https://www.faz.net/-gqe-9okse

Brandbrief : Uniper-Arbeitnehmervertreter schlagen Alarm in der Politik

Das Uniper-Kraftwerk Datteln 4 mit dem Datteln-Hamm-Kanal davor Bild: dpa

Jetzt wird es politisch: Im Streit um die Zukunft des Energiekonzerns Uniper schreibt der Betriebsrat an den Chef des finnischen Großaktionärs Fortum – und die Regierungen Deutschlands und Finnlands .

          Im Ringen um den Energiekonzern Uniper tragen Arbeitnehmervertreter den Streit mit dem finnischen Großaktionär Fortum in die Politik: die deutsche und die finnische. Der Konzernbetriebsrat fordert in einem Brief an den Fortum-Vorstandsvorsitzenden Pekka Lundmark, sein „Verschleiern der Strategie“ aufzugeben, und kündigt heftigen Widerstand gegen eine eventuelle Übernahme an. Als Adressaten des Schreibens, das der F.A.Z. vorliegt, sind unter anderem einkopiert Kanzleramtschef Helge Braun, Finnlands Ministerpräsidenten Antti Rinne und die jeweiligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Katri Kulmuni. Fortum wird vom finnischen Staat kontrolliert und hält 49,99 Prozent.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Arbeitnehmer werfen Fortum vor, die Turbulenzen im Vorstand verursacht zu haben. Die komplette Vorstandsriege ist bald Vergangenheit. Der Chef und Finanzvorstand, die sich gegen eine Übernahme durch die Finnen gestemmt haben, sind gegangen, Nachfolger sind seit Juni Andreas Schierenbeck (Vorstandsvorsitzender) und Sascha Bibert (Finanzchef). Die beiden verbleibenden Vorstandsmitglieder haben angekündigt, abzutreten.

          Die Arbeitnehmervertreter hatten Fortum schon zuvor davor gewarnt, die Unabhängigkeit des Konzerns anzugreifen. Neu ist – zumindest nach außen –, dass sie versuchen, den Streit in die Politik zu tragen. Die für das Unternehmen relevanten deutschen Gewerkschaften Verdi und IG BCE, ausländische Gewerkschaften und die Betriebsräte hätten sich konzernübergreifend formiert, heißt es in dem Brief vom Montag. Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg hat sich in der Vergangenheit ebenfalls kritisch zu Uniper geäußert. Die Arbeitnehmer können für sich genommen nichts blockieren, aber eine eventuelle Integration stark erschweren.

          Der Konzernbetriebsrat will unter anderem wissen, wie sich Fortum die angebotene Kooperation und die Zukunft der Standorte vorstellt, und fragt nach dem Abbau der Verschuldung nach einer Übernahme. „Die schriftliche Beantwortung dieser Fragen führt nicht automatisch zu einer Zustimmung der Arbeitnehmerseite, ist aber die Voraussetzung für einen konstruktiven Dialog“, schreibt Konzernbetriebsratsvorsitzender Harald Seegatz. „Ein weiteres Verschleiern der Strategie ist nicht weiter hinnehmbar. Da wir keine klaren Antworten bekommen, befürchten wir eine Zerschlagung von Uniper und müssen daher erneut darauf hinweisen, dass wir uns auf Basis der bislang vorliegenden Informationen einer Übernahme vehement widersetzen würden.“

          Uniper war 2016 aus der Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts aus dem Eon-Konzern entstanden. Mitte vergangenen Jahres hatte Fortum den bei Eon verbliebenen Restanteil erworben. Dass die Finnen keine Mehrheit an der früheren Eon-Kraftwerkstochtergesellschaft aufbauen konnten, liegt an einer als „strategisch“ eingestuften Trinkwasseraufbereitung, die Uniper in Russland betreibt und die nicht unter die Obhut eines staatlich kontrollierten Konzerns wie Fortum geraten soll.

          Weitere Themen

          Zeitplan für Grundsteuer-Reform gerät ins Wanken

          FDP droht mit Blockade : Zeitplan für Grundsteuer-Reform gerät ins Wanken

          Nur noch drei Monate haben Bund und Länder für eine Neuregelung der Grundsteuer – sonst darf sie nicht mehr erhoben werden. Nun gibt es neuen Streit. Es geht um den mühsam ausgehandelten Kompromiss zu einer Öffnungsklausel für die Länder.

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Klimawandel und Professionalisierung

          In dieser Woche will die Bundesregierung ihre klimapolitischen Pläne festschreiben. Vorher schärfen alle Akteure noch einmal ihr Profil. Das gelang gestern Abend auch dem AfD-Politiker Björn Höcke, während es bei Anne Will um die Autoindustrie ging.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.