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Untergang Ölplattform : BP und Transocean können Ölaustritt nicht stoppen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko könnte sich zu einer der größten Umweltkatastrophen in der jüngeren Vergangenheit entwickeln. Wer die finanziellen Folgen tragen muss, ist bislang unklar.

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          Experten versuchen hektisch, den Austritt von Rohöl in ungefähr 1500 Metern Tiefe zu stoppen. Nach Angaben des Fernsehsenders CNN kommt dabei auch ein Unterwasser-Roboter zum Einsatz. Der Erfolg der Aktion ist ungewiss. Schätzungen zufolge fließen an der Unglücksstelle bis zu 140 Tonnen Rohöl am Tag aus. Der vor der amerikanischen Küste lagernde Ölteppich breitet sich inzwischen auf einer Fläche von mehr als 30 Quadratkilometern aus.

          Die Bohrinsel, die der britische Ölkonzern BP von dem Unternehmen Transocean geleast hatte, war am Dienstag vor einer Woche nach einer Explosion in Brand geraten und am Donnerstag gesunken. Elf der mehr als 120 Arbeiter sind vermisst. Nach den bisherigen Erkenntnissen tritt das Öl an zwei Stellen aus: am letzten Bohrloch der versunkenen Plattform und darüber hinaus aus dem Leck einer Rohrverbindung zu dem Bohrloch. Der Tiefsee-Roboter soll versuchen, einen Ventil-Verschluss zu aktivieren, der bisher nicht wie geplant reagiert hatte. Schlägt dieser Versuch fehl, ist nach BP-Angaben die Öffnung eines Nebenzugangs zum Bohrloch geplant. Bis zur endgültigen Versiegelung soll dann das Einpumpen einer schweren Flüssigkeit den Ölaustritt stoppen.

          Rückschlag für Obama

          Schon jetzt entpuppt sich das Unglück als schwerer Rückschlag für die politischen Bemühungen des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die Konzessionen für Tiefseebohrungen vor der amerikanischen Küste auszuweiten. „Deepwater Horizon“ unternahm Probebohrungen, die offiziellen Angaben zufolge einem erfolgreichen Abschluss nahe waren. Jetzt haben Anwälte von Opfern des Unglücks Klagen gegen BP und Transocean angekündigt.

          Wer gegebenenfalls die Verantwortung für die Katastrophe übernehmen und die finanziellen Folgen tragen muss, blieb am Montag unklar. Die „Financial Times“ zitiert den Anwalt Jeffrey Raizner von der auf solche Fälle spezialisierten Anwaltskanzlei Doyle Raizner im texanischen Houston, nach dem die Bohrungen von Transocean vorgenommen wurden, Mitarbeiter von BP aber die Arbeiten überwachten und dafür Sorge trugen, dass Transocean die geltenden Sicherheitsbestimmungen einhielt.

          Größter Spezialist für Ölbohrungen im Meer

          Transocean ist der weitaus größte Spezialist für Ölbohrungen in Tiefsee-Gebieten. Zur Ironie der aktuellen Entwicklung gehört, dass er noch 2009 von der amerikanischen Behörde für „Mineral Management Services“ mit einer Auszeichnung für „überragende Bohrleistungen“ ausgezeichnet worden war. Der verschwiegene Konzern mit gut 19.000 Mitarbeitern in aller Welt und einem Umsatz von zuletzt 11,5 Milliarden Dollar hatte Ende 2008 seinen Sitz von den Cayman Islands nach Zug in der Schweiz verlegt. Er residiert dort in einem unauffälligen Bürogebäude ähnlich wie zahlreiche Ölhandelsfirmen, die dort und in Genf ihre Zentrale angesiedelt haben.

          Allerdings tat Transocean ein Übriges zur Verankerung an seinem neuen Domizil. Seit 20. April wird die Aktie neben New York an der Börse in Zürich notiert. Kurz danach sorgte das Unglück im Golf von Mexiko für einen Kurseinbruch gegenüber der Erstnotiz von gut 98 Franken auf 94,60 Franken. Transocean ist an der Börse umgerechnet rund 22 Milliarden Euro wert, und die Aktie soll wegen dieses Gewichts im Juni außerplanmäßig in den Zürcher Leitindex SMI aufgenommen werden. Gestern zog ungeachtet der Schadensmeldungen der Kurs bis zum Nachmittag wieder um gut 1,5 Prozent auf rund 96 Franken an. Die Aktie von BP zeigte zur selben Zeit in London einen leichten Kursgewinn.

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