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Unterhaltungselektronik : Vom Überleben in der Premiumnische

  • -Aktualisiert am

Hinzu kam auch, dass die erste Generation der LCD-Geräte in Sachen Qualität keineswegs mit den besten Röhrenfernsehern konkurrieren konnte. So konnte sich Loewe zwar in Sachen Bildqualität der flachen Fernseher im Vergleich zu den anderen Anbietern im Markt als Premiummarke halten. Hecker ist allerdings heute noch anzumerken, dass er mit der damals ausgelieferten Ware keineswegs zufrieden war. So kam es, wie es kommen musste. Der Umsatz brach ein, und für die Jahre 2003 und 2004 musste der Hersteller aus Kronach operative Verluste in jeweils zweistelliger Millionenhöhe in Kauf nehmen.

Es musste etwas geschehen, um Loewe zu retten. Vier Elemente der Strategie aus der Krise sind nach Angaben von Hecker dafür verantwortlich, dass Loewe heute wieder Gewinn erwirtschaftet und eine gute Perspektive hat, die sich inzwischen auch wieder im Aktienkurs des Unternehmens zeigt. Während der Sanierung ging es nach Heckers Angaben aber keineswegs nur um den Abbau von Kosten. Auch eine schnelle Einigung mit den Banken, Mitarbeitern und Investoren auf eine konsequente Strategie und Perspektive bezeichnet er heute als zentralen Faktor, der eine Genesung des Unternehmens ermöglichte. Dies sei vor allem in den Verhandlungen mit den Banken sehr wichtig gewesen. „Die kamen alle aus der Misere mit Grundig heraus. Das brauchten die nicht noch einmal“, beschreibt er die Ressentiments, die auf Seiten der Kreditinstitute damals zu finden waren. Nur eine klare Perspektive konnte dem Zweifel der Geldhäuser damals abhelfen.

Sharp und Panasonic stiegen bei Loewe ein

Dennoch stand auch in Kronach am Anfang der Restrukturierung eine deutliche Senkung der Kosten - auch beim Personal. „Als Erstes haben wir den Vorstand von vier auf drei Mitglieder reduziert“, erinnert sich Hecker. „Diese Kostensenkung um 25 Prozent war die Messlatte für die anderen Abteilungen.“ Entsprechend wurde auch Personal abgebaut. Aus ehemals 1250 Mitarbeitern wurden im Verlauf dieses Prozesses rund 950. Es wurden aber auch andere Wege der Kostensenkung gefunden. So stundeten die Mitarbeiter dem Unternehmen zum Beispiel 10 Prozent ihres Gehaltes. Diese Beträge wurden aber nicht einfach einbehalten, sondern mit 25 Prozent im Jahr verzinst, was sich für die Angestellten durchaus gelohnt hat. „Wir haben drei Millionen Euro aus dem Ergebnis des Jahres 2006 im Jahr 2007 an unsere Mitarbeiter zurückgezahlt“, sagt Hecker.

Ohne Hilfe von außen aber wäre es „auch für Loewe knapp geworden“, erinnert er sich. Also begab sich auch Loewe auf Partnersuche und wurde abermals in Japan fündig. Schon Anfang der neunziger Jahre gehörten mehr als 48 Prozent von Loewe dem Matsushita-Konzern, der besser unter der Marke Panasonic bekannt ist. Ende 2004 stieg diesmal allerdings der japanische Hersteller Sharp, der schon zuvor mit einem kleinen Anteil an Loewe beteiligt war, im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit insgesamt 29,5 Prozent in Kronach ein. Dem Unternehmen flossen aus dieser Transaktion 15 Millionen Euro frisches Kapital zu, die vor allem für den Umbau der Produktpalette - dem dritten Baustein der Sanierungsstrategie - verwandt wurden.

Sharp hält diesen Anteil noch heute und dürfte mit der Wertentwicklung der Investition recht zufrieden sein. Während die neuen Aktien 2004 zu 6,5 Euro ausgegeben wurden, notiert Loewe jetzt zwischen 15 und 16 Euro. Sharp beauftragte Loewe zudem mit der Produktion seiner eigenen Fernseher, was entscheidend zu einer besseren Auslastung der Kapazitäten in Kronach beitrug. „Wir wussten, dass der Markt für die Premiumfernseher wieder anspringen würde - wir wussten aber nicht genau, wann“, sagt Hecker heute. Das geschah dann im Jahr 2005, und seitdem geht es Loewe deutlich besser. Neben dem Familienunternehmen Metz und dem Hersteller Technisat in Daun ist Loewe damit der einzig verbliebene Hersteller von Fernsehern in Deutschland. Die Branche als solche hat damit hierzulande nicht überlebt. Einige Unternehmen haben die die Krise aber gemeistert und sind gesünder als vorher aus ihr hervorgegangen.

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