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Umsatzwarnung : Snap schürt Alarmstimmung an der Börse

Abgestürzt: Der Wert der Aktien von Snap liegt nun unter dem Ausgabekurs beim Börsengang. Bild: dpa

Eine überraschende Umsatzwarnung des Internetkonzerns verstärkt Sorgen um die Verfassung der ganzen Branche.

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          Die schlechten Nachrichten aus der Technologiebranche häufen sich. Das amerikanische Internetunternehmen Snap hat jetzt seine Prognosen für Geschäftsergebnisse im laufenden Quartal nach unten korrigiert. Das kam umso überraschender, weil der Mutterkonzern des sozialen Netzwerks Snapchat diese Vorhersagen erst vor rund einem Monat gemacht hatte. Und es sorgte auf breiter Front für Unruhe an der Wall Street, weil Snap zur Begründung nicht auf unternehmensspezifische Faktoren verwies, sondern auf das makroökonomische Umfeld, das sich „stärker und schneller als erwartet“ verschlechtert habe. Der Aktienkurs von Snap stürzte am Dienstag im Handelsverlauf um mehr als 43 Prozent auf rund 12,6 Dollar ab. Noch im vergangenen September hatte die Aktie ein Allzeithoch von mehr als 80 Dollar erreicht, sie hat seither also mehr als 80 Prozent an Wert verloren. Sie ist jetzt sogar unter den Ausgabepreis beim Börsengang im Jahr 2017 gefallen, der damals bei 17 Dollar lag. Neben Snap mussten am Dienstag auch andere Technologiekonzerne große Kursrückgänge hinnehmen, vor allem diejenigen, deren Geschäft wie bei Snap in erster Linie von Onlinewerbung abhängt. Der Kurs des Facebook-Mutterkonzerns Meta, der seit Jahresbeginn schon um mehr als 40 Prozent gefallen war, rutschte nochmals um fast 8 Prozent nach unten. Die Aktien von Twitter und Alphabet, der Mutterholding von Google, verloren rund 5 Prozent an Wert.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Snap rechnet jetzt damit, sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Quartal nicht einmal mehr das untere Ende der im April genannten Spannen zu erreichen. Damals hatte das Unternehmen ein Umsatzplus von 20 bis 25 Prozent in Aussicht gestellt. Schon das lag unter den Erwartungen von Analysten. Und auch die ersten drei Monate waren schwierig für Snap, das Unternehmen sprach von zunehmender Vorsicht unter seinen Werbekunden, unter anderem wegen höherer Inflation und steigender Zinsen, Engpässen in Lieferketten sowie Auswirkungen von Russlands Invasion in der Ukraine. Daneben machen Snap neue Datenregeln von Apple zu schaffen, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten sind. Sie behindern das Sammeln von Nutzerdaten auf Apple-Geräten, was es erschwert, Werbung auf einzelne Nutzer abzustimmen. Bei der Vorlage von Geschäftsergebnissen im April sagte Finanzvorstand Derek Andersen, in den ersten Wochen des angelaufenen Quartals habe das Umsatzplus noch um 30 Prozent gelegen. Dass Snap nur einen Monat später nicht einmal mehr ein Wachstum von 20 Prozent im gesamten Quartal erwartet, lässt auf eine erhebliche Eintrübung schließen. Vorstandschef Evan Spiegel führte jetzt in einer Nachricht an seine Belegschaft ähnliche Gründe an wie schon im April. Snap kämpfe damit „wie viele andere Unternehmen auch“. Er kündigte an, für den Rest des Jahres weniger Mitarbeiter einzustellen als ursprünglich geplant.

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