https://www.faz.net/-gqe-vzsd

Unterhaltungselektronik : Elektrische Bescherung

  • -Aktualisiert am

Jeder will einen: Flachbildschirme auf der Internationalen Funkausstellung Bild: dpa

Für die Hersteller der Unterhaltungselektronik ist das Weihnachtsgeschäft schon jetzt bestens gelaufen. Der Handel hat mehr denn je geordert. Nun muss geliefert werden.

          FRANKFURT, 19. November. Es gibt wieder Gänseleberterrine und Spitzenweine zum Dinner. Wenn sich derzeit die Manager der deutschen Unterhaltungsindustrie treffen, herrscht gute Stimmung. Man gönnt sich wieder was. Die Zeiten sind vorbei, in denen Schmalhans der Küchenmeister der Branchentreffen war. Es geht den Unternehmen wieder besser, und es gibt Grund zum Feiern.

          Das Weihnachtsgeschäft des Jahres 2007 ist für die Hersteller schon weitgehend gelaufen. Die Order des Handels sind abgegeben, und eines steht jetzt schon fest: Für die Branche war es ein gutes Weihnachtsgeschäft. Die Nachfrage nach den flachen Fernsehern beflügelt abermals den Umsatz, und auch die kleinen MP3-Abspieler wie der iPod von Apple oder Navigationsgeräte gehen zu Tausenden über die Ladentheke.

          "Jetzt müssen wir nur noch die Ware verteilen und hoffen, dass wir genug liefern können", erklärt Frank Bolten, der das Deutschlandgeschäft von Sharp leitet. Ähnliches ist auch von Panasonic oder Samsung zu hören, die neben den Herstellern Loewe und Metz in Deutschland den Markt für Fernseher dominieren. Die flachen Boliden sind auch in diesem Jahr die gefragtesten Artikel der Branche.

          Zwar hat der Absatz der Fernseher in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt nur um 1,6 Prozent zugelegt. Von den flachen LCD-Geräten aber konnten rund 61 Prozent mehr verkauft werden. Das bedeutet: Der Absatz kletterte von Januar bis September auf rund 2,5 Millionen Stück. Etwas geringer war der Anstieg bei den Plasmabildschirmen, die eher für die größeren Bilddiagonalen genutzt werden. Aber auch hier lag das Absatzplus bei immer noch knapp 23 Prozent. Insgesamt aber rechnen die Marktforscher der GFK in Nürnberg mit einem Absatz von rund 4,4 Millionen flachen Fernsehern im Jahr 2007. Rund 3,9 Millionen davon LCD und etwa 540 000 Plasmageräte. Daran wird deutlich, welche Rolle das Weihnachtsgeschäft in den letzten drei Monaten des Jahres traditionell für die Branche spielt. Daran wird aber auch deutlich: Der klassische Röhrenfernseher wandert immer mehr auf das Abstellgleis. Rund 1,1 Millionen dieser Geräte wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres verkauft.

          Blickt man auf den Umsatz mit den Geräten, wird deutlich, dass die Branche auch im Jahr 2006 durch den Preisverfall hart getroffen wurde. So kletterte der Umsatz mit den LCD-Geräten zwar um gut 27 Prozent - erreicht damit aber lange nicht das Niveau des Absatzplus. Bei den Plasmafernsehern ging der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres sogar um fast 13 Prozent zurück. Hier konnte der Preisverfall also nicht ganz durch zusätzlichen Absatz kompensiert werden.

          Für die Röhrengeräte sieht es noch schlechter aus: Hier ist der Umsatz abermals um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Nur noch 258 Millionen Euro wurden in den ersten neun Monaten des Jahres für solche Geräte ausgegeben. Tendenz weiter sinkend. Insgesamt erreichte der Umsatz mit Fernsehern in den ersten Quartalen aber ein Niveau von 3,3 Milliarden Euro. Da die Branche aber rund ein Drittel des Umsatzes im Weihnachtsgeschäft erzielt, wird dieser Betrag bis zum Jahresende noch deutlich steigen.

          Nach Angaben von Rainer Hecker, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU), geht die Branche insgesamt von einem Umsatzanstieg von rund 4,3 Prozent in der klassischen Unterhaltungselektronik aus. Das würde rund 14 Milliarden Euro entsprechen.

          Hecker - der auch Vorstandsvorsitzender des Kronacher Unternehmens Loewe ist - sieht inzwischen zudem eine klare Tendenz zu höherwertigen Geräten: "Die Leute wollen beim Kauf des neuen Fernsehers alles richtig machen und setzen dabei verstärkt auf Markenprodukte." Ein Indiz dafür ist auch der stabile Durchschnittspreis von rund 760 Euro, zu dem die Geräte verkauft werden. Hecker sieht in dieser Rückbesinnung auf Marken auch eine große Chance für den Fachhandel und seine Beratungskompetenz, die seinen Beobachtungen zufolge auch genutzt wird. Dies sei allerdings schon etwas länger zu beobachten und trete nicht erst auf, seit der Slogan "Geiz ist geil" vom Markt genommen worden sei.

          Von Seiten des Handels ist derzeit allerdings zu hören, dass die Nachfrage zwar auf einem sehr guten Niveau angelangt sei. Die Margen allerdings seien weiterhin sehr unbefriedigend. Daher sind die Händler weiterhin auf der Suche nach neuen Dienstleistungen, die mit höheren Renditen angeboten werden könnten.

          Die Stimmung bei den Herstellern der Fernseher ist auch deshalb so ungebrochen gut, weil erst rund 20 Prozent der Fernseher in Deutschland durch flache Geräte ausgetauscht sind. "Wir haben rund 80 Prozent des Marktes noch vor uns", freut sich Bolten von Sharp.

          Hinzu kommt auch, dass viele Kunden, die vor einigen Jahren als erste einen flachen Bildschirm gekauft hatten, jetzt schon wieder nach Ersatz suchen. Der Grund: Die Technik hat sich in diesem Zeitraum so schnell entwickelt, dass die Bilder der Geräte heute deutlich besser sind - zumal wenn sie das Siegel ,Full HD' tragen und damit für die höchste Auflösung geeignet sind. Auch mit einem normalen Signal (Pal) können diese Geräte erheblich besser umgehen als ihre Vorgänger.

          Dennoch ist es in der Branche insgesamt ein Ärgernis, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Sender die Umstellung ihrer Sendungen auf das hochauflösende Fernsehen (HDTV) immer weiter hinausschieben. Schon ist fraglich, ob es damit bis zu den Olympischen Spielen oder der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr klappen wird. Ohne HDTV machen die Geräte aber eigentlich nur halb so viel Spaß.

          Weitere Themen

          Trübe neue Autowelt

          Zeitenwende in der Branche : Trübe neue Autowelt

          Lange Zeit kannte die Autoindustrie nur eine Richtung – bergauf. Das ist zum diesjährigen Beginn der IAA anders. Demonstranten protestieren, allseits herrscht Unsicherheit. Für die Branche sind die fetten Jahre vorbei.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.