https://www.faz.net/-gqe-a1xz4

Vor wichtiger Sitzung : Unruhe im Aufsichtsrat der Commerzbank

  • -Aktualisiert am

Unruhe im Aufsichtsrat: Es kursieren Gerüchte, dass Arbeitnehmervertreter Hans-Jörg Vetter als neuen Vorsitzenden ablehnen. Bild: Aders, Hannah

Am wahrscheinlich neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank Hans-Jörg Vetter entzündet sich Kritik. In einem Brief an den Aufsichtsrat bietet Cerberus an, zwei angeblich geeignetere Kandidaten vorzuschlagen. Aber die Arbeitnehmervertreter bleiben gelassen.

          2 Min.

          Vor der Aufsichtsratssitzung der Commerzbank an diesem Montag schießen wilde Spekulationen ins Kraut. Einige Medien berichten, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat lehnten Hans-Jörg Vetter ab, den der Bund als größter Aktionär dem Vernehmen nach als neuen Aufsichtsratsvorsitzenden vorschlagen will. Zwei Aufsichtsräte des Arbeitnehmerflügels sagten indes am Wochenende unabhängig voneinander in vertraulichen Gesprächen der F.A.Z., sie hätten sich noch keine abschließende Meinung zu Vetter gebildet. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Landesbank Berlin und der Landesbank Baden-Württemberg werde sich am Montagmorgen den Arbeitnehmervertretern im Commerzbank-Aufsichtsrat erst einmal vorstellen. Anschießend werde man eine gemeinsame Arbeitnehmer-Linie für die entscheidenden Sitzungen am Nachmittag festlegen. Beide Aufsichtsräte wirken keineswegs auf Krawall gebürstet, sondern offen-konstruktiv.

          Kritik an Vetter wird daher womöglich hinter den Kulissen gestreut von enttäuschten Kandidaten, die nicht zum Zuge gekommen sind; und vom zweitgrößten Commerzbank-Anteilseigner Cerberus, der für sich zwei Vertreter im Aufsichtsrat fordert. Der Finanzinvestor hatte durch zwei öffentliche Briefe mit harscher Kritik am Vorstand die Führungskrise der Commerzbank mit ausgelöst. Nun macht Aktionär Cerberus, dem seit Juli 2017 rund 5 Prozent der Commerzbank-Aktien gehören und der damit seither rund 450 Millionen Euro verloren hat, Stimmung gegen Vetter.

          Nach Ansicht von Cerberus hat Vetter, als er in den 2000er Jahren die frühere Bankgesellschaft Berlin von fehlgeschlagenen Immobilienengagements und von 2009 bis 2016 die LBBW von ihrer Schieflage in der Finanzkrise befreite, die Kosten nicht radikal genug gedrückt. Tatsächlich baute Vetter in der LBBW 2500 Stellen und damit fast ein Viertel der Belegschaft ab. Cerberus moniert an Vetter auch, dass er als Vorstandschef öffentlich-rechtlicher Landesbanken keine Erfahrung mit Aktionären am Kapitalmarkt gesammelt habe, die wie Cerberus allein auf Rendite setzen. Außerdem müsse, sagt Cerberus, die Commerzbank ihr Geschäftsmodell so anpassen, dass sie in der digitalen Welt überlebe. Hier klingen Zweifel an, dass Vetter, der in wenigen Wochen 68 Jahre alt wird und seit vier Jahren aus dem operativen Bankgeschäft draußen ist, dafür der Richtige ist.

          Cerberus hat nach eigener Aussage mindestens zwei Kandidaten identifiziert, die „die notwendigen Qualifikationen haben, um die Rolle des Vorsitzenden zu besetzen und die aller Vermutung nach auch das Vertrauen aller wichtigen Interessengruppen genießen würden.“

          Während aber Cerberus keine Stimme im Aufsichtsrat hat, wirken die Arbeitnehmervertreter so, als wären sie sich den Möglichkeiten, aber vor allem auch den Grenzen der Mitbestimmung dort sehr bewusst. Falls die Vertreter der Kapitalseite Vetter als neues Aufsichtsratsmitglied vorschlügen, könnten das die Arbeitnehmer gar nicht verhindern. Für seine Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden benötigte er dann im Kontrollgremium eine Zwei-Drittel-Mehrheit – allerdings nur im ersten Wahlgang. Klar ist damit: Von den zehn Vertretern der Aktionäre wird einer neuer Aufsichtsratschef.

          Die Arbeitnehmervertreter werden sich demnach gut überlegen, ob und wem sie den Fehdehandschuh hinwerfen. Zumal das, was der noch amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann vor einem Monat einen „geordneten Prozess“ genannt hat, selbst dann nicht als solcher wirkt, falls Vetter am Montag schließlich gewählt würde. Denn dieser müsste als neues Aufsichtsratsmitglied zunächst gerichtlich bestellt werden. Dies dauert in der Regel ein paar Stunden, höchstens 14 Tage. Da aber Schmittmann sein Mandat partout am Montag niederlegen will, wird wahrscheinlich sein Stellvertreter, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Tschäge, für eine kurze Phase den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Der 53 Jahre alte Rheinländer Tschäge ist seit 1991 freigestellter Betriebsrat und seit 2003 im Commerzbank-Aufsichtsrat. Er gilt als besonnen und souverän. Gleichwohl wäre es ein Prestigeerfolg für die Arbeitnehmer und ein Zeichen für das Führungschaos der Commerzbank, wenn Tschäge länger Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank bliebe.

          Weitere Themen

          Neuer Deal soll Tiktok in Amerika retten

          Trump ist einverstanden : Neuer Deal soll Tiktok in Amerika retten

          Eigentlich sollte heute das Ende der chinesischen Video-App auf dem amerikanischen Markt eingeläutet werden. Nun haben sich gleich zwei Unternehmen gefunden, die gemeinsam eine Lösung bieten wollen. Washington reagiert positiv.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.