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Ungezieferplage in New York : Krabbelnder Albtraum

Plagegeist aus New York: Bettwanze beim Blutsaugen Bild: dpa

Bettwanzen werden zum Albtraum für Modeketten wie „Victoria's Secret“. Wegen des Ungeziefers mussten Läden zeitweise geschlossen werden. Die amerikanische Kammerjägerbranche hat ihren Umsatz mit Wanzenbekämpfung verdoppelt.

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          In den Modefilialen von „Hollister“ und „Abercrombie & Fitch“ wird körperliche Perfektion zelebriert. Die Ketten, die beide zum Modekonzern Abercrombie & Fitch Co. gehören und sich vor allem an Teenager richten, postieren an den Eingängen ihrer Läden männliche Models, die ihre Waschbrettbäuche zur Schau stellen. Ausgerechnet in diesen Tempeln des Körperkults haben sich kürzlich aber unappetitliche Dinge ereignet: Vor wenigen Wochen wurde die New Yorker „Hollister“-Filiale von Bettwanzen heimgesucht und musste für zwei Tage geschlossen werden. Kurz danach wurden die Blutsauger auch in einer Filiale von „Abercrombie & Fitch“ gesichtet, und der Laden machte für fast eine Woche dicht. Wenig später tauchte das Ungeziefer bei der Dessouskette „Victoria’s Secret“ auf, die sonst ebenfalls eher für ein verführerisches Image bekannt ist. Hier war der Spuk etwas schneller vorbei, und das Geschäft wurde nur für wenige Stunden geschlossen. Nur eine kleine, isolierte Fläche sei von Wanzenbefall betroffen gewesen, teilte das Unternehmen mit. Das Geschäft sah sich aber gezwungen, Ware zu entsorgen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In einer dichtbesiedelten Metropole wie New York gehört Ungeziefer zum Alltag. Bislang galten eher Ratten oder Kakerlaken als die auffälligsten Schädlinge in New York. Nun aber werden Bettwanzen zu einer immer größeren Plage, und das unterstreichen die gehäuften Fälle in namhaften Läden. Die Wanzen tauchen in privaten Haushalten auf, aber immer mehr auch in öffentlichen Gebäuden: Geschäfte, Hotels, Kinos, Waschsalons, Krankenhäuser, Kirchen oder Büros. Für Einzelhändler ist Wanzenbefall verheerend, zumal wenn sie ihre Geschäfte für längere Zeit schließen müssen und ihnen Umsätze entgehen. Abercrombie-Vorstandsvorsitzender Mike Jeffries schrieb in seiner Verzweiflung einen Brief an den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und forderte ihn auf, sich der grassierenden Wanzenplage anzunehmen.

          Wanzen verbreiten sich leicht

          Nicht nur in New York verbreiten sich Bettwanzen rasant. In ganz Amerika wurden im vergangenen Jahr 260 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Insekten ausgegeben, sagt Missy Henriksen von der National Pest Management Association, einem Verband der Schädlingsbekämpfungsindustrie. Zwei Jahre zuvor war es noch halb so viel. Bettwanzen werden damit zu einem immer wichtigeren Geschäft der Kammerjägerbranche, deren gesamtes jährliches Umsatzvolumen bei rund 6,5 Milliarden Dollar liegt (noch bedeutender als Umsatzbringer für die Industrie sind zum Beispiel Ameisen, Termiten und Kakerlaken). Nach einer Umfrage des Verbandes hatten 95 Prozent der Schädlingsbekämpfungsbetriebe im vergangenen Jahr mit Bettwanzenbefall zu tun. Vor der Jahrtausendwende seien es 25 Prozent gewesen. Vor einigen Jahrzehnten galten die Tiere noch als weitgehend ausgerottet.

          Victorias Werbeträger Heidi Klum
          Victorias Werbeträger Heidi Klum : Bild: dpa

          Bettwanzen sind winzige, nur etwa fünf Millimeter große Parasiten. Ihren Namen haben sie, weil sie vor allem nachts auf Nahrungssuche sind und im Bett schlafende Menschen beißen und anzapfen. Die rotbraunen Wanzen lassen sich in Matratzenritzen oder Nähten von Bettwäsche nieder, leben aber ansonsten auch überall, wo sie ein kleines Versteck finden können, etwa in Polsterungen von Sofas oder hinter Lichtschaltern und Bilderrahmen. Die widerstandsfähigen und sich schnell vermehrenden Winzlinge gelten als besonders tückische Plage, weil es sehr schwer ist, sie vollständig zu beseitigen, wenn sie sich einmal irgendwo breitgemacht haben. Ihre Bisse sind aber vergleichsweise ungefährlich: Sie können zwar Juckreiz und Hautreaktionen auslösen, die Tiere sind aber nicht dafür bekannt, Krankheitserreger zu übertragen.

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