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Umstrittener Deal : Chinesen kaufen australischen Babymilch-Hersteller

Wenn die Milch fürs Baby aus der Flasche kommt, muss Pulver her. Bild: dpa

In aller Welt kaufen Chinesen Milchpulver auf. Nun hat Australien die Übernahme eines Milchherstellers erlaubt. Das sorgt für Kritik. Viele befürchten, dass China damit seinen politischen Einfluss auf Canberra weiter ausbaut.

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          Australiens Schatzkanzler Josh Frydenberg hat eine sehr umstrittene Übernahme abgesegnet: Der aus Peking gestützte Milchkonzern China Mengnui Dairy Company darf für rund 1,5 Milliarden Australische Dollar (925 Millionen Euro) den Babymilch-Hersteller Bellamy’s Australia kaufen. Das führt zu lautem Widerspruch. Zum einen kaufen chinesische Zwischenhändler seit Jahren Babymilch in Australien auf, um sie mit hohem Aufschlag in der Heimat zu vertreiben. Zum anderen grassiert eine wachsende Furcht, China kaufe den Fünften Kontinent auf und baue damit auch seinen politischen Einfluss auf Canberra weiter aus.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Warum gehen wir so frivol mit australischem Besitz um? Wir müssen etwas mehr Respekt für das zeigen, was das unsere ist und uns mehr darum kümmern, ohne so darauf aus zu sein, es wegzugeben“, hieß es in den Reihen der nationalistisch ausgerichteten Partei One Nation zu der Transaktion. Denn Mengnui liegt zu 16,2 Prozent in Händen des Staatunternehmens China Oil and Food Corp. (COFCO).

          Im Vorfeld der Übernahme war immer wieder vermutet worden, China drücke den Aktienkurs von Bellamy’s, um den Einstieg günstiger zu bekommen. Bevor der Verwaltungsrat von Bellamy’s das Angebot annahm, hatte der Kurs der Aktie innerhalb von eineinhalb Jahren 62 Prozent seines Wertes verloren. Das lag vor allem daran, dass der chinesische Marktaufseher SAMR die Genehmigung zum Verkauf organischer Babymilch aus Australien in China immer wieder verzögerte, was mancher in Australien als Beeinflussung auslegte. Auch deshalb kassierte Bellamy sein Umsatzziel von 500 Millionen Australischen Dollar 2021. Am Freitag stieg der Preis der Bellamy’s-Aktie an der Börse in Sydney dann auf den höchsten Stand seit Juni 2018.

          Übernahme ist an Bedingungen geknüpft

          Die Übernahme ist auch deshalb belastet, weil Chinesen seit Jahren Milchpulver in Australiens Supermärkten aufkaufen und – mit hohem Aufschlag – in der Heimat weiterreichen. Daraus entstand ein regelrechter Geschäftszweig: Die „Daigous“ sollen täglich rund 30.000 Pakete mit Milchpulver aus Australien in ihre Heimat versenden. Seit mit Chemikalien vergiftete Babymilch 2008 zum Tod von Kleinkindern führte, misstrauen chinesische Eltern der heimischen Fertigung. Vor den Olympischen Spielen hatte die Regierung versucht, den Skandal mit allen Mitteln zu verheimlichen. Zudem sollen Chinesinnen im Vergleich seltener stillen, auch weil sie berufstätig sind.

          Nun knüpften die Australier Bedingungen an die Übernahme: So muss die Mehrheit der Direktoren von Bellamy’s ihren Wohnsitz in Australien haben, der Sitz muss für zehn Jahre dort bleiben und weitere 12 Millionen Dollar müssen in den Ausbau der Produktion im Bundesstaat Victoria gesteckt werden. „Die Genehmigung wird sicherstellen, dass Bellamy’s weiterhin Arbeitsplätze in Australien unterstützen wird und seine Fähigkeiten ausbaut, im heimischen Markt zu wachsen wie auch seine Exportmöglichkeiten zu nutzen, insbesondere im Wachstumsmarkt Asien“, erklärte Frydenberg. „Ohne ausländisches Kapital und Investitionen wären Australiens Ausstoß, seine Beschäftigung und der Lebensstandard geringer.“

          Die Bedingungen, die Australien in der Vergangenheit etwa bei der Übernahme von Tasmaniens größtem Milchbauernhof, Tasmania VDL Farms, durch die chinesische Moon Lake verhängt hatte, wurden von den Chinesen allerdings nicht erfüllt. Das führt nun zu höherer Skepsis. Erster Gewinner der Genehmigung wird der Vorstandsvorsitzende von Bellamy’s sein, Andrew Cohen. Der frühere Berater von Bain & Co hält die knappe Mehrheit am Aktienkapital und dürfte dank des Kaufs rund 15 Millionen Dollar machen.

          China versucht seinen Einfluss auszubauen

          Dabei ist der Einstieg bei Bellamy’s im Vergleich zu denjenigen bei Unternehmen, die kritische Infrastruktur wie Energie oder Stromtransport sicherstellen, für Canberra leichter zu genehmigen. Bald schon wird über den geplanten Einstieg von Chinas Sinosteel-Konzern in das rund 10 Milliarden Dollar schwere Hafenprojekt Oakajee Port in Westaustralien zu entscheiden sein. Bislang gehörte der Anteil dem japanischen Mitsubishi-Konzern. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hatte erst vorvergangene Woche gefordert, die Beziehungen zwischen dem Rohstoffland Australien und seinem wichtigsten Kunden China müssten wieder in „normale Bahnen“ gelenkt werden.

          Den wichtigen Hafen Darwin im Norden, wo unter anderem amerikanische Truppen stationiert sind, haben die Australier über einen Leasingvertrag an das chinesische Unternehmen Landbridge vergeben. Das sandte einen Schock bis nach Washington. Canberra blockierte dann den geplanten Kauf des Stromnetzes im Kernland New South Wales durch die chinesische State Grid. Vor einem Jahr untersagten die Australier dem Hongkonger Konglomerat Cheung Kong, geführt vom Pekingfreundlichen Multimilliardär Li Ka-shing, den Gaskonzern APA für rund 13 Milliarden Dollar zu übernehmen. Anders als die deutsche Bundesregierung vor kurzem untersagte die Regierung den chinesischen Telekommunikationszulieferern Huawei und ZTE die Teilnahme am Aufbau des 5G-Netzes.

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