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Unter Druck : Die nervöse Deutsche Bank

  • -Aktualisiert am

Muss Anshu Jain bald gehen? Bild: dpa

In Deutschlands einzigem Geldhaus von Weltrang hält ein neues Lebensgefühl Einzug: von allen Seiten verfolgt. Muss Bank-Chef Anshu Jain bald gehen?

          5 Min.

          So viel Demut war nie im Leben des Anshu Jain. Der Mann, der nur die Sterne als Ziel akzeptierte und einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat, mahnt plötzlich intern, den Ehrgeiz zu zügeln, und bittet nach außen um Geduld. Die verzagten Worte passen so gar nicht zu dem Antreiber, der als Investmentbanker seine Truppen einst an die Weltspitze gepeitscht hat. „Das waren andere Zeiten“, sagt Jain heute.

          Der plötzliche Defensivgeist hat seine Gründe: Die Deutsche Bank, dieser auf seiner Tradition ruhende Koloss, ist verunsichert wie lange nicht. Verfolgt von der Justiz, angefeindet in der Öffentlichkeit, vorgeführt von Politikern und Regulierern, welche die Axt an ihr Geschäftsmodell legen - so zumindest empfinden es die Deutsch-Banker, wenn sie in Momenten des Selbstmitleids darüber klagen, dass die Konkurrenz in Übersee nur darauf lauert, wie sie in der Heimat waidwund geschossen werden. Regelten früher die Herren in den Frankfurter Doppeltürmen, was Sache ist im Finanzwesen, haben heute andere sie am Wickel. Das ist neu. Das tut weh.

          So viel Nervosität war nie in einem Haus, das sich an lichteren Tagen als „Europas einzige Bank von Weltrang“ brüstet. Den Konzern an die Spitze zu führen, nicht weniger hat Anshu Jain versprochen, als er vor bald zwei Jahren angetreten ist als Ko-Chef neben Jürgen Fitschen. Der ein oder andere Skandal kam ihm dabei in die Quere.

          Anshu Jain im Kreuzfeuer

          Fast täglich steht die Deutsche Bank in den Schlagzeilen. Dass er im neuem Amt gefordert ist, nicht nur als Stratege, sondern auch als Staatsmann, das ahnte Jain - so ist es nun mal üblich für einen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, der in Deutschland stets mehr ist als ein gewöhnlicher Konzernchef.

          Jain wusste auch um die Vorbehalte, die ihm entgegen schlugen: Ein Investmentbanker, noch dazu ein Inder, übernimmt die Macht, hieß es. Und alle, denen dies von Anfang an nicht behagte, sehen sich in ihrem Urteil bestätigt, nach dem was an Skandalen aufgepoppt ist: Wer hat der Deutschen Bank die Strafen für den Hypotheken-Schrott in Amerika eingebrockt? Die Investmentbanker. Wer hat sich am Libor-Zins vergriffen und wurde mit 80 Millionen Euro belohnt? Investmentbanker. Wer hat an den Devisenkursen gefingert? Investmentbanker. Und wer war all die Jahre deren Anführer? Anshu Jain.

          Gewiss, der oberste Chef zu jener Zeit hieß Josef Ackermann, nur hilft es Jain heute wenig, ständig auf die Altlasten zu verweisen: Ackermann ist zurück in der Schweiz. Der Inder steht im Feuer. Er muss Milliarde um Milliarde rüberschieben für Vergleiche und Strafzahlungen, muss sich rechtfertigen, was es kostet an Geld wie Energie, das Haus von der Vergangenheit zu reinigen.

          Die Händler etwa, die als Libor-Missetäter gefeuert wurden, haben sich vor Gericht gewehrt und recht bekommen. Sie an selber Stelle wieder einzusetzen, mag sich niemand vorstellen, also verhandelt die Bank die Konditionen für einen freiwilligen Abschied - umsonst ist so etwas für den Arbeitgeber nie zu haben.

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