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Umbau bei der Deutschen Bank : Cryans Kronprinzen laufen sich warm

Noch ist er der Chef von Deutschlands größter Bank: John Cryan Bild: EPA

Die Deutsche Bank sucht einen neuen Vorstand fürs Investmentbanking. Wer das Ressort führt, bietet sich für den Chefposten an - und der könnte schon 2020 vakant sein.

          Im Vorstand der Deutschen Bank stehen entscheidende Veränderungen bevor. Dem Vernehmen nach will der zuständige Vorstand für das Investmentbanking, Jeff Urwin, vorzeitig in den Ruhestand gehen – der 61 Jahre alte Brite würde damit einen der wichtigsten Posten der Bank freimachen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar ist die Investmentbank in dem Konzern längst nicht mehr so mächtig wie einst unter Anshu Jain oder Josef Ackermann, seit sie vor eineinhalb Jahren in zwei Bereiche aufgespalten wurde. Doch die Beratung von Unternehmen bei Fusionen, Übernahmen und der Kapitalbeschaffung, die Urwin seither verantwortet, ist traditionell eine der Königsdisziplinen der Bank – die zuletzt aber an Strahlkraft verloren hat.

          Die Entscheidung, wer Urwins Nachfolge übernimmt, könnte auch Folgen dafür haben, wer sich Hoffnungen auf den Vorstandsvorsitz von Deutschlands größter Bank machen kann. John Cryans Fünf-Jahres-Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2020; es gilt als unwahrscheinlich, dass der Aufräumer darüber hinaus an der Spitze der Bank bleibt.

          Erste Planspiele sind zu hören

          Die Deutsche Bank möchte sich nicht an der Personaldebatte beteiligen, eine Sprecherin verortet sie unter „Gerüchte, die wir nicht kommentieren wollen“. Aber, auch wenn Urwins Abschied noch nicht unmittelbar bevorstehen soll, sind am Finanzplatz Frankfurt schon verschiedene Planspiele zu hören.

          Als heißer Kandidat für die Nachfolge von Urwin gilt der Finanzvorstand der Bank, Marcus Schenck. Der 51 Jahre alte Düsseldorfer hat sich einst bei der Investmentbank Goldman Sachs in Rekordzeit zum Partner hochgearbeitet, war dann sieben Jahre lang Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon, bevor er nach einem kurzen Comeback bei Goldman im Jahr 2015 als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte.

          Er kann beides: Banking und Business – was Unternehmen bei Finanzierungsfragen umtreibt, kennt er aus eigener Anschauung. In der deutschen Unternehmenswelt ist er sehr gut vernetzt, ist ein angenehmer und sehr fachkundiger Gesprächspartner. Im Aufsichtsrat gilt er daher schon länger als Kandidat für höhere Aufgaben. Schon jetzt geht Schenck des öfteren mit zu wichtigen Kundenterminen in Deutschland – was für einen Finanzvorstand nicht unbedingt üblich ist.

          Deutsche Bank will wieder angreifen

          Insofern hat er schon jetzt eine Lücke gefüllt, die Urwin zuletzt angelastet wurde: die Großkunden im wichtigen Heimatmarkt fühlten sich vernachlässigt von dem in New York stationierten Briten, den noch Anshu Jain im Februar 2015 von JP Morgan zur Deutschen Bank geholt hatte und der erst vor einem Jahr in den Vorstand eingezogen ist.

          In mehreren Ranglisten zum Investmentbanking ist die Deutsche Bank zuletzt abgerutscht und musste sich nicht nur gegen die starken Wall-Street-Banken sondern auch gegen die Schweizer Credit Suisse und die britische Barclays geschlagen geben. Sogar bei der Beratung im deutschen Übernahmemarkt reichte es nach den Zahlen des Informationsdienstes Thomson Reuters 2016 nur noch für Platz Acht.

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          Dass die Bank in ihrem Heimatmarkt wieder stärker angreifen will, hat schon die Berufung von Patrick Frowein und Berthold Fürst vor einem halben Jahr als neue Doppelspitze für die Unternehmensfinanzierung in Deutschland gezeigt. Sie gaben im Dezember eine Kampfansage ab: „Die Deutsche Bank ist hierzulande seit 14 Jahren Marktführer im Investmentbanking – und da wollen wir wieder hin.“

          Erste Gespräche schon vor Weihnachten?

          Schenck könnte vom Vorstand aus das Vertrauen der Konzerne in die Deutsche Bank wieder aufpäppeln – und sich weitere Meriten auf dem Weg zum Chefposten verdienen, indem er einmal eine wesentliche Geschäftssparte der Bank führen würde.

          Diese Fähigkeit unter Beweis stellen kann bereits Christian Sewing, der als weiterer aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten der Bank gilt. Sein Vorstandsressort Privat- und Firmenkunden ist nach der Umstrukturierung des Konzerns ähnlich gewichtig wie die beiden Sparten, in die das Investmentbanking aufgeteilt wurde. Zu den Erträgen 2016 von 30 Milliarden Euro steuerte Sewings Ressort 7,7 Milliarden Euro bei, Urwins Unternehmens- und Investmentbank 7,5 Milliarden Euro. Beim Vorsteuerergebnis stand es 1,1 Milliarden zu 1,7 Milliarden Euro.

          Gegen Schenck als Urwins Nachfolger spricht aber, dass er auch als Finanzvorstand einen ordentlichen Job macht – und die Lücke dort nicht einfach zu füllen wäre. Wie die F.A.Z. aus Finanzkreisen erfuhr, lässt der Aufsichtsrat um Paul Achleitner schon mögliche Kandidaten ansprechen. Schon vor Weihnachten soll es Gespräche mit einem Amerikaner für den Posten des Finanzvorstands gegeben haben, der aber abgewunken haben soll. Auch das will die Bank nicht kommentieren.

          Schaut Cryan zu wenig nach vorne?

          Sollte kein Ersatz für Schenck gefunden werden, fällt der Blick für die Nachfolge Urwins freilich auch auf die Ebene unter dem Vorstand. So ist in Finanzkreisen auch der Name Alasdair Warren zu hören, der seit Ende 2015 das Investmentbanking in Europa, Nahost und Afrika leitet. Er ist offiziell in London stationiert, soll aber sehr viel Zeit in Frankfurt verbringen. Cryan legt auf diese Nähe zur Zentrale großen wert, mindestens ein Mal die Woche ruft er alle Vorstandsmitglieder zur gemeinsamen Sitzung in den Doppeltürmen zusammen.

          Dass Cryan die Bank über das Jahr 2020 hinaus führen wird, gilt in Finanzkreisen als unwahrscheinlich. Er kann zwar gute Erfolge dabei vorweisen, die Altlasten der Vergangenheit aufzuräumen, hat die Bilanz deutlich entschlackt und große Rechtsrisiken abgearbeitet. Aber in der Bank wird zunehmend Kritik daran laut, dass er zu wenig nach vorne blicke.

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