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Ultrasonic AG : Chinesische Chefs plündern deutsche Firmenkasse

Skyline von Hongkong: „Überwiegender Teil der liquiden Mittel in Hongkong und China transferiert“ Bild: Reuters

Die chinesischen Vorstände einer deutschen Aktiengesellschaft haben sich mit der Firmenkasse aus dem Staub gemacht. 2013 hatte die Firma 100 Millionen Euro Barreserven, nun soll der Betrag nur noch sechsstellig sein. Es ist nicht der erste Fall dieser Art.

          Wieder einmal ist bei einem chinesischen Unternehmen, das in Frankfurt an der Börse notiert ist, der Chef verschwunden. Diesmal fehlen auch nahezu alle liquiden Mittel. Der Aktienkurs des Schuherstellers Ultrasonic AG brach nach dem Durchsickern der Nachricht um fast 80 Prozent ein – und vernichtete damit einen Börsenwert von fast 60 Millionen Euro.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Chi Kwong Clifford Chan, der das Unternehmen Ende dieses Monats als Finanzvorstand verlassen will, erklärte, der ganz überwiegende Teil der liquiden Mittel in Hongkong und China sei transferiert worden. Er befinde sich nun nicht mehr „im Einflussbereich des Unternehmens“. Geblieben seien der deutschen Holding mit Sitz in Köln ein „größerer sechsstelliger Euro-Betrag, so dass die Gesellschaft derzeit ihren Zahlungsverpflichtungen in gewohnter Weise nachkommen kann“. Im vergangenen Jahr wies Ultrasonic gut 100 Millionen Euro Barreserven aus.

          Chan hatte schon angekündigt, sein Amt aufzugeben, um in Hongkong mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Seit dem Wochenende aber scheint der Kontakt zu Vorstandschef Qingyong Wu abgebrochen. Auch der für das Tagesgeschäft zuständige Chief Operating Officer Minghong Wu gilt als verschwunden. Noch am Samstag vergangener Woche hatte die Firma erklärt, Minghong Wu werde ins Krankenhaus gehen und sein Amt für ein halbes Jahr ruhen lassen. Der nun verschwundene Vorstandsvorsitzende Qingyong Wu werde seine Arbeit übernehmen.

          Er ist der größte Einzelaktionär der Firma. Beide Männer hätten nun aber ihre „Häuser verlassen und keine Spur hinterlassen“, heißt es jetzt bei dem Schuhhersteller. Chan und der Aufsichtsrat befänden sich in Gesprächen mit Geschäftspartnern, um den Schaden zu begrenzen, erklärte das Unternehmen. Aufsichtsrats-Vorsitzender ist der Stuttgarter Rechtsanwalt Johannes Mauser. Neben ihm sitzen zwei Chinesen im Aufsichtsgremium.

          Die Ultrasonic AG, 2011 in Köln gegründet, ist die deutsche Holdinggesellschaft eines chinesischen Produzenten und Anbieters von Markenschuhen. Das Unternehmen beschäftigt fast 1500 Mitarbeiter und hat sich spezialisiert auf das Entwerfen, die Herstellung und den Verkauf von Schuhen, Stiefeln, Sandalen und Zubehör für die heranwachsende chinesische Mittelschicht; „Chinas am schnellsten wachsende Konsumentengruppe mit einer enormen Kaufkraft“. 2012 hatte Ultrasonic einen Vorsteuergewinn von 41,8 Millionen Euro bei einem Gesamtumsatz von 149,0 Millionen Euro erzielt. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate in den vergangenen drei Jahren von mehr als 30 Prozent. Während einfache Teile selbst in Fujian hergestellt wurden, kaufte Ultrasonic höherwertige Schuhe zu.

          Nicht der erste Fall dieser Art

          Der Fall Ultrasonic ist nicht der erste dieser Art: Auch der Vorstandschef des ebenfalls in Köln ansässigen Verpackungs-Hersteller Youbisheng Green Paper war im Juli verschwunden. Dem Finanzvorstand wurde der Zugang zu den Fabriken in China verweigert. Auch der als neuer Vorstandschef eingesetzte Bruder seines Vorgängers hatte wenig später seinen Rücktritt erklärt.

          Seit August hat bei der Kölner Youbisheng Green Paper AG Insolvenzverwalter Christoph Niering das Sagen. Die Deutsche Börse hatte jahrelang um Unternehmen aus China gebuhlt, die in Frankfurt aufs Parkett gehen wollten. Fachleute kritisieren, dabei handele es sich oft um Firmen, denen die Behörden im eigenen Land einen Börsengang nicht genehmigt hätten und die deshalb nach Deutschland ausweichen würden.

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