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Unterhaltungselektronik : Die wahrscheinlich teuersten HiFi-Anlagen der Welt

  • -Aktualisiert am

Alles selbstgebastelt Bild: Thiemo Heeg

Dieter Burmester produziert Unterhaltungselektronik der besonderen Art: Seine Radios, Verstärker und Lautsprecherboxen sind handgefertigt. Die billigsten Produkte sind Fernbedienungen und Kabel, aber auch das Zubehör kostet schon dreistellige Euro-Summen.

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          Satt fallen die Türen des dunklen Porsche Panamera zu - und man sitzt allein mit Dieter Burmester und 500 Turbo-PS. Kurz zuvor hatte der Mann noch erklärt, wie schick sich mit diesem Sportwagen ein Lastkraftwagen auf der Autobahn überholen lässt. Ausscheren, vorbei, wieder rein - wie auf Schienen. Burmester fährt schon mal schnell, wenn es sein muss. Dieses Auto schafft laut Prospekt Tempo 303. Aber jetzt muss es nicht sein, also keine Bange.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Statt Probefahren ist Probehören angesagt. Und so lässt Dieter Burmester auf dem Fahrersitz den Porsche statt mit dem Achtzylinder mit dem „High-End Surround Sound-System“ erbeben. „Hören Sie die sauberen Bässe“, fragt er, während Deep Purple gegen Dach, Türen und Magenwände wummert. Ja, man hört sie, aus 16 Lautsprechern in einem Auto, mit einer „bislang unerreichten“ Membranfläche von 2400 Quadratzentimetern. Und auf den Blenden dieser Lautsprecher ist in schwungvoller Schreibschrift der Markenname zu lesen. Sein Name: „Burmester“.

          Mitten im Berliner Bezirk Schöneberg führt Dieter Burmester ein Unternehmen, bei dem man sich wundern muss, dass es schon 33 Jahre überlebt hat. Die Firma Burmester Audiosysteme ist ausgerechnet in einem Wirtschaftsbereich aktiv, in dem die Deutschen zwar in den fünfziger und sechziger Jahren den großen Auftritt pflegten, der inzwischen jedoch zu einer Domäne von Chinesen, Taiwanern, Japanern und Koreanern geworden ist: die Unterhaltungselektronik.

          Dieter Burmester bestückt unter anderem das Modell Panamera mit seinen Anlagen
          Dieter Burmester bestückt unter anderem das Modell Panamera mit seinen Anlagen : Bild: Thiemo Heeg

          „Koste es, was es wolle“

          Ein Blick auf Burmesters Preisliste lässt die Verwunderung noch größer werden. Die billigsten Produkte sind Fernbedienungen und Kabel, aber auch dieses Zubehör kostet schon dreistellige Euro-Summen. Normal für Burmester-Verhältnisse sind vier- und fünfstellige Zahlen. Ein billiger CD-Player ist für 3750 Euro zu haben, ein besserer kostet 14.900 Euro. Wer es darauf anlegt, kann aber auch 36.900 Euro ausgeben oder knapp 50.000 Euro für ein Lautsprecherpaar des Typs B100. Auch ja, die Preise. „Auch wir wundern uns manchmal, welcher Preis am Ende rauskommt, den wir nehmen müssen“, meint Burmester. Und man weiß dabei nicht ganz genau, ob er es ernst meint oder ein wenig witzelt. Solche Preise entstehen, wenn man es sich wie Burmester zur Aufgabe macht, Qualität zu liefern - „koste es, was es wolle“. Burmesters Verstärker, Radios und Lautsprecher müssen nach den Vorgaben des gelernten Radio- und Fernsehtechnikers „wesentlich besser sein als alles andere“. In diesem Spruch scheint Marketing zu stecken, aber nur eine kleine Prise. HiFi-Experten und Kunden heben die Produkte aus Berlin auch so schon in den Himmel. „Luxus für die Ohren“, „besser als live“, „akustisch perfekt“ - das ist nur ein kleiner Teil der verbalen Lobeshymnen.

          Burmester lädt zu einem Gang durch die Produktion ein. Schon dieser Begriff führt auf die falsche Spur: Elektrobastelstube wäre die angemessenere Beschreibung. Hier herrschen Arbeitsbedingungen wie aus einer längst vergangenen Epoche, als Massenproduktion noch ein Fremdwort war. Zwei Mitarbeiterinnen sitzen an einem langen Tisch direkt am Fenster und tun etwas, das selbst in China schon Roboter erledigen: Leiterplatten mit einzelnen Widerständen und Kondensatoren bestücken.

          Die fertigen Platten laufen dann durch ein Lötbad. Das ist fast schon das Äußerste an Automatisierung, das sich im Hause Burmester finden lässt. „Handmade in Berlin“ steht auf den CD-Spielern und Verstärkern. Und das ist nicht gelogen: Burmester ist der Inbegriff einer Manufaktur.

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