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Chef von Universal Music : Von Londons Punkszene an die Spitze der Musikwelt

Lucian Grainge mit Billie Eilish im Januar 2020 Bild: Getty

Seit rund 10 Jahren führt Lucian Grainge den größten Musikkonzern der Welt. Die Übernahme der EMI-Labelsparte war sein erster großer Coup – ist aber nur ein Grund, warum Universal Music heute mit 35 Milliarden Euro bewertet wird.

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          Die Worte von Doug Morris haben Gewicht in der Musikwelt. Im Laufe seiner Karriere stand der mittlerweile 82 Jahre alte Amerikaner immerhin auch an der Spitze von allen drei heutigen Branchenriesen Warner, Sony und Universal Music. Entsprechend beständig hält sich eine Bemerkung über seinen Nachfolger an der Universal-Spitze, Lucian Grainge. Trügerisch harmlos wirke dieser mit seinem kleinen netten Gesicht und der schmalen Brille, „doch dahinter verbirgt sich in Wirklichkeit ein Killerhai“.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ebendieser Grainge übernahm im Januar 2011 das Zepter, während Morris einige Monate später als Sony-Music-Chef anheuerte. Damals schienen die rosigen Aussichten von heute und der Investoren-Run auf Musikrechte sehr weit weg. Doch wie gut der „Killerhai“ aus London Universal aus der Krise geführt und auf die neue, primär digitale Musikwelt eingestellt hat, zeigt schon ein nüchterner Zahlenvergleich: Mitte 2013 soll die Muttergesellschaft Vivendi ein Übernahmeangebot von Softbank in Höhe von 6,5 Milliarden Euro abgelehnt haben. Im Zuge des jüngsten Anteilsverkaufs im Vorfeld des für September geplanten Börsengangs wurde Universal nun mit 35 Milliarden Euro bewertet – und manche Analysten sehen noch erheblich Luft nach oben. Der heute 61 Jahre alte Manager kann dies auch als Bewertung seiner eigenen Arbeit verstehen.

          Wette mit EMI ging bestens auf

          Ende der 1970er-Jahre, in denen sich der junge Grainge in der legendären Londoner Punk-Szene tummelte, wo The Clash oder die Sex Pistols groß wurden, lief das Geschäft noch anders. Durch seinen Vater, der mehrere Plattenläden besaß, und seinen Bruder, einen Label-Manager, bekam er aber schon früh einen Einblick. All dies hinterließ offensichtlich nachhaltig Eindruck: Direkt nach der Schule heuerte er 1979 bei einem Musikverlag im Bereich „Artist & Repertoire“ (A&R) an – zuständig für die Suche nach neuen Trends, Talenten und deren Betreuung. Die Rock-Band Psychedelic Furs war sein erster Fang. Nachdem er von 1986 an die britische Verlagssparte des Musikunternehmens Polygram, das 1999 in der heutigen Universal Music Group aufging, aufgebaut hatte, wechselte er 1993 auf die Label-Seite. Über die Leitung der britischen Universal-Dependance und ab 2005 des gesamten Geschäfts außerhalb der USA rückte er letztlich an die Spitze des weltgrößten Musikkonzerns.

          Wissen war nie wertvoller

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          Als Morris’ Nachfolger soll er damals schon länger festgestanden haben. Auf seiner Visitenkarte standen freilich auch diverse Erfolgsgeschichten: der Aufstieg von Amy Winehouse, das Take That-Comeback oder das Weglocken der Rolling Stones von EMI. Für den großen Arsenal-London-Fan und seine Familie ging damit der Umzug nach Amerika einher. Anstatt Universal wie Morris von New York zu führen, entschied sich Grainge allerdings kurzfristig für Los Angeles, Hauptsitz vieler wichtiger Universal-Gruppen, aber vor allem eben auch näher an den Tech-Riesen. Der passende Ort, um das Musik-Geschäft auf digital zu trimmen. Grainge gehörte auch zu jenen, die früh von Spotify und dem Modell Streaming überzeugt waren, das dem Markt für Musikaufnahmen jüngst das sechste Wachstumsjahr in Folge beschert hat.

          Vivendi ließ ihm stets relativ freie Hand

          Der Streaming-Boom ist nicht zuletzt ein Katalog-Boom. In einer Welt, wo fast alle Musik permanent streambar ist, bringen Jahre bis Jahrzehnte alte Werke ohne nennenswerte neue Investitionen weiterhin beständig Geld ein. Auch vor diesem Hintergrund war die Übernahme der Labelsparte von EMI vielleicht Grainges Meisterstück. Für 1,9 Milliarden Dollar sicherte Universal sich 2012 unter anderem die Rechte an den Aufnahmen der Beatles. Viel Geld in einer Zeit, als die Branche durch die Piraterie tief in der Krise steckte. Zumal Wettbewerbshüter auch noch den Verkauf des Coldplay-Labels Parlophone verfügten.

          Doch Grainge wollte die Chance auf den Griff nach der britischen Musik-Ikone keinesfalls verstreichen lassen. „Das war Lucians erster genialer Coup als Universal-Chef“, blickt Thomas Hesse, damals Sony-Music-Manager, im Gespräch mit der F.A.Z. zurück. Sony sei zu dieser Zeit im Begriff gewesen, Boden gutzumachen. Doch mit der „Essenz des EMI-Geschäfts wurde die Marktführerschaft von Universal auf dem Recorded-Markt zementiert“. Gerne lässt Grainge bis heute fallen, wie viele den Kauf damals für eine schlechte Idee hielten – und wie er einmal mehr den richtigen Riecher hatte.

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