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F.A.Z. exklusiv : Warum Unternehmen die Stärke des Euros kaum stört

Wechselkurse berühren deutsche Unternehmen kaum. Besonders den Maschinenbau stört das wenig. Bild: dpa

Um mehr als 12 Prozent hat der Euro seit Mitte April gegenüber dem Dollar zugelegt. Das verteuert Produkte aus Deutschland - aber es beeinträchtigt die Unternehmen nicht sehr.

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          In den vergangenen Monaten ist ungewohnte Bewegung in die Wechselkurse gekommen: Seit Mitte April hat der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 12 Prozent zugelegt. Die ungewohnte Euro-Stärke weckt unweigerlich Sorgen, sie könnte die Konjunktur abwürgen und die Unternehmen belasten. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben vor diesem Hintergrund analysiert, wie berechtigt solche Sorgen sind. Die entsprechende Auswertung liegt der F.A.Z. exklusiv vor. Die schlechte Nachricht der Analyse ist, dass die Aufwertung des Euro die Exportpreise und damit auch die Gewinnmargen der Unternehmen durchaus belasten dürfte. Die gute Nachricht ist aber, dass der Wechselkurs für die realen Exporte weniger wichtig ist – und die Ausfuhren von der vermutlich weiterhin anziehenden globalen Konjunktur im Gegenteil sogar profitieren dürften.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Das gilt grundsätzlich für alle deutschen Unternehmen. Deutlich macht die LBBW den Zusammenhang aber vor allem am Beispiel des deutschen Maschinenbaus. Zunächst: Rund 57 Prozent der Branchenexporte bleiben in Europa. Inklusive des Inlandsanteils sind damit rund 70 bis 80 Prozent der Maschinenbauproduktion von vornherein kaum währungsabhängig.

          Die Vereinigten Staaten sind zwar mit 11 Prozent das wichtigste Exportland vor China (9 Prozent) und Frankreich (7 Prozent). „Wegen der breiten Exportdiversifikation hält sich der Einfluss aber in Grenzen. Da mehr als 70 Prozent der Produktion nach Europa geht, korreliert die Exporterwartung des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland stark mit der konjunkturellen Entwicklung im Kernmarkt. Vergleicht man hingegen die Ifo Exporterwartungen mit der Euro-Dollar-Wechselkursentwicklung, dann hat der Dollar keinen maßgeblichen Einfluss“, schreibt die LBBW. Ein weiterer wichtiger Erklärungsansatz für die geringer als gemeinhin erwartete Wechselkursabhängigkeit sei die komplementäre Branchenstruktur zwischen den Vereinigten und Deutschland.

          Deutschland ist stark im Maschinenbau

          Amerika sei stark unter anderem in der Landtechnik, auf dem Gebiet der kälte- und lufttechnischen Erzeugnisse sowie der Baumaschinen. Deutschland dagegen sei im Maschinenbau führend in der Antriebs- und Fördertechnik, auf dem Gebiet Werkzeugmaschinen, die derzeit auf der Messe Emo in Hannover gezeigt werden, sowie mit Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Daher hätten die deutschen Unternehmen auch bei schlechteren Währungsrelationen gute Exportchancen in den Vereinigten Staaten, da die lokale Konkurrenz auf diesen Gebieten eher schwach sei.

          Im Rahmen einer Gesamtkostenanalyse am Beispiel von Gabelstaplern zeigt sich, dass für den Käufer die „Total-Cost-of-Ownership“ (also die Kosten über die gesamte Lebensdauer des jeweiligen Gabelstaplers hinweg) zu mehr als 80 Prozent von den laufenden Kosten während der Betriebszeit dominiert würden, während die Anschaffungskosten nur einen Anteil von 7 Prozent ausmachten. Auch wenn diese Relation für andere Maschinenbauprodukte vielleicht nicht ganz so extrem sei, zeige dies, dass der Kosteneffekt der Anschaffungskosten weitaus geringer sei als allgemein angenommen: „So würde eine Wechselkurserhöhung von 10 Prozent zwar den Kaufpreis um 10 Prozent erhöhen, die Total-Cost-of-Ownership würden dagegen nur um 0,7 Prozent steigen“, schreibt die LBBW.

          Mit Blick auf wichtige Einflussfaktoren für die laufenden Betriebskosten wie zum Beispiel Qualität, Technologie oder der grundsätzlichen Kompetenz als Problemlöser bekomme der deutsche Maschinenbau ohnehin wesentlich bessere Noten als beim Kaufpreis, wo die deutsche Industrie eher zu den teureren Anbietern gehöre. So habe der Dollar zwar zweifelsfrei einen wichtigen Einfluss auf die Umsatz- und Ertragsentwicklung deutscher Exportunternehmen des Maschinenbaus. Dieser Einfluss werde aber durch die Qualität der Produkte, durch deren Langlebigkeit und Effizienz spürbar begrenzt, sodass sich die Auswirkungen der aktuellen Abwertung des Dollars grundsätzlich in Grenzen halten dürften – beziehungsweise diese häufig am Markt überschätzt würden.

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