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Unternehmensgründer : Mit Koffein, Glück und Geduld

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Mirco Wolf Wiegert und Lorenz Hampl (v.l.), die Erfinder der Fritz-Kola Bild:

Hauptsache selbständig sagten sich Mirco Wiegert und Lorenz Hampl während ihres Studiums. Mit ihrer Fritz-Kola wollen sie heute den Getränkeriesen Coca-Cola ärgern. Und genau wie der Über-Konkurrent aus Amerika halten auch die beiden Gründer das Rezept überaus geheim.

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          Kennengelernt haben sie sich vor zwanzig Jahren bei den Pfadfindern. In ihrer Kluft, mit Halstuch und Lederknoten waren Mirco Wiegert und Lorenz Hampl allzeit bereit für ein Abenteuer. Damals war „Abenteuer“ für die beiden Freunde gleichbedeutend mit Fährten lesen und Höhlen erforschen. Vor sechs Jahren aber machten sie sich auf zu einem Abenteuer der ganz anderen Art: Sie gründeten ein Unternehmen.

          Ihr Büro liegt in einer ehemaligen Seifenfabrik im Hamburger Stadtteil Billbroock. Ein rumpeliger Aufzug ruckelt in den dritten Stock, wo sich mehrere kleine Firmen niedergelassen haben; eine Art Gründer-WG, in der man sich gegenseitig in Ruhe lässt. Hampl, 32 Jahre, und Wiegert, 31 Jahre, sitzen am Konferenztisch im Großraumbüro, vor ihnen eine Schale mit Schokolade. Die Sonne scheint durch die Fabrikfenster, an den Wänden lehnen Holzregale, in der Mitte des Raums steht ein Tischkicker, wie es sich für hippe Jungunternehmen gehört.

          Hauptsache selbständig

          Hauptsache selbständig - das war es, was die beiden Hamburger antrieb. „Das Produkt war eigentlich egal“, sagt Hampl. Im eigenen Unternehmen könne man sich verwirklichen, sagen beide, man könne Ideen schneller umsetzen und habe größere Freiheiten - etwa wann man arbeitet und mit wem. Seit sie einmal vier Wochen lang im Zug durch Europa reisten, führten die beiden ein Ideenbuch. Was sie nicht alles gründen wollten: einen Bocadillo-Laden - die spanische Version einer Stulle -, ein Café, eine Bar, ein Hostel, ein Schuhgeschäft, „sogar eine Putzkolonne und einen Hausmeisterservice und so einen Müll“, sagt Wiegert und grinst.

          Das Problem mit all dem war - das gab es schon. Dann aber hatten sie einen Einfall, von dem sie sofort wussten: „Das ist es!“ Eine neue Cola wollten sie erfinden, eine für Erwachsene, weniger süß, dafür mit ordentlich viel Koffein. „Von allen Ideen hat das am meisten Spaß versprochen“, sagt Hampl.

          Obskure Zutatenliste

          Damals, im Frühjahr 2002, waren sie Studenten, Wiegert studierte Außenwirtschaft, Hampl Medientechnik. Vorher hatten sie beide eine Ausbildung gemacht, als Speditionskaufmann beziehungsweise Elektroniker. Davon, wie eine Cola hergestellt wird, hatten sie keine Ahnung, aber davon, wie sie schmecken sollte, hatten sie sehr genaue Vorstellungen. „Google hilft“, sagt Wiegert über die Suche nach einem Rezept. Doch sie stellten schnell fest, dass ein solches Getränk zu kompliziert ist für die eigene Küche. Der erste Apotheker, bei dem sie ihr Glück versuchten, schmiss sie ob ihrer obskuren Zutatenliste - Kokablätter, Koffein und lauter Aromen in Mini-Dosierungen - raus. Also wandten sie sich an einen Lebensmittelfachmann, der für sie jene Cola entwickelte, die ihnen vorschwebte.

          Sie tauften sie „Fritz-Kola“, weil sie das einen „feinen norddeutschen Namen“ fanden, und spürten eine Brauerei auf, die bereit war, die ersten 170 Kisten à 24 Flaschen abzufüllen. „Die Bedingung war, dass wir bar bezahlen“, sagt Hampl. Das Geld schafften sie herbei, indem sie zwei Bausparverträge über zusammen 7000 Euro auflösten. Zunächst lagerten sie die Kisten bei ihren Eltern und Großeltern. Als sie mit dem gemieteten Lastwagen vor dem Haus standen, seien seine Eltern schon erschrocken gewesen, erzählt Wiegert. „Was tut ihr euch da an?“, hätten sie gefragt.

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