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Unter Druck : Die nervöse Deutsche Bank

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Mit Ideen fürs Geschäft, mit pfiffigen Deals ist die Bank lange nicht mehr aufgefallen. Das muss sich ändern, hat der Vorstand erkannt: Demnächst soll nun eine Offensivstrategie fürs Digitale, übers Online-Banking und simple Digitalapplikationen hinaus, verkündet werden - auch als Signal für den Aufbruch. Denn das Investmentbanking, jahrelang Hauptprofitbringer, schwächelt. Und in den Filialen ist wenig zu reißen, solange die Zinsen so niedrig sind und die Sparer - aus Banksicht - enttäuschend wenig Finanzprodukte kaufen.

Für das vorige Quartal hatte Jain daher einen Milliardenverlust zu berichten. Wer in den Zahlen für 2013 Trost sucht, der wird erst fündig, wenn er tief genug eintaucht, alle Altlasten ausblendet: Mehr als acht Milliarden Euro operativer Gewinn stehen dann zu Buche - auf diese Zahl beruft sich Jain: „Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Bank.“ Sicherer, schlanker, profitabler sei der Konzern geworden: „Wir haben das Kapital hochgefahren, Risiken und Kosten vermindert.“ Endgültig messen lasse sich der Erfolg erst 2015, schließlich heißt die Strategie, mit der die Doppelspitze angetreten ist, „2015plus“.

Die Angelsachsen sind für Jain

Nur, wie stehen die Chancen für Jain, deren Früchte selbst zu ernten? Der Libor-Skandal könne ihm nicht mehr gefährlich werden, heißt es in der Bank. Da nun alle Mails zu diesem Komplex untersucht sind, sei Jains Unschuld bewiesen - wie von Paul Achleitner vorhergesagt.

Um weiteren Schaden abzuwenden, hatte der Aufsichtsratsvorsitzende sein Urteil sofort rausgehauen, nachdem die Sache ruchbar wurde: Es gibt keinerlei Hinweise, lautet die seither ständig benutzte Formel, dass Vorstände (also vor allem Jain) in „unangemessener Weise involviert“ waren in die Machenschaften. Das gelte heute erst recht, betonen sie jetzt in der Bank. Und solange keine neuen bösen Geister auftauchen, wird Achleitner seinen Vorstand stützen, daran lässt er keinen Zweifel.

Einen Aufstand missmutiger Großaktionäre muss er nicht fürchten fürs Erste. Die größten Fans des Anshu Jain finden sich noch immer unter den angelsächsischen Investoren, die als wichtigste Eigentümer der Deutschen Bank den Ton vorgeben und einst geholfen haben, den Inder an die Spitze zu setzen: „Anshu Jain ist brillant, eine große Persönlichkeit im Finanzsektor“, sagt einer dieser Milliardenjonglierer aus Amerika. Gründe, von Jain abzurücken? Nicht die Spur. „Er leistet Großartiges.“

Am Ende entscheide über sein Schicksal aber die deutsche Gesellschaft. „Wollen sie eine globale Bank, die an der Weltspitze mithält, brauchen sie Anshu Jain. Wenn nicht, dann kann den Job auch ein anderer machen.“

Nur ein Versäumnis, das kreidet der Großaktionär dem von ihm bewunderten Banker an: „Um die Deutschen zu überzeugen, muss er deren Sprache lernen.“

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