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Unterhaltungselektronik : Rummel im Media-Markt

  • -Aktualisiert am

Der Flachbildschirm steht ganz oben auf dem Wunschzettel: 45 Prozent der Deutschen wollen zu Weihnachten einen neuen Fernseher Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Unterhaltungselektronik ist der Deutschen liebstes Weihnachtsgeschenk. Die Läden der beiden Metro-Töchter Saturn und Media-Markt sind voll. Mit brachialer Werbung treibt der Konzern den Umsatz in neue Höhen. Nur im Internet geht es nicht recht voran.

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          Wer Mario Barth nicht verträgt, und solche Menschen soll es geben, der hat gegenwärtig harte Zeiten zu überstehen: Vor dem Komiker gibt es kein Entrinnen, sein Auftraggeber, der Media-Markt, kennt keine Gnade. Barth wurde verpflichtet, das Weihnachtsgeschäft der Elektronikkette zu befeuern. Also wird gefeuert. Wohl noch nie hat die Republik eine so massive Kampagne erlebt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schuld ist die Krise. Die Preise für TV-Spots und Anzeigen sind gesunken. Der Elektrohändler, der so viel Geld wie kein anderer deutscher Konzern in die Werbung steckt, hat seinen Etat jedoch nicht zurückgeschraubt. Das heißt: Feuer frei für Mario Barth auf allen Kanälen.

          Die Zielgruppe springt offenbar darauf an. Die Märkte sind voll, auch am letzten, umsatzstärksten Samstag. Unterhaltungselektronik ist der Deutschen liebstes Weihnachtsgeschenk, Fernseher und Minicomputer stehen ganz oben auf dem Wunschzettel. Jeder zehnte Haushalt gönnt sich zum Fest laut Umfragen einen Flachbildschirm. Der Handel jubiliert. In den drei Wochen vor Weihnachten nehme er so viel ein wie sonst in zwei Monaten, nennt Media-Saturn-Chef Roland Weise gern als Faustregel.

          Metro will der der größte Elektrohändler der Welt werden

          Mehr als neun Milliarden Euro wird Europas Marktführer dieses Jahr allein in Deutschland einspielen, weltweit wird wohl die 20-Milliarden-Umsatzmarke geknackt - beide Zahlen bedeuten neue Rekorde. Und das alles trotz Krise, trotz der erstarkten Konkurrenz im Internet und trotz der sich verbreitenden Erkenntnis, dass Saturn und Media-Markt keineswegs immer die günstigsten Anbieter sind.

          Irgendwann müsste eigentlich jede Stadt, jedes Einkaufszentrum mit einem Media- oder SaturnMarkt bestückt sein. Die Grenzen des Wachstums sieht der Chef in Deutschland trotzdem nicht erreicht. "Es gibt noch weiße Flecken", sagt Roland Weise. "Wir werden nächstes Jahr sieben oder acht neue Märkte eröffnen."

          Die Aggressivität hat ihren Grund: Der Mutterkonzern Metro, der 75 Prozent an der Media-Saturn-Holding hält, hat eine ehrgeizige Parole ausgegeben: Wir wollen der größte Elektrohändler der Welt werden. Schließlich braucht Metro-Chef Eckhard Cordes eine Story, wenn er den Media-Markt an die Börse bringen will - und das würde er lieber heute als morgen tun. Börsenfähig ist die Tochtergesellschaft aus Ingolstadt längst. Es fehlt nur das rechte Umfeld am Kapitalmarkt, dann kann alles ganz schnell gehen. Vorausgesetzt, die Gründer und Minderheitseigner Stiefel/Kellerhans ziehen mit. Unter Wert werden die ihre Gesellschaft nicht hergeben. "Wir können auch ohne Börse wachsen", heißt es kraftstrotzend in Bayern.

          Als nächste Station steht erst einmal China an. Vor Monaten schon hatte Cordes verkündet, dass dort ein Joint-Venture-Partner gefunden sei. Die konkreten Vorbereitungen aber zogen sich in die Länge. "In Schanghai wollen wir im Laufe des nächsten Jahres den ersten Markt eröffnen", konkretisiert Media-Saturn-Chef Roland Weise nun die Pläne. Die Expansion werde ein Kraftakt, sagt der Manager, anstrengender als Premieren in anderen Staaten: "China bietet dafür aber deutlich mehr Chancen."

          Im Internet bislang grandios gescheitert

          Ferne Länder zu erobern erscheint einfacher, als in der Heimat einen Online-Shop aufzuziehen. Denn daran ist Media-Saturn bisher grandios gescheitert. 15 Prozent des Branchenumsatzes greifen bereits die Internethändler ab. Nur Europas Gigant steht ohne Shop da. Jetzt versucht Media-Saturn es in kleineren Ländermärkten: Die Niederlande und Österreich sind als Testgebiete ausgeguckt. Dort ist man gerade dabei, Online-Shops zu starten. "Deutschland wird folgen", verspricht Weise. Wenn das Gewisper in der Branche stimmt, will er noch vor Heiligabend mit einer Überraschung aufwarten.

          Doch das schreckt die bereits etablierten Online-Shops nicht. Im Internet seien die Preise vergleichbar, da müsste Media-Saturn endlich Farbe bekennen, sagt Reiner Heckel, Chef von Redcoon. Brachiales Marketing helfe da nicht, sagt der Unternehmer. Im Gegenteil: "Kann jemand, der so viel für die Werbung ausgibt, günstig sein? Natürlich nicht."

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