https://www.faz.net/-gqe-940vc

Energiekonzern : Uniper baut 2000 Stellen ab

  • Aktualisiert am

Braunkohlekraftwerk von Uniper in Schkopau (Sachsen-Anhalt) Bild: dpa

Energiekonzern Uniper fürchtet eine Übernahme durch den finnischen Versorger Fortum – auch, weil dann Stellen gestrichen werden könnten. Doch schon jetzt fallen tausende Jobs bei Uniper weg.

          4 Min.

          Der Energiekonzern Uniper baut tausende Arbeitsplätze ab. „Insgesamt werden bei Uniper bis Ende 2018 rund 2000 der ursprünglichen 14.700 Stellen wegfallen“, sagte Finanzvorstand Christopher Delbrück der „Rheinischen Post“. Mehr als ein Drittel davon seien Stellen von Mitarbeitern, die etwa beim einstigen Mutterkonzern Eon verblieben sind, die bei der Schließung von Kraftwerks-Blöcken wie im Rotterdamer Hafen abgebaut wurden oder die aus Desinvestitionen resultieren. „Die weiteren 1250 Stellen entfallen auf das Effizienzprogramm Voyager“, betonte Delbrück. „Der weit größte Teil dieser Stellen ist bereits abgebaut, die verbleibenden werden bis Ende 2018 folgen.“

          Delbrück betonte, den Stellenabbau sozialverträglich gestaltet zu haben. Dabei habe Uniper natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen genutzt. „In konstruktiven Verhandlungen haben wir uns mit der Mitbestimmung darauf verständigt.“

          Fortum bietet 22 Euro pro Aktie

          Uniper wehrt sich derzeit gegen eine Übernahme durch Fortum. Der finnische Versorger will Anfang 2018 das Uniper-Paket von 47 Prozent von Eon übernehmen und damit neuer Großaktionär werden. Zudem hat Fortum den übrigen Uniper-Aktionären ein Angebot von 22 Euro je Aktie unterbreitet. Der zuletzt erbitterte Widerstand der Düsseldorfer schmilzt jedoch. Uniper-Chef Klaus Schäfer erklärte auf einer Pressekonferenz am Dienstag seine Gesprächsbereitschaft. Dabei kündigte er an, die Unabhängigkeit Unipers "soweit wie möglich" sichern zu wollen.

          Nach einem ersten "konstruktiven" Treffen mit Fortum-Chef Pekka Lundmark vergangene Woche sollen weitere Gespräche "zeitnah" folgen, sagte Schäfer. Dabei forderte er Fortum abermals auf, verbindliche Zusagen im Falle einer Übernahme zu machen. Schäfer hofft, die Gespräche in "einigen Wochen" zum Abschluss bringen zu können. Uniper fürchtet als Folge einer Übernahme um tausende Arbeitsplätze bis hin zur Zerschlagung. Den Aktionären empfahlen dabei Vorstand und Aufsichtsrat, das Angebot nicht anzunehmen. Die Entscheidung fiel dabei den Angaben zufolge "einstimmig, bzw. ohne Gegenstimmen".

          Fortum hatte Anfang November ein öffentliches Übernahmeangebot von insgesamt 22 Euro je Aktie inklusive Dividende vorgelegt. Eine Erhöhung des Angebots hatten die Finnen ausgeschlossen. Eine Mindestannahmeschwelle gibt es nicht. Die Annahmefrist läuft noch bis zum 16. Januar 2018. Bislang sind nach Aussagen von Uniper-Finanzvorstand Christopher Delbrück lediglich etwa 11.000 Aktien angedient worden.

          Finnen konzentrieren sich auf Wasser- und Kernkraft

          "Wir sind davon überzeugt, dass wir ein attraktives Angebot für die Aktionäre von Uniper vorgelegt haben", ließ Fortum-Chef Pekka Lundmark auf der Homepage des Unternehmens veröffentlichen. Des Weiteren freue er sich auf konstruktive Gespräche.

          Fortum will sich jedoch vor allem auf die Eon-Anteile konzentrieren. Sollte es dazu kommen, würde Eon ein Gesamterlös von 3,8 Milliarden Euro zufließen. Insgesamt ist das Angebot rund 8 Milliarden Euro schwer. Aus Sicht von Eon sei die Fortum-Offerte für Uniper sehr attraktiv, hieß es am Dienstag. Eine finale Entscheidung will Eon jedoch erst Anfang nächsten Jahres treffen. Eine Annahme gilt jedoch als so gut wie sicher, hat sich Eon doch zu einer hohen Strafzahlung verpflichtet, sollte der Konzern einen Rückzieher machen. Diese könnte unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 1,5 Milliarden Euro betragen, mindestens aber 750 Millionen Euro.

