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Umbaupläne : Commerzbank dampft Investmentbanking ein

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Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Jetzt gibt es neue Details. Bild: dpa

Schon gestern hatte die Commerzbank einen großen Stellenabbau angekündigt. Nun wird bekannt, in welcher Abteilung die meisten Mitarbeiter gehen müssen.

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          Der Umbau der Commerzbank wird sich nach den Erwartungen des Vorstands erst 2019 in den Geschäftszahlen niederschlagen. „2017 und 2018 sind zwei Übergangsjahre, die durch niedrige Rentabilität gekennzeichnet sind“, sagte Finanzvorstand Stephan Engels am Freitag in Frankfurt. Auf die beiden Jahre werden die 1,1 Milliarden Euro Aufwand verteilt, den die zweitgrößte deutsche Bank unter anderem für den Abbau von bis zu 9600 Stellen eingeplant hat. Auf der Kostenseite sind laut Engels erst 2019 spürbare Entlastungen zu erwarten.

          Vorstandschef Martin Zielke sagte, die Commerzbank habe auf die niedrigen Zinsen reagieren müssen. „Unsere Profitabilität ist zu niedrig. Und diese Situation wird sich, wenn wir nichts tun, weiter verschärfen.“ Das Geschäftsmodell sei zu komplex, die Strukturen seien nicht effizient genug und die Kosten damit zu hoch. „Unser Geschäftsmodell ist nur dann zukunftsfähig, wenn wir uns auf das besinnen, was wir besser können als der Markt. Bereiche, in denen wir nur 'mitspielen', sind nicht  zukunftsfähig.“ Deshalb ziehe sich die Commerzbank aus Teilen des Investmentbankings zurück, sagte Zielke laut Redetext. „Wir werden uns von Geschäften, bei denen wir keinen Bezug zu unseren Kernkunden haben, trennen.“

          Ihren gewaltigen Stellenabbau will die Bank möglichst sozialverträglich stemmen. „Die Entscheidung für den Personalabbau ist mir sehr schwergefallen“, versicherte Zielke am Freitag in Frankfurt. Der Bank bleibe aber keine andere Wahl. „Wir verdienen einfach nicht genug Geld“, betonte Zielke. „Wir müssen dringend selbst etwas tun, um die Bank wieder deutlich profitabler und wettbewerbsfähiger zu machen.“

          Der Dax-Konzern hatte am Vortag angekündigt, 9600
          seiner derzeit gut 45.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020 zu streichen.
          „Wir werden versuchen, den Personalabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten und mit dem Gesamtbetriebsrat so kooperativ wie möglich zusammenzuarbeiten“, sagte Zielke. Weil zugleich 2300 neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen geschaffen werden sollen, fallen unter dem Strich 7300 Vollzeitstellen bei der Commerzbank weg.

          Markus Beumer verlässt die Bank

          Die Umstrukturierungen schlagen sich auch im Vorstand der Commerzbank nieder: Der langjährige Chef der Mittelstandssparte, Markus Beumer, verlässt das Institut. Beumers Vertrag werde auf seinen Wunsch zum 31. Oktober 2016 aufgelöst, teilte der Dax-Konzern am Freitag in Frankfurt mit. Der Vertrag des Managers, der seit Januar 2008 dem Commerzbank-Vorstand angehört, war erst im vergangenen Jahr bis zum 31. Dezember 2020 verlängert worden. Ganz unerwartet kam die Nachricht aber nicht: Schon Anfang des Monats war über die Personalie Beumer spekuliert worden.

          Die Leitung der neuen Firmenkundensparte übernimmt Michael Reuther, der derzeit das Investmentbanking führt. Es wird mit weiten Teilen der bisherigen Mittelstandssparte zusammengeführt.

          Die Mittelstandssparte war über Jahre der wichtigste Ertragsbringer der Bank, litt aber zuletzt zunehmend unter dem Zinstief. Beumer galt lange auch als möglicher Nachfolger für den langjährigen Konzernchef Martin Blessing, im Frühjahr machte die Bank aber den bisherigen Privatkundenvorstand Martin Zielke zum neuen Konzernchef.

          Die Commerzbank verspricht sich von der Konzentration auf Privat- und Firmenkunden einen kräftigen Schub für ihr Geschäft. Bis zum Jahr 2020 will das Institut im deutschen Markt zwei Millionen zusätzliche Kunden gewinnen. Dabei setze das Institut weiter auf ein dichtes Filialnetz, bekräftigte der teilverstaatlichte Dax-Konzern am Freitag in Frankfurt. Rund 700 Millionen Euro jährlich will die Bank in Digitalisierung und ihre IT investieren.

          Die Commerzbank hatte am Vortag mitgeteilt, sie wolle sich künftig auf zwei Geschäftsfelder konzentrieren: Privatkunden sowie Firmenkunden. Dazu werden die Segmente Mittelstandsbank und Investmentbanking gebündelt, das schwankungsanfällige Handelsgeschäft wird eingedampft. Zudem sollen kleinere Unternehmenskunden künftig vom Privatkundenbereich betreut werden. Auch die Tochtergesellschaft M-Bank in Polen wird künftig dieser Sparte zugeschlagen.

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