https://www.faz.net/-gqe-9p5eh

F.A.Z. exklusiv : Uniper lockt ungeliebten Großaktionär aus der Reserve

Die Wolken lichten sich: Fortum will wohl doch eine Mehrheit an Uniper übernehmen – und damit auch dessen Kraftwerk Staudinger bei Frankfurt. Bild: EPA

Der Chef des Anteilseigners Fortum präsentiert vor Aufsichtsräten. Der Dialog mit dem Vorstand wird vertieft. Die Finnen begehren wohl doch eine Mehrheit.

          Im Dauerstreit um den Energieerzeuger Uniper ist der Chef des ungeliebten Großaktionärs Fortum jetzt vor den Aufsichtsrat getreten. Wie die F.A.Z. erfuhr, hielt Fortums Vorstandsvorsitzender Pekka Lundmark auf Einladung des Kontrollgremiums am Dienstag voriger Woche eine Präsentation im Anschluss an eine Uniper-Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf. Dabei habe er weitere Gespräche mit dem neuen Vorstandschef vereinbart. Fortum will neuesten Andeutungen zufolge eine Mehrheit übernehmen – entgegen früheren Aussagen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als ein Jahr nach dem Einstieg der Finnen ist das noch immer nicht explizit geklärt. Der Unmut über den 49,99-Prozent-Aktionär wächst daher – im Management ebenso wie im Kontrollgremium, und dort auf beiden Bänken, jener der Arbeitnehmer- und der Kapitalvertreter. Klarheit schuf Lundmark offenbar auch in seinem Vortrag in Düsseldorf nicht. Am morgigen Freitag hat er wieder Gelegenheit dazu und dann öffentlich: In Espoo informiert der mehrheitlich staatliche, aber börsennotierte finnische Versorger auf einer Medien- und Analystenkonferenz über das Geschäft im ersten Halbjahr.

          Fortum bestätigt Zusammenkunft

          An dem Auftritt Lundmarks in Düsseldorf nahmen dem Vernehmen nach außer Aufsichtsräten auch operative Manager von Uniper teil. Fortum äußerte sich auf Anfrage nicht zum Inhalt, bestätigte aber die Zusammenkunft mit den Uniper-Aufsichtsräten. „Ich kann bestätigen, dass wir an dem Treffen teilgenommen haben und dass wir erfreut sind, das getan zu haben“, teilte eine Sprecherin mit. Uniper ließ wissen: „Selbstverständlich sind Uniper-Vorstand und Aufsichtsrat regelmäßig im Austausch mit den wichtigsten Aktionären – auch persönlich.“ Über einzelne Treffen oder gar deren Inhalte oder Gäste wolle man sich nicht äußern.

          Formal soll Lundmark nicht während der Aufsichtsratssitzung selbst vorgetragen haben. Er habe „in der vergangenen Woche weder in einer Uniper-Aufsichtsratssitzung präsentiert beziehungsweise einen Vortrag gehalten, noch war er in einer Uniper-Aufsichtsratssitzung zu Gast“, so das Unternehmen. Das dürfte juristisch motiviert sein, um den Eindruck zu verhindern, ein Einzelaktionär werde bevorzugt. Indes ist Fortum in Person seines Finanzvorstands Markus Rauramo im Kontrollgremium des deutschen Kraftwerkbetreibers vertreten. Das gilt aber formell als persönliches Mandat, mit „Chinese Wall“, also einer Informationsbarriere.

          Eons fossile Auslagerung

          Uniper ist das Unternehmen, in welches der Energiekonzern Eon seine Energieerzeugung auf fossiler Basis auslagerte. Fortum kündigte im Herbst des Jahres 2017 an, den Eon-Anteil an Uniper zu übernehmen; Mitte 2018 wurde der Einstieg vollzogen, später der Anteil noch leicht aufgestockt. Eine Mehrheitsübernahme ist bisher unmöglich wegen eines Uniper-Projekts in Russland: einer Anlage zur Trinkwasseraufbereitung, die von den dortigen Behörden als „strategisch“ eingestuft wird und deswegen bislang nicht in die Hand eines staatlich kontrollierten Konzerns wie Fortum geraten soll.

          Fortum hatte anfangs versichert, man wolle gar keine Mehrheit. „Wir wollen Uniper nicht übernehmen, sondern Eons Anteil erwerben“, sagte Lundmark in einem Zeitungsgespräch. Das hat sich offenkundig geändert: Befragt nach einer mehrheitlichen Übernahme, reagierte er im Mai ausweichend. Und zuletzt deutete er klar Richtung Mehrheitsübernahme: Anfang Juli sagte Lundmark laut Nachrichtenagentur Bloomberg, er sei optimistisch, dass Uniper die Frage der russischen Wasseranlage klären könne. Das sei ein formales Detail. „Deshalb bleiben wir hoffnungsvoll, dass eine Lösung gefunden werden kann.“

          Verschleierte Strategie?

          Arbeitnehmervertreter protestieren und versuchen, den Fall in die finnische Politik und die deutsche Bundespolitik zu tragen. Der gesamte alte Uniper-Vorstand ist bald Geschichte: Der frühere Chef und der Finanzvorstand sind schon im Streit ausgeschieden, die beiden verbliebenen Vorstände haben ihren Abgang angekündigt. Seit Juni sind Andreas Schierenbeck als neuer Vorstandschef und Sascha Bibert als neuer Finanzvorstand im Amt.

          Schierenbeck – zuvor bei Thyssen-Krupp Leiter der Aufzugssparte – muss sich nun um Ausgleich bemühen; der Dialog zwischen beiden Seiten ist fragil. Uniper ging im Februar Kooperationsgespräche auf Arbeitsebene mit Fortum ein, in denen Felder für eine mögliche Zusammenarbeit eruiert wurden. Die wurden einige Monate später aber im Zwist ausgesetzt – und das sind sie noch immer. Lundmark habe bei seinem Auftritt vor dem Aufsichtsrat vergangene Woche mit Uniper vereinbart, den Dialog auf Managementebene fortzuführen. „Man hat sich auf weitere Gespräche geeinigt, nämlich im Vorstand“, sagt ein Kenner der Materie. Schierenbeck ist dem Vernehmen nach schon im Dialog mit Lundmark gewesen, der aber offenbar wenig fruchtete. Das Vertrauen sei gestört.

          Arbeitnehmervertreter werfen Lundmark „Verschleiern der Strategie“ vor und fordern eine Investorenvereinbarung, welche die Gewerkschaften mitverhandeln sollen. Sie stemmen sich gegen eine Mehrheitsübernahme und wollen Zusagen, dass Fortum keine Zerschlagung Unipers betreibt und keinen Beherrschungsvertrag abschließt. Das geht aus Briefen an Lundmark hervor, welche der F.A.Z. vorliegen. (F.A.Z. vom 2. und 10. Juli). Eines der Schreiben ging in Kopie auch an die deutsche und finnische Regierung.

          Weitere Themen

          Das Netflix des Gamings? Video-Seite öffnen

          Gamescom 2019 : Das Netflix des Gamings?

          Google bringt mit Stadia seinen eigenen, cloud-basierten Gamingservice heraus. F.A.Z.-Digitalredakteur Bastian Benrath hatte auf der Gamescom in Köln die Chance, die Nicht-Konsole des Tech-Giganten zu testen.

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.