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Umstrittener Wechsel : BMW-Chef schafft es an die Spitze des Aufsichtsrats

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Der scheidende Vorstandsvorsitzende von BMW, Norbert Reithofer, auf der Hauptversammlung in München Bild: dpa

Am Ende hat es doch geklappt: Der bisherige BMW-Chef Reithofer wechselt nahtlos in das Kontrollgremium, das er künftig auch führen wird. Allerdings straften ihn einige kritische Aktionäre bei der Abstimmung ab.

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          Trotz scharfer Aktionärskritik hat der bisherige BMW-Chef Norbert Reithofer den nahtlosen Übergang in den Aufsichtsrat geschafft. Nach achteinhalb Jahren als Vorstandschef wurde der Manager auf der Hauptversammlung am Mittwoch in München mit knapp 86 Prozent der Stimmen in das Kontrollgremium gewählt - für BMW, wo Ergebnisse weit über 90 Prozent üblich sind, ein vergleichsweise niedriges Ergebnis.

          Anschließend bestimmten die Aufsichtsratsmitglieder Reithofer zum neuen Vorsitzenden. Eingefädelt hatte den Führungswechsel die Eigentümerfamilie Quandt, die knapp 47 Prozent der Anteile an BMW hält. Zahlreichen anderen Aktionären missfiel jedoch der nahtlose Übergang.

          „Damit schaden sich alle Beteiligten letztlich selbst“, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. „Ein Aufsichtsratsvorsitzender braucht kritische Distanz, um Dinge zu hinterfragen.“ So könne Reithofer nicht unbefangen und neutral über das wachen, was er selbst geschaffen habe. Zudem mache er es angesichts seiner Erfolge als Vorstandschef seinem Nachfolger Harald Krüger noch schwerer, aus seinem Schatten zu treten.

          Direkter Wechsel wird kritisch gesehen

          Seit BMW im Dezember den Wechsel an der Führungsspitze angekündigt hatte, lobte Reithofer bei vielen Gelegenheiten die von ihm aufgesetzte Strategie, die bis 2020 gelten solle. „Eigentlich ist das ein No-go, wir sind gegen diese Konstellation“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie kündigte aber mit Blick auf Reithofers Erfolge dennoch Unterstützung für seine Wahl in den Aufsichtsrat an, während Speich sie versagte.

          Felix Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), ebenfalls ein Gegner des direkten Wechsels, verwies auf die Grundsätze der guten Unternehmensführung im Deutschen Corporate Governance Kodex. Dort wird eine zweijährige Abkühlphase zwischen den beiden Spitzenämtern empfohlen. Im Kodex ist aber eine Ausnahme vorgesehen: Der direkte Wechsel eines Firmenchefs auf den Spitzenposten im Aufsichtsrat kann auf Wunsch eines Großaktionärs erfolgen.

          Aktionäre erwarten viel vom neuen Chef

          Für seine Arbeit als Vorstandschef erhielt Reithofer Lob von allen Seiten, inklusive Stefan Quandt, der das „neue Niveau“ des Unternehmens würdigte. In seiner achteinhalbjährigen Amtszeit hatte Reithofer BMW eine Imagewende verpasst und viele interne Tabus gebrochen. Der Oberklasse-Hersteller stieg aus der Formel 1 aus und setzte auf Elektroautos, er ging Partnerschaften ein und verkauft seine Motoren seither an Dritte. Gekoppelt mit einem milliardenschweren Sparprogramm und dem Abbau von mehr als 10.000 Stellen sorgte Reithofer dafür, dass sich der Gewinn seit 2007 mehr als verdoppelte, und die Dividende fast verdreifachte.

          DSW-Vertreterin Bergdolt sagte, der neue Vorstandschef trete in große Fußstapfen. Angesichts der „ganz hohen Basis“ werde es schwierig für Krüger, alle Erwartungen zu erfüllen. „Wir erwarten von Ihnen, dass BMW weiterhin auf der Überholspur fährt.“

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