https://www.faz.net/-gqe-9eejh

F.A.Z. exklusiv : Uniper lotet Verkauf des Frankreich-Geschäfts aus

In Datteln baut Uniper ein neues Kohlekraftwerk, in Frankreich könnte der Konzern sein Geschäft verkaufen. Bild: dpa

Uniper ist in Frankreich das einzige Unternehmen neben EdF, das Kohlekraftwerke betreibt. Doch Emmanuel Macron will raus aus der Kohle. Jetzt könnten die Deutschen aussteigen – eine Investmentbank hat der Konzern auch schon mandatiert.

          Der Energiekonzern Uniper hat nach Informationen der F.A.Z. eine Investmentbank bestellt, um vorsorglich einen Verkauf des Geschäfts in Frankreich vorzubereiten – wegen der dortigen Kohlepolitik. Berater der Investmentbank Rothschild seien zu einer strategischen Überprüfung beauftragt, ist aus Finanzkreisen und dem Umfeld des Managements zu hören. Das Verfahren ist zwar formell ergebnisoffen, muss also nicht in einer Transaktion enden. Wird aber eine Investmentbank bestellt, ist üblicherweise angestrebt, die fragliche Einheit komplett zu verkaufen oder mit einem Partner in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Uniper äußerte sich zu den Details nicht, bestätigte aber die strategische Überprüfung und dass diese alle Optionen umfasse. Hintergrund sind Bestrebungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die Kohleverstromung bis Ende des Jahres 2021 einzustellen. Die Schließung der Kohlekraftwerke lange vor dem Ende ihrer technischen Laufzeit würde rund die Hälfte des Uniper-Geschäfts in Frankreich auf einen Schlag beenden, und das könnten die anderen Aktivitäten wirtschaftlich nicht auffangen, teilte das Unternehmen am Freitag auf Anfrage mit. „Wir versuchen seit Monaten, mit der Regierung in Verhandlungen über eine Perspektive für die Zukunft unseres Geschäfts in Frankreich einzutreten. Bisher ohne Erfolg. Vor diesem Hintergrund muss Uniper seine Aktivitäten in Frankreich nun strategisch überprüfen und dabei alle Optionen in Betracht ziehen.“ Rothschild lehnte einen Kommentar ab.

          Macron will bis zum Ende der Amtszeit alle Kohlekraftwerke stilllegen

          Uniper betreibt in Frankreich zwei Kohlekraftwerke mit je 600 Megawatt Kapazität: eines im lothringischen Saint-Avold, das andere in Gardanne bei Marseille. Das Unternehmen ist im Land einziger Kohleverstromer neben EdF. Daneben betreibt es Gasturbinen, Biomasse-, Solar- und Windanlagen; addiert steht Unipers Frankreich-Geschäft für knapp 2300 Megawatt Kapazität und damit gut 6 Prozent der konzernweiten Kapazität. Während der Halbjahreskonferenz im August hatte das Management Andeutungen gemacht, dass man sich wegen der französischen Kohlepolitik eventuell Gedanken machen müsse.

          Macron hat mehrmals angekündigt, alle Kohlekraftwerke bis Ende seiner Amtszeit stillzulegen. Im von der Kernenergie dominierten Frankreich gibt es nur noch vier Kohlekraftwerke. Sie stellten voriges Jahr mit 3 Gigawatt 2,3 Prozent der französischen Energieerzeugungs-Kapazität und 1,8 Prozent der tatsächlichen Produktion dar. EdF plädiert für die Fortführung der Kraftwerke, weil sie in Stoßzeiten gebraucht würden, wenn die unflexible Kernenergie nicht hochgefahren werden kann. Doch die Regierung weicht bisher nicht von ihren Schließungsplänen ab. Allerdings haben sich zuletzt auch arbeitsmarktpolitisch motivierte Proteste verstärkt. Die Gewerkschaft CGT meint, durch die Schließungen gingen 5000 Arbeitsplätze verloren, sie fordert längere Übergangsfristen. EdF prüft eine Umstellung der betroffenen Kraftwerke auf Biomasse.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warb auf Französisch, auf Deutsch und auf Englisch vor dem Europaparlament für sich: Ursula von der Leyen

          Von der Leyen in Straßburg : Ein Klimagesetz binnen 100 Tagen

          Mit Verve und in drei Sprachen wirbt Ursula von der Leyen vor dem EU-Parlament für sich. Nun beraten die Abgeordneten darüber, ob sie die CDU-Politikerin zur Kommissionspräsidentin machen wollen. Alle Blicke richten sich auf eine Fraktion.
          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.