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Unterhaltungselektronik : Vom Überleben in der Premiumnische

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Dabei hatte die Branche in Europa zunächst eigentlich vernünftig auf die Bedrohung durch die neuen Wettbewerber reagiert. So schmiedete der französische Staatskonzern Thomson in den achtziger Jahren einen Fertigungsverbund und übernahm dafür auch die damals insolventen Unternehmen Saba, Dual sowie Nordmende und Telefunken mit all ihrer fachlichen Kompetenz. Dadurch sollten die Kosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit von Europa als Produktionsstandort für Unterhaltungselektronik gesichert werden. Dies Konzept scheiterte allerdings auch daran, dass der technische Vorsprung nicht schnell genug in innovative Produkte umgesetzt werden konnte.

Auch Grundig suchte sich mit Philips einen größeren Partner, um in der globalisierten Konkurrenz besser bestehen zu können. So jedenfalls las sich das Konzept, mit dem Philips im Jahr 1984 den Erwerb eines Anteils von 31,6 Prozent vom Firmengründer Max Grundig begründete. Aber auch mit Philips an der Seite kam Grundig nicht wieder auf die Beine. Allein im Jahr 1995 verursachte die Beteiligung einen von Philips zu tragenden Verlust von rund 600 Millionen DM. Das war zu viel. Der Beherrschungsvertrag wurde gekündigt, und die Suche nach neuen Partnern für Grundig begann. Damit war auch das Schicksal des Unternehmens besiegelt.

Loewe hätte sich fast nicht mehr von der Krise erholt

Es kam allerdings noch schlimmer für die Branche in Deutschland. Bis in das Jahr 2002 hatten Unternehmen wie Loewe oder Metz, die damals als einige der wenigen noch mit einer eigenen Produktion in Deutschland vertreten waren, noch nicht so schwer unter der Krise gelitten wie ihre Wettbewerber. Der Grund: Beide Unternehmen bedienten schon damals das eher hochpreisige Segment im Geschäft mit Fernsehern. Von den Kunden für diese Geräte mit einem Stückpreis von jeweils mehr als 1000 Euro wurde weiterhin die hohe Kompetenz der deutschen Fertiger gefragt. Zudem konnte sich zumindest Loewe mit seinem hohen Anspruch an das Design der Geräte von den Wettbewerbern absetzen.

Aber auch Loewe geriet Ende des Jahres 2002 in eine schwere Krise, von der sich das Unternehmen fast nicht mehr erholt hätte. „Der Markt hat einfach keine Premium-Bildröhren mehr gekauft“, erinnert sich Rainer Hecker, damals wie heute der Vorstandsvorsitzende von Loewe. „Unser relevanter Markt brach um rund 50 Prozent ein.“ Damit wehrt er sich auch gegen Vorwürfe, Loewe habe den Trend zu flachen Bildschirmen schlicht verschlafen und sei daher in die Krise gerutscht. „Wir hatten Plasmabildschirme seit dem Jahr 1998 im Programm und waren eines der ersten Unternehmen, die in Deutschland mit LCD-Geräten auf den Markt kamen“, betont Hecker.

„Geiz ist geil“-Kampagne sorgte für einen Einbruch im Premiumsegment

Der Einbruch im Premiumsegment ist nach Ansicht von Branchenbeobachtern in der Folgezeit zum Teil auch auf die im Jahr 2003 gestartete „Geiz ist geil“-Kampagne des Elektronik-Discounters Saturn zurückzuführen, die eine Kaufzurückhaltung bei teuren Konsumgütern geradezu forderte. Loewe steckte nach Heckers Angaben zu diesem Zeitpunkt in einem Dilemma. Auf der einen Seite war der Verkauf der klassischen Röhrenfernseher eingebrochen, und die rasante Entwicklung der Absatzzahlen für die flachen Bildschirme zeigte, dass das Röhrengeschäft auch nicht zurückkommen würde. Auf der anderen Seite nahm gerade der Verkauf der hochpreisigen LCD-Geräte aber nicht so schnell Fahrt auf, um die Kapazitäten bei Loewe auslasten zu können. Es blieb also eine Lücke bei Umsatz und Ertrag. Zusätzlich schmälerte der damals schon erkennbare, rapide Preisverfall der flachen Geräte den Umsatz zusätzlich.

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