegen eines „institutionellen Fehlarrangement“ könnten die Konzerne im großen Stil in die Südländer exportieren, sagt Grossmann. Denn die Notenbanken der Krisenländer können ihren Geschäftsbanken und damit deren Kunden „praktisch unbegrenzt Geld aus der Notenpresse der EZB leihen können“. Das ermögliche den Ländern Importe, die sie sich normalerweise längst nicht mehr leisten könnten. Die Profiteure sind die Großunternehmen, die mit einem „Exportboom auf Pump“ beschenkt werden. Der einfache Steuerzahler dagegen zahle die Zeche.

Die Sorgen der breiten Masse

Grossmann skandalisiert es, dass die Euro-Rettung nicht etwa eine Politik der Solidarität Deutschlands mit wirtschaftlich schwachen Ländern sei, sondern zu einer Umverteilung innerhalb der Geberländer führe: Von der Allgemeinheit zu den exportierenden Unternehmen und den Banken. „Dass selbst linke Volksvertreter eine Umverteilung zugunsten heimischer Exporteure und Banken unterstützen, während die breite Bevölkerung schon heute als Verlierer feststeht, ist geradezu eine Ironie.“ Besser wäre es, meint der Ökonom, den Bedenken der kleinen und mittleren Unternehmer mehr Gehört zu schenken, die immerhin etwa 70 Prozent der Beschäftigten repräsentierten. Denn sie teilten die Sorgen der breiten Masse: Wenn die Steuern wegen immer neuer Transfers steigen, dann könnten sie wie die normalen Bürger ihr Geld „nicht einfach im Ausland versteuern“. Höhere Steuersätze würden direkt auf die Binnenkonjunktur in Deutschland durchschlagen - Bürger und Mittelstand säßen in einem Boot.

Clemens Fuest, Ökonom in Oxford, meint: „Sicherlich kann man in der Frage der Euro-Rettung unabhängig von der eigenen Interessenlage unterschiedlicher Auffassung sein.“ Allerdings sei klar, dass der BDI ein „stärkeres Interesse an der Stabilisierung der Exportmärkte hat, weil seine Mitglieder stärker exportorientiert sind als die Familienunternehmen“.

Nicht in jedem Großunternehmen ist die Interessenlage dabei so eindeutig wie beim inzwischen übernommenen Baukonzern Hochtief - dem früheren Arbeitgeber von BDI-Chef Hans-Peter Keitel. Hochtief hat in der Vergangenheit nicht nur den internationalen Flughafen in Athen gebaut. In Griechenland hat der Konzern sogar zwei Maut-Autobahnen geplant, gebaut und finanziert - und will sie mit einem einheimischen Konsortium zusammen betreiben. Aktuell stocken die Arbeiten. Keitel hat in der vergangenen Woche seine Demission vom Amt des BDI-Chefs zum Jahresende verkündet. Dass der überraschende Rückzug mit Konflikten über die Eurorettung im Verband zu tun habe, bestreitet der BDI.

Ein Argument - als Ideologie zerbröselt

Massive eigene Interessen in Südeuropa hat auch die Deutsche Telekom. Sie ist nach eigenen Angaben „einer der größten Investoren“ in Griechenland. 2008 stieg der Bonner Konzern beim ehemaligen Staatsmonopolisten OTE ein, Griechenlands größter Telefongesellschaft. 4,2 Milliarden Euro ließ sich die Telekom die 40-prozentige Beteiligung an der Tochtergesellschaft kosten, die ihr die Management-Kontrolle bei der griechischen Tochter sichert. Das Investment entpuppte sich als Flop. „Wir haben 2,6 Milliarden Euro abgeschrieben“, sagt eine Sprecherin.

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