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Angriff auf Adidas : Vom Rosenverkäufer zum Sportmogul

Kevin Plank, der Gründer von Under Armour Bild: Andrew Cutraro/Redux/Redux/laif

Kevin Plank hat Under Armour zum Aufsteiger der Sportartikelindustrie gemacht. Von Adidas hält er wenig, und auch Nike sagt er den Kampf an. In Amerika ist der Konzern schon die Nummer 2. Das nächste große Ziel ist für ihn der „Schlüsselmarkt“ Deutschland.

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          Es fing mit Blumen an. Als Kevin Plank an der University of Maryland studierte, gründete er einen Lieferdienst für Rosen namens „Cupid’s Valentine“. Vier Jahre lang lieferte er jeweils am Valentinstag Rosen aus, seine spätere Frau Desiree Jacqueline („D.J.“) half ihm dabei. Reich wurde er damit nicht, aber es kamen immerhin 17.000 Dollar zusammen. Und dieses Geld sollte ihm dabei helfen, im Jahr 1996 den Sportartikelhersteller Under Armour zu gründen und zu finanzieren, mit dem er zum Multimilliardär wurde.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Under Armour ist der aggressive Aufsteiger in der Sportartikelindustrie, der auch die etablierten Konzerne wie Nike und Adidas aufhorchen lässt. Während Adidas derzeit in Amerika schwer zu kämpfen hat, prescht Under Armour hier voran und hat die Herzogenauracher sogar als zweitgrößte Sportmarke in dem Markt hinter Nike abgelöst. Mit der ihm eigenen Kampfeslust verspottete der 42 Jahre alte Plank Adidas kürzlich in einem Fernsehinterview als seinen „dümmsten Wettbewerber“. Selbst mit dem noch viel größeren Wettbewerber Nike will er es aufnehmen. Sein Traum ist es, Nike eines Tages als größten Sportartikelhersteller der Welt abzulösen. Von Plank ist die Geschichte überliefert, dass er früher dem Nike-Gründer Phil Knight jedes Jahr eine Weihnachtskarte mit dem bedrohlich klingenden Satz „Eines Tages wirst Du von uns hören“ schickte.

          Er ist ein Großmaul, aber mehr als ein Dampfplauderer

          Der bullige und durchtrainierte Plank ist ohne Zweifel ein Großmaul, aber er ist mehr als ein Dampfplauderer, denn dazu ist Under Armour mittlerweile zu erfolgreich. Das Unternehmen, das seine Kunden gerne „Athleten“ nennt, blickt auf 19 Quartale mit einem Umsatzwachstum von mehr als 20 Prozent zurück. 2014 schaffte Under Armour einen Umsatz von 3,1 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie noch drei Jahre zuvor. Der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als ein Drittel gestiegen. Mit seiner Marktkapitalisierung liegt Under Armour sogar knapp vor Adidas, trotz deutlich niedrigeren Umsatzes. Davon profitiert Plank als Großaktionär auch persönlich. Auf der jüngsten „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt wird Plank mit einem Vermögen von 3,1 Milliarden Dollar geführt.

          Under Armour hat eine uramerikanische Entstehungsgeschichte, die Wurzeln des Unternehmens liegen im American Football. Als Plank studierte, verkaufte er nicht nur Rosen, sondern war auch im Football-Team der Universität. Dort war er „der verschwitzteste Typ auf dem Platz“, wie er selbst einmal sagte. Es störte ihn, dass sein Baumwolloberteil regelmäßig vollgesogen mit Schweiß war, und er fand, dass dies seine Leistung beeinträchtigte. Plank machte sich also auf die Suche nach einem synthetischen Material, das den Körper trockener hält, indem der Schweiß durch die Kleidung nach außen dringt, wo er dann verdunsten kann. Und so ließ er einen Prototypen für ein Sportunterhemd entwickeln, das zur Basis von Under Armour („Unter der Rüstung“) werden sollte. Er war nicht der Erste, der die Idee für solche Funktionskleidung hatte, aber er war derjenige, der für ihre Verbreitung im Football sorgte und sie dann auch auf breiter Front populär machte.

          Er hat ganz klein angefangen

          Plank arbeitete in den bescheidenen Anfangstagen vom Keller des Hauses seiner Großmutter in Washington aus, und er verkaufte seine Ware zuerst aus dem Kofferraum seines alten Ford-Geländewagens. Er wusste, dass der Weg zum Erfolg über die Ausrüstung von Spielern führen würde, und er klapperte ein Team nach dem anderen ab. Dabei machte er mit seinem angeborenen Verkaufstalent sein Unternehmen immer etwas größer, als es eigentlich war, wie er selbst zugibt. „Wenn wir fünf Teams hatten, habe ich jedem erzählt, dass es zehn sind“, sagte er einmal in einem Interview. Er hat Under Armour als das Unternehmen dargestellt, das es gerne sein möchte, und nicht als das, welches es wirklich war.

          Im Laufe der Jahre hat Under Armour sein Sortiment weit jenseits von Sportunterhemden verbreitert. Das Unternehmen hat heute eine breite Palette von Sportbekleidung, Schuhen und Accessoires wie Rücksäcke und Handschuhe im Angebot. Die Marke will sich auch von ihrem traditionell hyper-maskulinen Image etwas lösen und verstärkt ein weibliches Publikum ansprechen. Bislang bringen weibliche Kunden 30 Prozent des Konzernumsatzes, Plank will den Anteil auf 50 Prozent oder mehr ausbauen. Sein anderer Schwerpunkt ist das Auslandsgeschäft.

          Bislang ist Under Armour außerhalb der Vereinigten Staaten noch eine weitgehend unbekannte Größe und erzielt hier lediglich 9 Prozent seines Umsatzes. Künftig soll mehr als die Hälfte aus dem Ausland kommen. Dabei sieht Plank Deutschland als einen seiner „Schlüsselmärkte“, wie er kürzlich sagte. Under Armour verkauft seine Ware hierzulande über eine Reihe von Händlern und seit vergangenem Jahr auch direkt über das Internet. Es gab zuletzt auch Spekulationen, dass Under Armour sich verstärkt um Partnerschaften mit deutschen Fußballmannschaften bemüht. Vor einigen Jahren rüstete das Unternehmen schon einmal Hannover 96 aus, zog sich dann aber zunächst wieder aus dem hiesigen professionellen Fußball zurück.

          Seine Anfänge als Rosenverkäufer hat Plank derweil nicht vergessen. Einmal im Jahr veranstaltet er den nach seinem früheren Blumenprojekt benannten „Cupid’s Cup“, einen Wettbewerb für Jungunternehmer. Und erst vor wenigen Wochen hat er sich über seine persönliche Investmentgesellschaft an einer Finanzierungsrunde für Urban Stems beteiligt, einem amerikanischen Online-Händler für Blumen.

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