          Der Vorstandsvorsitzende von Uniper, Klaus Schäfer, am Dienstag in Düsseldorf
          Der Vorstandsvorsitzende von Uniper, Klaus Schäfer, am Dienstag in Düsseldorf : Bild: dpa

          Uniper seinerseits hat dabei für die Ablehnung des Angebots mehrere Gründe: Der Angebotspreis entspräche nicht dem Wert des Unternehmens. Fortum zahle dabei keine angemessene Kontrollprämie, erklärte Schäfer. Dabei werde das Unternehmen aller Voraussicht nach zumindest die Eon-Anteile übernehmen und so faktisch eine Mehrheit der Stimmrechte in der Hauptversammlung erhalten. Zudem könne Fortum auch später weitere Aktien zukaufen, um sich die Mehrheit zu sichern.

          Als weiteren Kritikpunkt nannte der Vorstandschef, dass für den Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber kein nennenswerter Beitrag für eine bessere Entwicklungsperspektive zu erkennen sei. Fortum konzentriere sich auf Wasser- und Kernkraft sowie thermische Kraftwerke in Russland und setze auf CO2-freie Erzeugung. Uniper dagegen sei stark in der konventionellen Energie aus Kohle und Gas engagiert, sowie im Stromhandel tätig. Auch geografisch ergebe sich kein Vorteil. Für Uniper gebe es keinen attraktiven Markt, "in dem wir von dem Know-how von Fortum profitieren oder dieses durch unsere Geschäfte ausbauen könnten", erklärte Schäfer. Für Uniper gebe es daher keinen Mehrwert.

          Schon seit einiger Zeit wird spekuliert, dass Fortum zum Beispiel die konventionellen Kraftwerke in Deutschland weiterverkaufen könnte, etwa an den Versorger RWE. Fortum-Chef Pekka Lundmark hatte dagegen wiederholt erklärt, "ein langfristiger strategischer und konstruktiver Partner" sein zu wollen. Bei der Vorlage des Angebots hatte Lundmark zudem betont, keine Anteile von Uniper verkaufen zu wollen.

          Allerdings kommen die Befürchtungen einer Zerschlagung nicht von ungefähr. Fortum war schon im Sommer schon einmal auf Uniper zwecks einer Übernahme zugekommen. Damals sahen die Fortum-Pläne vor, die Uniper-Aktivitäten in Schweden und Russland in die finnische Gesellschaft zu integrieren und das restliche Geschäft Unipers in eine eigene Division zu überführen, wie Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Reutersberg bestätigte. Uniper lehnte damals ab.

          Die entscheidende Frage für Schäfer ist nun, was Fortum im zweiten Anlauf wirklich im Sinn hat. Es sprächen einige Anzeichen dafür, "dass Fortum tatsächlich nur als Investor handeln möchte und die Komplettübernahme auch endgültig vom Tisch sein könnte - Betonung auf könnte", sagte der Uniper-Chef. Träfe diese Absicht zu, "dann bin ich selbstverständlich an einer guten Form des Miteinanders interessiert".

          Schäfer vermisst jedoch weiterhin verbindliche Zusagen seitens Fortum hinsichtlich der Weiterentwicklung von Uniper sowie deren Mitarbeiter. Die von Fortum dargelegten Absichten würden nur in dem Falle gelten, sollten die Finnen keine 75 Prozent der Stimmrechte erreichen. Als reiner Großinvestor könne Fortum solche Entscheidungen jedoch ohnehin nicht treffen.

          Weitere Themen

          Wie die Lufthansa sich befreien will

          Scherbaums Börse : Wie die Lufthansa sich befreien will

          Der Nachholbedarf der reisefreudigen Europäer stimmt die Fluggesellschaft optimistisch. Die Kranich-Airline wird daher wieder selbstbewusster und sieht sogar die Gelegenheit, einen unliebsamen Aktionär früher als gedacht loszuwerden.

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
          Die 28 Jahre alte Annalena Baerbock 2009 auf dem Landesparteitag von Bündnis90/Die Grünen in Angermünde (Uckermark).

          Buch von Annalena Baerbock : Ein konsensfähiges Leben

          Wenn irgendwo was rumliegt, räumt sie es auf: Wie Annalena Baerbock in ihrem Buch „Jetzt“ die neue Rolle der Grünen zu verkörpern versucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.