https://www.faz.net/-gqe-9s00t

Börsennotierte Unternehmen : Aufsichtsräte berufen Vorstände schneller ab

Der Chef und sein Kontrolleur: Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr (links) mit Multi-Aufsichtsrat Karl-Ludwig Kley Bild: dpa

Die Aufgaben der Kontrollgremien wandeln sich. Schneller als früher reagieren sie auf negative Entwicklungen im Umfeld eines Unternehmens. Doch auch die Dienstzeiten der Kontrolleure werden kürzer. Dafür verdienen sie besser.

          2 Min.

          Die Aufgaben und die Verantwortung, bis hin zur Haftung, von Aufsichtsräten nehmen zu. Daher reagieren sie auf negative Entwicklungen im Unternehmen immer schneller und berufen beispielsweise Vorstände früher ab. Die Reaktionszeit hat sich deutlich verkürzt – die Verweildauer der Vorstände habe sich in den letzten zehn Jahren halbiert, stellt die DSW Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fest. Besonders anschaulich sei das Beispiel Thyssen-Krupp. Guido Kerkhoff musste den Sessel des Vorstandsvorsitzenden schon nach 14 Monaten wieder räumen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Kürzer werden aber offenbar auch die Verweilzeiten der Aufsichtsräte. Obwohl die meisten großen Aktiengesellschaften in ihrer Satzung die Mandatsdauer eines Aufsichtsrates auf 15 Jahre begrenzen, wird diese Marke bei weitem nicht erreicht. Im Durchschnitt ist ein Aufsichtsrat – untersucht wurden die 540 Aufsichtsratsmandate in den Dax-30-Unternehmen – nur 5,4 Jahre, also gut eine Amtszeit Mitglied dieses Gremiums. Nur die Vorsitzenden sind oft erfahrenere Fahrensleute; sie sind im Durchschnitt seit gut acht Jahren im Aufsichtsrat. Das sind Ergebnisse der DSW-Aufsichtsratsstudie, in der die Aktionärsvereinigung zum 17. Mal quantitative Merkmale von Aufsichtsräten auswertet.

          Länger als 15 Jahre gehöre selten jemand einem Aufsichtsgremium an. Der derzeit dienstälteste deutsche Aufsichtsrat ist Manfred Schoch, der als Arbeitnehmervertreter dem Aufsichtsrat von BMW seit 31 Jahren angehört. Im Durchschnitt sind Deutschlands Aufsichtsräte auch jünger als oft angenommen. Ihr Durchschnittsalter liege bei gut 50 Jahren, sagte Christiane Hölz, Landesgeschäftsführerin NRW der DSW.

          Variable Vergütungsanteile verschwinden

          Auch hier dürften die Aufsichtsratsvorsitzenden darüber liegen. Deutschlands einflussreichster Aufsichtsrat ist nach wie vor der 68 Jahre alte Karl-Ludwig Kley. Der frühere Vorstandsvorsitzende von Merck sitzt den Kontrollgremien der Deutschen Lufthansa und von Eon vor und ist Mitglied im Aufsichtsrat von BMW. An zweiter Stelle rangiert Paul Achleitner (63 Jahre, früher Vorstand Goldman Sachs und Allianz SE). Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank bekommt mit 860.000 Euro im Jahr auch das höchste Salär, das ein deutscher Aufsichtsrat bekommt.

          Obwohl sein Aufwand gemessen an der Zahl der Sitzungen, gegenüber dem Vorjahr zurückging, stieg sein Einkommen daraus um 7,3 Prozent. Dennoch hat Achleitner mit 77 Sitzungen im Jahr ein volleres Programm als die meisten Kollegen, was auch daran liegt, dass bei der Deutschen Bank der Aufsichtsratsvorsitzende auch noch einige Ausschüsse des Aufsichtsrates leitet. Da die Ausschussvorsitzenden auch immer besser entlohnt werden – ein Prüfungsausschussvorsitzender kommt in Deutschland mit 229.000 Euro im Jahr fast an das Entgelt eines stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden mit 246.000 Euro heran – erhält Achleitner das mehr als achtfache eines einfachen Aufsichtsratsmitgliedes der Deutschen Bank.

          Insgesamt haben die im Dax notierten Konzerne (ausgenommen Linde wegen seines Sitzes in Großbritannien) im vergangenen Jahr 86,5 Millionen Euro für ihre Aufseher ausgegeben. Das waren 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Den teuersten Aufsichtsrat leistet sich mit 5,8 Millionen Euro die Deutsche Bank, dicht gefolgt von BMW (5,6) und Siemens (5,4 Millionen Euro).

          Den höchsten Zuwachs der Vergütung verzeichnete der Sportartikelhersteller Adidas. Obwohl er seinen Aufsichtsräten 22 Prozent mehr als im Vorjahr zahlte, ist das Gremium mit 2,3 Millionen Euro immer noch relativ preiswert. Positiv bewertet der Vergütungsexperte der DSW Frederik Beckendorff, dass die variablen Vergütungsbestandteile fast verschwunden sind. Nur noch 5 der 30 Dax-Unternehmen zahlen ihren Aufsichtsräten variable Vergütungsanteile, meist am langfristigen Unternehmenserfolg orientiert. In den anderen Fällen bekommen die Aufseher einen Festbetrag.

          Weitere Themen

          Lufthansa solle aufhören zu „zocken“ Video-Seite öffnen

          UFO stellt Ultimatum : Lufthansa solle aufhören zu „zocken“

          Die Kabinengewerkschaft UFO will den Arbeitskampf bei der Lufthansa wieder aufnehmen, sollte die Fluggesellschaft nicht zu Kompromissen bereit sein. Sollte Lufthansa weiter „zocken“, werde man sich schon in naher Zukunft auf erneute Streiks einstellen müssen.

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.