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Umfrage : Zwei Drittel gegen Staatshilfe für Deutsche Bank

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Zukunft im Fluss: Was wird aus der Deutschen Bank? Bild: dpa

Nach einer Woche Panik stellte sich sogar die Frage: Muss der Staat die Deutsche Bank retten? Die große Mehrheit der Deutschen lehnt das ab.

          Die Deutsche Bank hat eine turbulente Woche hinter sich. Der Aktienkurs fiel zeitweise auf weniger als 10 Euro, am Freitagnachmittag machten dann Gerüchte die Runde, eine Einigung mit dem amerikanischen Justizministerium könnte bevorstehen - und eine Strafzahlung deutlich unterhalb der 14 Milliarden Dollar. In diesem Auf und Ab wurde auch diskutiert, ob die Deutsche Bank nun insgesamt in Schieflage geraten könnte und womöglich mit Staatsgeld aufgefangen werden müsse. Bundesregierung und Bank wiese das ziemlich deutlich zurück.

          Sie treffen damit auch den Nerv der Deutschen. Die wollen nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Magazin „Focus“ nicht, dass der deutsche Staat die Deutsche Bank notfalls rettet. Mehr als zwei Drittel der Deutschen (69 Prozent) wollen das nicht.; nur 24 Prozent seien dafür.

          Wer braucht die Deutsche Bank?

          Die Führung der Deutschen Bank wird nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in der kommenden Woche nach Washington fliegen, Bankchef John Cryan ist wohl schon dort und war auch in der vergangenen Woche da, um den Streit mit dem Justizministerium beizulegen. Es geht um Hypothekengeschäfte im Zusammenhang mit der im Jahr 2008 eskalierten Finanzkrise.

          Die dramatische Lage des größten deutschen Geldhauses hat derweil auch die Industrie auf den Plan gerufen. Führende Manager großer Dax-Konzerne haben gegenüber der F.A.S. die Bedeutung der Deutschen Bank für die Volkswirtschaft bekräftigt. „Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet“, sagt der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Hambrecht. Die Nationalität des Finanziers zähle auch in der globalisierten Wirtschaft: „Die Machtspiele draußen im Markt sind nicht transparent, aber sie sind da.“

          Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt: „Starke deutsche Banken sind wichtig für eine starke deutsche Wirtschaft. Diese Verbindung ist eng. Und das wird so bleiben.“ Für eine so große Exportnation wie Deutschland wäre es schlecht, „wenn wir den Zugang zu den weltweiten Kapitalmärkten nur noch über Banken in anderen Ländern sicher stellen könnten“, ergänzt Eon-Chef Johannes Teyssen. Sein Konkurrent Peter Terium (RWE) redet in dem Punkt nicht anders.

          Auch aus der Politik kommen klare Aussagen zu dem Thema. „Was wir derzeit erleben, hat wirtschaftskriegsähnliche Züge“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer, der „Welt am Sonntag“. In Amerika gebe es eine lange Tradition, jeden Anlass für handelskriegsähnliche Scharmützel zu nutzen, wenn das der eigenen Wirtschaft nutze. Damit seien erpresserische Schadensersatzforderungen verbunden, wie das im Fall der Deutschen Bank zu sehen sei.

          „Tausende Menschen werden ihre Arbeit verlieren“

          Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wiederum übte scharfe Kritik am Auftreten der Deutschen Bank angesichts der aktuellen Probleme . „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer erklärt“, sagte Gabriel am Sonntagabend auf dem Flug zu einem Besuch in Teheran. Er bezog sich dabei auf Vorwürfe aus der Deutschen Bank, das Unternehmen sei Opfer von Spekulanten.

          Gabriel machte für die aktuelle Krise der Deutschen Bank dagegen frühere Fehler des Managements verantwortlich. „Das Szenario ist, dass tausende Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Sie tragen jetzt die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern“, sagte der Minister. Auf die Frage nach möglichen staatlichen Finanzspritzen sagte er, seine Sorge gelte nicht so sehr der Bank wie dem Verlust von Arbeitsplätzen.

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