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Unterhaltungsindustrie : Der Disney-Effekt

Actionhelden wie Spider-Man gehören bald zur Disney-Familie Bild: AP

Bob Iger bedient bei Walt Disney eine konkurrenzlose Vermarktungsmaschine. Jetzt wird die Superheldenschmiede Marvel ins System eingespeist. Damit gehören Actionhelden wie Spider-Man unter ein Dach mit Mickey Mouse oder Schneewittchen. Iger hat es wieder einmal geschafft, zu verblüffen.

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          Im Diskussionsforum des Internetdienstes „Newsarama“ herrschte alles andere als einhellige Begeisterung. Auf der Seite dreht sich alles um Comics, vor allem solche der actiongeladenen Sorte, die sich nicht an das allerjüngste Zielpublikum richten. Hier werden Superhelden wie Spider-Man oder Batman zelebriert, und die Leserschaft ist eine leidenschaftliche Truppe. Entsprechend emotional war die Reaktion auf die Nachricht, dass einige der prominentesten Comichelden bald ein neues Zuhause haben werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Unterhaltungskonzern Walt Disney kündigte am Montag den Kauf des Comicspezialisten Marvel Entertainment für 4 Milliarden Dollar an. Damit gehören Actionhelden wie Spider-Man, Iron Man und Captain America bald zur Disney-Familie – und sind damit unter einem Dach mit familienfreundlichen Figuren wie Mickey Mouse, Schneewittchen und Bambi. Die Aussicht lässt manche eingefleischten Comicfans erschaudern, die fürchten, ihre Helden könnten jetzt weichgespült werden. „Das ist zum Kotzen ... Werden wir jetzt kindergerechte Comicfilme haben?“, schrieb ein Nutzer im Newsarama-Forum. „Lasst uns hoffen, dass Disney die Welt von Marvel nicht mit Zuckerguss überzieht“, meinte ein anderer.

          Bob Iger verblüfft mal wieder

          Bob Iger hat es wieder einmal geschafft, zu verblüffen. Der Vorstandsvorsitzende von Walt Disney hat mit seinem Manöver nicht nur Comicfans aufgeschreckt, sondern die ganze Medienbranche. Der Griff nach Marvel kam für viele Beobachter überraschend. Im Nachhin- ein sind sich die meisten von ihnen indessen einig, dass die Kombination von Disney und Marvel eine bestechende Logik hat – wenngleich es kritische Stimmen gibt, Bob Iger habe allzu tief in die Tasche gegriffen.

          Familienfreundlicher: Micky und Minnie Mouse

          Die Akquisition von Marvel passt in die Strategie, die der Disney-Chef seit seinem Amtsantritt vor fast genau vier Jahren verfolgt: Denn Iger setzt darauf, starke Figuren und Geschichten unter dem Dach von Disney zu versammeln, die er dann an möglichst vielen Stellen des Konzerns zu Geld machen kann. Die Vermarktungsmaschinerie von Disney ist konkurrenzlos: Das Unternehmen verwertet seine Inhalte in Filmen, Fernsehsendungen, Freizeitparks, Musicals, auf Spielzeug und sogar mit einem eigenem Kreuzfahrtgeschäft. Was diese Verwertbarkeit betrifft, ist Marvel ein Traumpartner. Marvel-Helden wie Spider-Man sind zu Filmreihen gemacht worden, die auch nach mehreren Fortsetzungen kaum an Zugkraft verloren haben. Disney setzt zudem darauf, dass sich in der Fülle von 5000 Marvel-Figuren noch einige bislang kaum bekannte Namen aufspüren lassen, aus denen der nächste „Blockbuster“ à la Spider-Man gezimmert werden kann. Bob Iger nannte den Katalog von Marvel eine „Fundgrube“. Marvel-Figuren werden schon heute auf einer Fülle von Lizenzartikeln vermarktet, und unter der Regie von Disney werden sich sicher noch mehr Einsatzgebiete finden. „Marvel ist innerhalb von Disney mehr wert als außerhalb von Disney“, urteilte Finanzvorstand Tom Staggs.

          Sein zweiter großer Schlag

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