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Unternehmensberater : Die neue Business Class

Gut im Geschäft: Unternehmensberater Roland Berger (li.), hier zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dem saudi-arabischen Finanzminister Ibrahim Al-Assaf. Bild: dpa

Der wachsende Einfluss der Regierungen in der Privatwirtschaft ruft die Unternehmensberater auf den Plan. Sie wittern neue Aufträge. Doch Projekte mit der öffentlichen Hand sind nicht ohne Risiko.

          Wer dieser Tage einen Inlandsflug nach Berlin antritt, kann gut die neue Machtverteilung im Land beobachten. Während viele Business-Class-verwöhnte Führungskräfte aus der Wirtschaft mittlerweile aus Spargründen nach hinten in die Economy Class durchgehen, nehmen in den bequemen Sesseln vorne die Vertreter des Berliner Politikbetriebs Platz. Die Unternehmensberater bringt das in eine Zwickmühle. Auch Economy fliegen, damit die angestammte Kundschaft nicht beleidigt ist? Oder Business buchen, um sich an die Politiker heranzupirschen? "Business natürlich", sagt ein Partner einer namhaften Beratungsgesellschaft. "Da spielt die Musik."

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der wachsende Einfluss von Regierungen in der Privatwirtschaft sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff in der Beratungsbranche. Auf rund 60 Seiten widmet sich McKinsey dem Thema in der aktuellen Ausgabe seines Kundenmagazins. "Neue Regeln für ein neues Zeitalter" lautet die Botschaft über einem skizzierten Regierungssitz, auf dessen Seitenflügel Fabrikschlote rauchen. Auch die Boston Consulting Group (BCG) rückte das Thema kürzlich mit für die Branche ungewöhnlich deutlichen Worten in den Vordergrund. Der öffentliche Sektor sei ein Bereich, in dem BCG noch wachsen könne, betonte Hans-Paul Bürkner, internationaler BCG-Chef, nach seiner Wiederwahl (F.A.Z. vom 4. Juni). In Australien, im Mittleren Osten und Südostasien sei das Unternehmen dabei schon gut vertreten. "Diese Expertise werden wir auch in Europa ausbauen, und speziell in Deutschland werden wir uns darin verstärken."

          Wachsende Nachfrage an Schnittstelle Wirtschaft - Politik

          Vordenker in der BCG-Welt ist dabei Larry Kamener. Er leitet von Australien aus eine internationale Arbeitsgruppe, die sich mit dem öffentlichen Sektor befasst. Gemeinsam mit Kamener überlegt BCG-Deutschlandchef Christian Veith nun, welche Projekte aus den Vorzeigeländern sich auch in Deutschland verwirklichen lassen könnten. Wachsende Nachfrage sieht Veith vor allem "an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik". Auftraggeber wie den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, kurz Soffin, habe es vor einem Jahr noch nicht gegeben. Dieser Markt sei etwas substantiell Neues. "Das ist nichts, womit wir besonders viel Geld verdienen werden", räumt Veith ein. "Aber wir können und wollen unsere Erfahrung in die Entscheidungsprozesse einbringen."

          Bei McKinsey und Roland Berger - bislang die beiden Platzhirsche, wenn es um die Beratung öffentlicher Auftraggeber geht - nimmt man die Ankündigung der Konkurrenz gelassen. "Der Markt ist groß genug für alle", sagt Roland-Berger-Chef Burkhard Schwenker. Auch er stellt fest, dass die Schnittstelle zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor größer wird, sieht jedoch andere Gründe dafür: "Das liegt nicht unbedingt an der Krise. Es geht eher um langfristige Themen wie Klimaschutz, Globalisierung und den demographischen Wandel."

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