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Umstrukturierung : Die Deutsche Bank könnte mehr Stellen abbauen

Auf der Jahrespressekonferenz im Februar hatte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schon eine Idee davon, wie tief die Einschnitte sein werden. Bild: Reuters

Die Deutsche Bank baut Tausende Stellen ab. In Deutschland sind offenbar mehr Mitarbeiter betroffen als bislang bekannt. Im Privatkundengeschäft soll sich einiges ändern. Die Gewerkschaft verweist auf den Kündigungsschutz.

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          Die Deutsche Bank könnte in Deutschland deutlich mehr Stellen abbauen als bislang angenommen. Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing hatte im Juli angekündigt, dass bis zum Jahr 2022 insgesamt 18.000 der gut 92.000 Stellen auf der ganzen Welt wegfallen sollen. Gut die Hälfte davon, also 9000 Stellen, soll nun offenbar auf dem Heimatmarkt gestrichen werden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei sollten vor allem im Privatkundengeschäft viele Arbeitsplätze wegfallen. Nach Informationen der F.A.Z. dürften aber weniger die Filialen als die ihnen zuarbeitenden Abteilungen wie zum Beispiel die IT betroffen sein. Die Bank wollte die Zahl am Dienstag nicht kommentieren und stellte nur klar, sie plane derzeit keinen weiteren Stellenabbau über die schon bekanntgegebenen Pläne hinaus.

          Für Details dazu, in welchen Regionen und Abteilungen wie viele Stellen wegfallen sollten, sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher und wiederholte eine Äußerung von Sewing: Auch in Deutschland wird eine substantielle Zahl von Stellen wegfallen, da es der mit Abstand größte Standort der Deutschen Bank ist. Hierzulande arbeiten 41.700 Mitarbeiter.

          Noch kurz vor Bekanntgabe der neuen Strategie hatte sich die Bank Ende Juni mit den Arbeitnehmervertretern darauf verständigt, dass im Zuge der Integration der Postbank im deutschen Privatkundengeschäft gut 2000 Stellen bis Ende nächsten Jahres gestrichen werden sollen. Diese Vereinbarung ist in den kurz darauf bekanntgegebenen Abbauplänen schon berücksichtigt. Demnach müssten noch 7000 weitere Stellen wegfallen.

          Der damals noch zuständige Privatkundenvorstand Frank Strauß hat die Bank inzwischen verlassen – als ein Grund dafür gilt, dass der frühere Vorstandsvorsitzende der Postbank einen noch härteren Sparkurs nicht mittragen wollte. In der von Sewing vorgelegten neuen Strategie sollen die bereinigten Kosten des Deutsche-Bank-Konzerns um mehr als ein Viertel auf 17 Milliarden Euro sinken. Allein 1,4 Milliarden Euro im Jahr soll das deutsche Privatkundengeschäft einsparen.

          Der neue Leiter dieses Bereichs, Manfred Knof, scheint weniger Hemmungen zu haben als Strauß. So soll er dem Vernehmen nach derzeit prüfen, wie sich die derzeitige Struktur mit zwei Zentralen des Privatkundengeschäfts in Frankfurt und Bonn umwandeln lasse. Dadurch ließen sich Kosten in dreistelliger Millionenhöhe einsparen. Strauß hatte diese Doppelzentrale im Juni noch klar verteidigt und gesagt: „Ökonomisch ist die Lösung mit zwei Zentralen für uns die einzig vernünftige Struktur. Einen dieser großen Standorte zu schließen, wäre zu teuer.“

          Knof hat aber noch andere Pläne: Die bislang als eigenständige rechtliche Einheit agierende DB Privat- und Firmenkundenbank soll möglichst mit der Muttergesellschaft verschmolzen werden, um den bürokratischen und regulatorischen Aufwand zu verringern.

          Der Zeitpunkt, zu dem nun der mögliche Abbau von 9000 Stellen in Deutschland durchsickert, könnte indes taktisch gewählt sein. An diesem Mittwoch kommen die Bankführung und die Arbeitnehmervertreter der Postbank zum wiederholten Male zu Tarifverhandlungen zusammen. Die Gewerkschaften Verdi und DBV sind mit Forderungen nach kräftigen Gehaltserhöhungen von bis zu 7 Prozent ins Rennen gegangen.

          Die Bank hatte ihr Angebot für die rund 12.000 Beschäftigten der Postbank in der vorigen Woche auf 4,1 Prozent erhöht, um unbefristete Streiks abzuwenden. Jan Duscheck, der Verhandlungsführer von Verdi in der Bankbranche, verwies am Dienstag auf Anfrage der F.A.Z. darauf, dass für weite Teile der Belegschaft, insbesondere in den Filialen und dem Privatkundengeschäft, ein Kündigungsschutz bis Juni 2021 gelte. Das Ziel von Sewings neuer Strategie ist allerdings auch erst das Jahr 2022.

          Der Aktienkurs der Bank sank am Dienstag zeitweise um mehr als 3 Prozent auf 6,21 Euro. Ein Grund dafür dürfte aber auch eine Herabstufung durch das Analysehaus Independent Research gewesen sein, das nun empfiehlt, die Aktien zu verkaufen. Analyst Jan Lennertz verwies auf diverse Ermittlungsverfahren gegen die Bank, die das Anlegervertrauen belasteten und sprach von einer instabilen Lage des Geldhauses.

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