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United und Continental : Fusion zur größten Fluggesellschaft der Welt

Die Bemalung der einen, den Namen der anderen: Die Fluggesellschaften United und Continental fusionieren Bild: dpa

In Amerika entsteht die weltgrößte Fluglinie: United Airlines und Continental Airlines haben ihre Fusion bestätigt. Das kombinierte Unternehmen wird auch zu einem Schwergewicht im Flugverbund Star Alliance um die Deutsche Lufthansa, zu dem sowohl United als auch Continental gehören.

          Die Konsolidierung in der amerikanischen Flugindustrie geht weiter: United Airlines und Continental Airlines haben am Montag ihren Zusammenschluss angekündigt. Dieser Schritt kommt, fast genau zwei Jahre nachdem Delta Air Lines die Übernahme des Wettbewerbers Northwest Airlines vereinbart hat. Delta wurde damit, gemessen am Passagieraufkommen, zur größten Fluggesellschaft in der Welt. Der Verbund aus United und Continental würde nun neuer Marktführer. American Airlines, die langjährige größte Fluglinie in den Vereinigten Staaten, wird auf den dritten Rang durchgereicht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die United-Muttergesellschaft UAL und Continental haben sich auf einen Zusammenschluss über einen Aktientausch geeinigt. UAL wird für jede Aktie von Continental mit 1,05 eigenen Aktien bezahlen. Der Kaufpreis liegt damit bei knapp 3,2 Milliarden Dollar. Die Aktionäre von UAL werden nach dem Vollzug der Transaktion 55 Prozent am kombinierten Unternehmen halten und die Anteilseigner von Continental den Rest. Die Fluggesellschaft soll künftig als „United Airlines“ auftreten, der Name „Continental“ wird somit verschwinden.

          Name von United, Logo von Continental

          Dafür wird die Fluglinie das bisherige Continental-Logo mit dem Globus nutzen, auch die Mitarbeiteruniformen von Continental bleiben erhalten. Vorstandsvorsitzender des kombinierten Unternehmens soll der bisherige Continental-Chef Jeff Smisek werden. Glenn Tilton, der Vorstandsvorsitzende von UAL, soll für eine Übergangszeit bis Ende 2012 den Verwaltungsrat als Chairman führen, danach soll auch dieser Posten an Smisek gehen. Die kombinierte Fluggesellschaft soll ihre Zentrale am bisherigen UAL-Stammsitz in Chicago haben.

          United und Continental standen vor zwei Jahren schon einmal kurz vor einer Fusion. Continental machte damals aber in letzter Minute einen Rückzieher, unter anderem aus Sorge um die finanzielle Verfassung von United. Stattdessen vereinbarten die beiden Unternehmen eine losere Marketingallianz, in deren Rahmen sie ihre Flugnetze verbunden haben und gemeinsam vermarkten. Continental trat im Zuge dessen auch dem Flugverbund Star Alliance bei, zu dem United, ebenso wie die Deutsche Lufthansa, schon seit der Gründung im Jahr 1997 gehört.

          Flugnetze ergänzen sich gut

          Die noch engere Verbindung über eine Fusion soll nun nach den Vorstellungen von United und Continental weitere Synergieeffekte im Volumen von 1,0 bis 1,2 Milliarden Dollar im Jahr bringen. Der größte Teil davon, 800 Millionen bis 900 Millionen Dollar, soll von zusätzlichen Umsätzen kommen, die sich die beiden Unternehmen davon erhoffen, dass sie Kunden mit dem vergrößerten Flugnetz mehr Optionen anbieten können. Auf der Kostenseite sollen 200 Millionen bis 300 Millionen Dollar an Synergien über Einsparungen erzielt werden. Allerdings sind nach Angaben der beiden Unternehmen keine größeren Entlassungswellen geplant, auch sollen alle bisherigen Flughäfen in den Netzen der zwei Gesellschaften weiter bedient werden.

          United und Continental gelten als ideale Fusionspartner, weil sich ihre Flugnetze sowohl national als auch international gut ergänzen. Im Auslandsgeschäft hat United eine starke Präsenz auf asiatischen Märkten, Continental in Lateinamerika und Europa. Aufgrund der vergleichsweise geringen Überschneidungen wird in der Branche erwartet, dass es bei der kartellrechtlichen Genehmigung keine allzu großen Hürden gibt, auch wenn die derzeitige Regierung unter dem Präsidenten Barack Obama strengere Prüfungen bei Fusionsvorhaben angekündigt hat.

          Branche erholt sich

          Der Zusammenschluss von Delta und Northwest wird in der Branche, anders als viele Fusionen zuvor, als Erfolg gewertet. Die Integration der gewerkschaftlich organisierten Belegschaften und der technischen Systeme etwa für die Flugbuchung gilt in der Luftfahrtindustrie als schwierig. Freilich kämpfen alle Fluglinien seit Jahren immer wieder mit einem widrigen Umfeld: Zuletzt hat die Wirtschaftskrise für hohe Verluste gesorgt, davor belasteten hohe Preise für Flugbenzin das Geschäft. Im vergangenen Jahrzehnt gab es eine ganze Serie von Insolvenzen in der Branche: Unter anderen waren UAL, Delta und Northwest insolvent.

          Das finanzielle Bild der Branche hat sich zuletzt wieder etwas aufgehellt, so meldete UAL gerade für das erste Quartal einen deutlich niedrigeren Verlust als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2009 wies UAL einen Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar und einen Verlust von 651 Millionen Dollar aus, Continental kam auf einen Umsatz von 12,6 Milliarden Dollar und einen Verlust von 282 Millionen Dollar. Beim bisherigen Marktführer Delta gab es einen Umsatz von 28,1 Milliarden Dollar und einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar. United und Continental kamen zusammen im vergangenen Jahr auf 203 Milliarden geflogene Meilen, das ist die in der Branche maßgebliche Kennzahl für das Passagieraufkommen. Delta hatte 189 Milliarden Meilen.

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