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Sonderlackierungen : Die fliegende Werbetrommel

Diesen Goldbären-Flieger von Tui gibt es nicht mehr. Er wurde umlackiert. Bild: Haribo

Den Weltmeister-Flieger der Lufthansa kennen die meisten. Doch auch Unternehmen setzen auf die Sonderlackierung von Flugzeugen. FAZ.NET zeigt die schönsten Modelle.

          Wer das goldfarbene Haribo-Flugzeug noch nie zu Gesicht bekommen hat - sei es als Passagier oder als Zaungast an einem Flughafen, der wird es auch künftig nicht mehr am Himmel finden. Denn diese Boeing 737 der Ferienfluggesellschaft TUIfly wurde im Februar umlackiert. Verschwunden sind der Goldbär auf dem Leitwerk, die Gummibärchen auf dem Rumpf sowie der rot-schwarze Haribo-Schriftzug. Inzwischen leuchtet die Maschine in sattem dunklen Blau und trägt in weißen Lettern den Namen „TUI Blue“. Sie soll künftig zusammen mit anderen Flugzeugen für den TUI-Konzern selbst und seine Kernmarken wie zum Beispiel Robinson- oder RIU-Hotels werben.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Besonders lackierte Flugzeuge gibt es auf der Welt viele, auch die großen und kleinen Fans sind zahlreich. Manche Fluggesellschaften zeigen sich rege, andere dagegen wie Lufthansa, Air France oder British Airways bleiben zurückhaltend. Eher selten werden die Flugzeugrümpfe allerdings als reine Werbefläche verkauft wie zum Beispiel von TUIfly. Viele Fluggesellschaften werben für ihr Land oder sportliche Ereignisse, wie Etihad Airways für Reisen nach Abu Dhabi oder das dortige Formel-1-Rennen. Auch Air China wirbt mittels Flugzeugen des Typs Boeing 777 mit 40 lächelnden Porträts und der Aufschrift „Smiling China“ oder der „Love China“-Bemalung für Sympathie.

          Daneben steht häufig auch der Sport oder das Sponsoring im Mittelpunkt. Air New Zealand zum Beispiel hat aktuell drei Flugzeuge zu Ehren der wohl bekanntesten Rugby-Mannschaft der Welt, den neuseeländischen „All Blacks“, vollständig in Schwarz lackiert - mit Ausnahme des Silberfarns auf dem Leitwerk. Andere Konzerne wiederum begehen durch Sonderbemalungen Jubiläen der verschiedensten Art wie Turkish Airlines. Die türkische Gesellschaft hat das 300ste Flugzeug ihrer Flotte, einen Airbus 330, mit einer besonderen Aufschrift versehen. Emirates wiederum setzt sich auf zwei Airbus-Flugzeugen des Typs A 380 für den Schutz wilder Tiere ein und bildet dort Elefanten, Löwen, Tiger oder Gorillas ab.

          Die Wiederbelebung des Mythos vom Fliegen

          „Fluggesellschaften haben den Wert dieser Marketingmaßnahmen erkannt und nutzen sie entsprechend vielfältig“, sagt Jens Grefen, Kreativdirektor der Markenberatung Interbrand Deutschland. Sei es, um neue Streckenverbindungen oder ein Jubiläum zu feiern, oder einfach nur, um das Image aufzubessern. Auch Partnerschaften mit anderen Marken seien gängig, um zum Beispiel Spenden einzusammeln. „Mit Maschinen im Retro-Look wiederum wird zudem der Mythos des Fliegens wiederbelebt“, sagt Grefen. Diese Individualisierung rücke Unternehmen in den Blickpunkt, ohne dass diese selbst darüber sprechen müssten.

          In manchen Flugzeugen reicht das besondere Design bis in das Innere, wie bei den inzwischen drei Boeings der japanischen Gesellschaft All Nippon Airlines, die passend zum jüngsten Kinofilm außen und innen im Star-Wars-Design gestaltet sind. Bekanntes Beispiel sind auch Jets der taiwanischen Eva Air, wo sich inklusive der Uniformen des Flugpersonals alles um die Kultfigur „Hello Kitty“ dreht.

          Und wie geht es mit Haribo und TUIfly weiter? Haribo bleibe ein enger Kooperationspartner, sagt Jan Hillrichs, Pressesprecher von TUIfly. Denn noch immer sei in der 40 Maschinen umfassenden Flotte der bunte „Paradiesvogel“ unterwegs, der seit rund einem Jahr für Tropifrutti von Haribo werbe. Weiterer Werbepartner des Unternehmens ist der Fotospezialist Cewe Colour mit einer überwiegend in Rot lackierten Maschine.

          Auffallen ist alles

          Man habe sich nun entschieden, den eigenen Konzern stärker zu bewerben, auch wenn man Werbeanfragen jederzeit offen gegenüberstehe, sagt Hillrichs. Solche Kooperationen dauerten bisweilen auch nur ein Jahr. Der Haribo-Flieger sei seit dem Jahr 2010 auf europäischen Strecken im regulären Flugbetrieb unterwegs gewesen. Ein früherer Kunde von TUIfly war unter anderen auch die Deutsche Bahn mit einem als ICE lackierten Flugzeug und einer Regio-Maschine.

          Haribo, Formel 1 oder Eigenwerbung: FAZ.NET zeigt die schönsten Flugzeug-Lackierungen. Bilderstrecke

          Über die Preise schweigt sich Hillrichs jedoch aus. Das Haribo-Flugzeug habe ohnehin neu lackiert werden müssen, sagt der Sprecher von TUIfly. Dies müsse regelmäßig geschehen, da sich der Lack durch die starke UV-Strahlung, Reibung mit hoher Geschwindigkeit und das deutliche Temperaturgefälle während des Fluges abnutze. Eine Standardlackierung koste von rund 80 000 Euro an, besondere Bemalungen entsprechend mehr. Sie würden von eigenständigen Lackierbetrieben durchgeführt, wie für „TUI Blue“ im britischen Norwich. Kleinere Details könnten mit Folien aufgeklebt, größere Flächen müssten aber lackiert werden, da die Flugzeuge sonst zu schwer würden und dadurch zu viel Kerosin verbrauchten.

          Von Haribo heißt es, man habe im vergangenen Jahr den Schwerpunkt auf die neue Werbefigur Michael Bully Herbig gelegt. Daher habe man den Vertrag über das goldfarbene Flugzeug mit TUIfly Ende Oktober 2015 auslaufen lassen, sagt ein Sprecher von Haribo. Mit dem Erfolg dieser Art des Marketings sei man aber sehr zufrieden, denn die beiden Marken ergänzten sich auch mit Blick auf ihre Familieorientierung ideal. Die Haribo-Flugzeuge seien nicht nur bei den Fluggästen mit viel Begeisterung aufgenommen worden. Der Vertrag für den „Paradiesvogel“ laufe auf jeden Fall noch bis April 2017.

          Die neuen TUI-Sonderlackierungen wiederum wurden nun in Hannover der Öffentlichkeit präsentiert. Die Flugdaten einiger bunter Vögel veröffentlichen Gesellschaften wie TUIfly als Kundenservice im Internet. Eine Sonderbemalung schaffe Sympathie und Fans und gebe dem Fliegen ein Stückchen Faszination zurück, sagt Grefen. Auf jeden Fall fällt sie auf.

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